Cuxhavener Schüler wollen nicht tatenlos zusehen
CUXHAVEN. Unter dem Motto "Fridays for Future" gingen in Cuxhaven Scharen von Jugendlichen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße.
In der ganzen Innenstadt herrschte Aufbruchsstimmung. Überall waren Schülerinnen und Schüler unterwegs, viele von ihnen hatten Schilder dabei. Um kurz vor 10 Uhr am Freitagmorgen versammelten sie sich dann auf dem Wochenmarktparkplatz. Mehrere Hundert Jugendliche sind gekommen, um bei der ersten "Fridays-for-Future"-Demonstration in Cuxhaven für mehr Umweltschutz und eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.
Organisatorin Büsra (18) kommt von den Berufsbildenden Schulen und gibt den Teilnehmern noch kurz ein paar Sicherheitshinweise, dann macht sich der Pulk auch schon auf den Weg. Durch die Schulstraße bis hin zum Kaemmererplatz marschieren die Demonstranten. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", skandieren sie.
Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Schüler aus dem ganzen Cuxhavener Umkreis. So auch Julian und Laura (16) , die die elfte Klasse des Otterndorfer Gymnasiums besuchen. Sie sind durch Flyer und Instagram auf die "Fridays-for-Future"-Aktion aufmerksam geworden. "Wir wollen ein Zeichen setzten, dass es so nicht weitergehen kann", erklärt Laura.
Mattis, Sören, Lilly und Anna regt es besonders auf, dass es in der Politik nach wie vor eine Lobby für Kohlekraft gibt - obwohl hinlänglich bekannt ist, wie viel Dreck entsprechende Kraftwerke in die Atmosphäre pusten. "Man hört uns zu wenig zu", findet Sören und spricht damit für seine Altersgenossen, die Frustrationen und Zukunftsängsten auf dem Kaemmererplatz Luft machen.
"Das hier ist einfach eine tolle Aktion", findet Gymnasiastin Mira (16). Sie hofft, dass die Demonstrationen die Politik zum Umdenken bewegen wird. "Wir können alle etwas dafür tun, damit es in Zukunft besser wird." Bessere Umweltpolitik: Das ist auch das Anliegen der Veranstalter der Cuxhavener Demo. "Wir freuen uns, dass ein paar Kommunalpolitiker erschienen sind", bedankt sich Mitorganisatorin Lena Kramer (16) in ihrer Ansprache. "Wir würden uns allerdings noch mehr freuen, wenn sie sich auch schon in der Vergangenheit mehr für Umweltschutz eingesetzt hätten und dies auch in Zukunft tun würden."
Kramer appelliert, dass jeder Einzelne etwas für mehr Umweltschutz tun könne. "Man kann die Welt nicht retten, indem man sich an die Spielregeln hält. Ich bin mir sicher, dass auch viele eurer Lehrer etwas dagegen haben, dass ihr heute hier seid." Doch nicht alle Demonstranten sind in ihren Schulen auf Widerstand gestoßen. "Unsere Lehrer unterstützen das", berichten Hauke (16) und Alexander (15). Durch die Küstenlage sei man vor Ort schließlich besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen. "Cuxhaven - bald das neue Atlantis?" steht auf einem Pappschild, das die Amandus-Abendroth-Gymnasiasten zur Kundgebung mitgebracht haben.
Luise-Lotte (Lichtenberg-Gymnasium) stieg für die gute Sache sogar aufs Podium. Es gehe um die Zukunft ihrer Generation, aber auch um das Schicksal der Nachgeborenen, rief die zehnjährige Mitorganisatorin per Mikro in die Menge. Sie habe sich mit dem Thema Klimawandel beschäftigt und sei dann zu den Treffen der "Fridays"-Gruppe gegangen, erzählte sie anschließend im Interview. Franja und Warwara, zwei Elftklässlerinnen vom Gymnasium Otterndorf teilen Luise-Lottes Enthusiasmus. "Wir sind extra hierhergekommen, mit dem Zug", berichten sie, rechnen aber nicht damit, dass sich ein Wandel in der Klimapolitik von heute auf morgen herbeiführen lässt. "Ich glaub' schon, dass das noch dauert, bis sich da etwas ändert", sagt Franja. Womöglich wird sie bis dahin noch öfter auf die Straße gehen müssen.
Das "Fridays-for-Future"-Organisationskomitee plant jedenfalls schon die nächste Demonstration: Am 24. Mai, dem Freitag direkt vor der Europawahl, wollen die Schülerinnen und Schüler aus dem Cuxland dann noch einmal öffentlich Druck machen.
Von Charlotte Demski und Kai Koppe
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