Übergabe der Preis-Urkunde im Luisenhof in Hannover: die CN/NEZ-Redakteure Kai Koppe (v.l.) und Egbert Schröder, der BdSt-Vorsitzende Bernhard Zentgraf sowie Redaktionsleiter Felix Weiper. Foto: BdSt / Ole Spata
Journalismus

Deshalb erhielt die CN/NEZ-Redaktion einen Preis

16.05.2019

CUXHAVEN/HANNOVER. Der Bund der Steuerzahler vergibt den zweiten Preis beim Wettbewerb "Die Spitze Feder 2019" an die Cuxhavener Nachrichten.

Seinen Journalistenpreis "Die spitze Feder 2019" hat der "Bund der Steuerzahler (BdSt) Niedersachsen und Bremen" am Dienstagabend in Hannover vergeben. Dabei ging der zweite Preis an die Redaktion der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Der BdSt würdigte damit in einer Feierstunde im Luisenhof in Hannover die aufklärende Berichterstattung von CN und NEZ über die EWE-Abwassergeld-Affäre, bei der die Stadt Cuxhaven und damit die Bürger über Jahre "über Gebühr" belastet wurden. Es ging in der Summe um mehr als neun Millionen Euro. 

Der renommierte Journalistenpreis "Die spitze Feder" wird seit 1986 nur alle drei bis vier Jahre vom "Bund der Steuerzahler" an Redakteure und Redaktionen vergeben, die "Verschwendungsfälle zulasten der Steuerzahler" aufdecken. Der mit 2500 Euro dotierte erste Preis ging in diesem Jahr an sechs Journalistinnen und Journalisten des Bremer "Weser-Kuriers" für ihre Berichterstattung über den Bau des umstrittenen Offshore-Terminals in Bremerhaven. Den dritten und mit 500 Euro dotierten Preis erhielt die "Landeszeitung Lüneburger Heide", die die Kostenexplosion beim Bau der Leuphana-Universität Lüneburg "kritisch und mutig" beleuchtet habe, wie es hieß. 

Den zweiten Preis (dotiert mit 1500 Euro) erhielt die Redaktion der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung für ihre Recherchen und Berichte zur EWE-Abwasser-Affäre in Cuxhaven. "Nahezu täglich" sei in den beiden Zeitungen über "Entwicklungen und Verstrickungen in dem Fall" berichtet worden, so der BdSt-Vorsitzende Bernhard Zentgraf in seiner Laudatio. Zentgraf sprach bei der Preisverleihung von "gelungenen Kommentaren und aufschlussreichen Hintergrundinformationen". Zentgraf: "Die Redaktion hatte früh erkannt, dass die Abrechnungsaffäre in puncto Brisanz, Tragweite und Komplexität über die alltägliche Berichterstattung hinausreicht." 

Eine Konsequenz dieser Berichterstattung: "Die Bürgerinnen und Bürger sind mittlerweile schadlos gestellt worden, indem die Überzahlungen der Vergangenheit zu Reduzierungen der Abwassergebühren führen - und zwar für die Jahre 2019 bis 2021 bei den Schmutzwassergebühren um 30 Prozent und bei der Regenwassergebühr gar um 52 Prozent." 

Der BdSt-Vorsitzende Zentgraf nutzte die Preisverleihung übrigens auch dazu, um den Wandel in der Medienlandschaft kritisch zu beleuchten. In Zeiten von Twitter, Facebook und "Pseudo-Interviews", mit denen sich Politiker an Wähler wenden, sei unabhängiger, kritischer und fundierter Journalismus im Interesse der Steuerzahler gefordert: "Unsere Gesellschaft ist heute mehr denn je auf das Können von unabhängigen Journalistinnen und Journalisten angewiesen. Sie müssen aus der stürmischen Flut an Informationen die wesentlichen Inhalte herausfischen. Und sie brauchen ein Gespür dafür, welche Inhalte wirklich eine Schlagzeile wert sind." 

Journalisten würden, wenn sie sich mit dem öffentlichen Finanzwesen befassen, zudem "Sachverstand und Durchhaltevermögen" benötigen: "Sachverstand deshalb, weil viele Vorgänge komplizierte Facetten besitzen. Durchhaltevermögen, ja eine gewisse Hartnäckigkeit ist erforderlich, weil Informationen oft nur widerwillig, zögernd und bruchstückhaft herausgegeben werden."

EWE-Affäre brachte IHK-Präsidenten zu Fall

Privathaushalte, Vermietungsgesellschaften, Unternehmen in Cuxhaven - sie alle sind über Jahre hinweg "über Gebühr" zur Kasse gebeten worden. Grund ist ein Fehler im Hause des Entsorgungsdienstleisters EWE Wasser GmbH: Als Betreiberin der Cuxhavener Großkläranlage hatte die Tochtergesellschaft des Oldenburger EWE-Konzerns seit dem Jahr 2008 eine deutlich zu hoch angesetzte Kapitalkostenpauschale erhoben - gegenüber der Vertragspartnerin (Stadt Cuxhaven), die das für die Abwasserreinigung zu entrichtende Betriebskostenentgelt über die Abwassergebührensatzung an Bürgerinnen und Bürger weiterreicht. Nachdem der EWE-Konzernvorstand den Abrechnungsfehler in einem Gespräch mit den Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung eingeräumt hatte, gab es eine intensive Berichterstattung in den CN und in der NEZ über in die Angelegenheit verstrickte Akteure, den möglichen Schadensausgleich für die Gebührenzahler und die komplexen Abrechnungssysteme beim Betrieb von Klärwerken. 

Die Berichterstattung der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung wurde überregional von zahlreichen anderen Medien aufgegriffen. Der um Schadensbegrenzung bemühte EWE-Konzern zog intern Konsequenzen: Zwei EWE-Wasser-Geschäftsführer legten ihre Tätigkeit nieder, einer der beiden trat auch vom Amt als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade zurück. 

Ausgestanden ist die Angelegenheit bis heute noch längst nicht: Abzusehen ist unter anderem, dass die Vereinbarung mit der "EWE Wasser GmbH", aber auch eine Vielzahl anderer Verträge, im Cuxhavener Rathaus auf dem Prüfstand stehen. Die Stadt hat inzwischen Abwassergebühren reduziert.

Jury:

Der Jury zur Preisvergabe des BdSt-Journalistenpreises gehörten Andrea Lütke (Fernsehchefin des Norddeutschen Rundfunks in Hannover), Ralf Geisenhanslüke (Chefredakteur der "Neuen Osnabrücker Zeitung"), Mathias Klein (Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und letztmaliger erster Preisträger), Michael Konken (Dozent für Journalismus und langjähriger Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes) sowie der BdSt-Vorsitzende Bernhard Zentgraf an. Er betonte in der Feier-stunde , die Entscheidung zur Vergabe der drei Preise sei "einmütig" gefallen.

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