Laut der Prognose der Gewerkschaft NGG drohen vielen Menschen Altersarmut. Foto: NGG
Finanzen

Beschäftigten im Cuxland drohen Mini-Renten

03.12.2018

KREIS CUXHAVEN. Beschäftigten im Landkreis Cuxhaven droht Altersarmut in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Zu dieser Einschätzung kommt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Rund 25 000 Arbeitnehmer aus der Region würden nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen, wenn sie nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand gehen, heißt es weiter. Dies seien 42 Prozent aller Beschäftigten im Kreis Cuxhaven.

Die Schwelle für "Alters-Hartz-IV" liegt im Kreis Cuxhaven bei aktuell 737 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet. Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner im Landkreis Cuxhaven künftig noch deutlich steigen - nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es fast 34 000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Dieter Nickel, Geschäftsführer der NGG-Region Bremen-Weser-Elbe, spricht von "alarmierenden Zahlen". Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. "Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel." Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. "Das reicht nicht aus", so Nickel. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Aushilfe statt Vollzeit

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. "Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden", betont Nickel. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Kreis Cuxhaven viele Beschäftigte im Alter aufstocken. "Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen - und zwar bezahlt nach Tarif", so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen "extrem mageren Rentenbescheid" einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Dritte im Kreis Cuxhaven einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich - nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. "Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen", so Nickel. Sein Fazit: "Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können."

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