Reizgas-Alarm nach Streit in Stade: Schülerinnen nach Pfefferspray-Einsatz verletzt
Reizgas-Alarm an der BBS III in Stade: Nachdem mehrere Schülerinnen und eine Schulassistentin über Beschwerden klagten, rückten Feuerwehr, Rettungsdienst und Spezialkräfte der Kreisfeuerwehr mit einem Großaufgebot an.
Drei Schülerinnen und eine Lehrerin hatten auf einer Toilette im Schulgebäude der BBS III den Geruch einer unbekannten Substanz wahrgenommen. Danach ging es ihnen nicht gut. Die Schule alarmierte daraufhin die Rettungskräfte. Gegen 10 Uhr rückten vier Rettungswagen, beide Züge der Stader Feuerwehr, die mobile Einheit Messen und Spüren und die Dekontaminationseinheit der Kreisfeuerwehr an. Die Betroffenen wurden sofort untersucht.
Schüler und Lehrer müssen im Klassenraum bleiben
Die restlichen Schüler und Lehrkräfte mussten in den Klassenräumen bleiben, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen die Substanz einatmen. "Der Lehrer hat uns nicht rausgelassen. Wir haben eine Arbeit geschrieben und mussten die auch noch zu Ende schreiben", berichtete ein Schüler. Nur ein Schüler mit Nasenbluten und einige, die dringend die Toilette aufsuchen mussten, wurden von der Feuerwehr auf sicherem Weg hinausgeleitet.

Zuerst gingen aber Stader Feuerwehrleute in die Räume, um eine erste Luftmessung wahrzunehmen. Der erste Verdacht: "Möglicherweise wurde mit Reizgas oder Tierabwehrspray hantiert." Laut Feuerwehrsprecher Stefan Braun waren etwa 70 Feuerwehrleute und vier Rettungswagenbesatzungen vor Ort im Einsatz. "Aus Vorsicht. Bei unbekannten Substanzen müssen wir sichergehen, gerade in einem Schulgebäude", erklärt er.
Dann machten sich zwei Leute vom Team Messen und Spüren bereit, um mit Chemie-Schutzanzügen, Helmen und einem photoionischen Messgerät mit UV-Licht die Räume zu untersuchen. Normale Atemluft lässt sich nicht ionisieren, aber wenn fremde, ionisierbare Substanzen vorhanden sind, zeigt das Gerät dies an.
Inzwischen konnte festgestellt werden, welche Substanz freigesetzt wurde: Es war ein Reizgas, im Volksmund: Pfefferspray. Die drei Schülerinnen wurden sicherheitshalber noch zur Untersuchung ins Elbe Klinikum gebracht. Die Schulassistentin kehrte schon nach der ersten Untersuchung wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.
Streit unter 16 Jahre alten Mädchen
Auch die Polizei war vor Ort. Wie Polizeisprecher Matthias Bekermann berichtet, ist ein privater Streit zwischen zwei 16 Jahre alten Schülerinnen offenbar so eskaliert, dass es zu dem Pfefferspray-Einsatz in der Toilette kam und zwei unbeteiligte, jeweils 19 Jahre alte Mitschülerinnen und die Schulassistentin in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Eine der 16-Jährigen soll sich mit dem Spray gegen ihre Angreiferin zur Wehr gesetzt haben. Ermittelt werde laut Polizei nun gegen die Jugendliche, die das Pfefferspray einsetzte, wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihre Rivalin und wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Gegen die besprühte Schülerin wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung eingeleitet.
Wer trägt die Kosten des Pfefferspray-Alarms?
Müssen die Eltern der Schülerinnen für den Einsatz bezahlen? "Grundsätzlich gilt: Hilfeleistungen werden nicht in Rechnung gestellt", teilt Stadtsprecher Stephan Voigt auf Tageblatt-Nachfrage mit. Die Hansestadt Stade wartet bei dem aktuellen Fall nun die Berichte von Polizei und Feuerwehr ab. Danach werde entschieden, ob eine Rechnung gestellt werde oder nicht.
Berufsschule nach Reizgas-Angriff evakuiert
Großalarm für die Ortsfeuerwehren Stade und Bützfleth gab es schon einmal Ende 2024. Im Forum der Berufsbildenden Schule III (BBS) war es zu einem Streit unter 17 und 18 Jahre alten Berufsschülern gekommen. Vier Personen sollen sich gestritten haben. Im Zuge der Auseinandersetzung habe ein Schüler "Reizgas eingesetzt", sagte die Polizei.
Mehrere Schüler und Lehrer klagten daraufhin über Unwohlsein, andere über Augenreizungen. Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle (FRL) löste erst einen Umweltalarm aus.
Von Anping Richter
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