Im Schatten des Krans

Beschaulichkeit in Geversdorf

20.07.2016

GEVERSDORF. Von früherer Betriebsamkeit ist in dem historischen Fährort Geversdorf an der Oste nicht mehr viel zu spüren. Das war vorgestern. Von Wiebke Kramp

Heute ist Beschaulichkeit an der Tagesordnung. Das 700-Seelen-Dorf im Schatten des Werftkranes hat sich zum reinen Wohnort gewandelt. Mittlerweile gibt es hier sogar weder Kneipe noch Kiosk. Wo früher Tante Emma hökerte, ist heute ein Antiquitätenladen, der allerdings nur nach Voranmeldung die Tür öffnet. Dennoch: Die Menschen fühlen sich wohl. Sogar Zuggezogene.

Die Stahlkonstruktion reckt sich 65 Meter hoch in den Himmel. Kilometerweit ist sie in der Ostemarsch sichtbar. Der Kran ist Wahrzeichen Geversdorfs und weist den Weg zur einstigen Werft. 300 Jahre Schiffbaugeschichte liegen hinter dem Betrieb an der Oste und sind verblassende Vergangenheit. Wo früher gehämmert, genietet, kalfatert und lackiert wurde, finden heute Feriengäste Ruhe und Erholung direkt vor dem Deich an der Oste. In einer Kneipe auf Ibiza erfuhr der gebürtige Stuttgarter Wolfgang Frowein von dem insolventen Betrieb in der norddeutschen Tiefebene. Der gelernte Industriedesigner hatte sich als Yachtbauer und -vercharterer einen Namen bei den Reichen, Adligen, Schönen und Berühmten gemacht. Er suchte damals Anfang der 90er-Jahre einen Ort, um ein neues Schiff für eine erneute Weltumseglung zu bauen. „Statt Yachtbau kam es aber zum Nestbau“, lacht Frowein. Denn seine Freundin Andrea Buchbinder hatte keine Lust zum Segeln und das heruntergekommene Gelände am Tidefluss verlangte jede Menge harten Einsatz. So wurde das Paar an Land sesshaft. Nach einigen Jahren in der Erwachsenenbildung unterrichtet die Lehrerin Andrea Buchbinder mittlerweile an der Voß-Schule in Otterndorf. Ihr Partner baut seit 1993 das Werftgelände nach eigenen Vorstellungen und Ideen ebenso tatkräftig wie kreativ zu einem außergewöhnlichen Feriendomizil um. „Ich pflege die Kunst des Imperfektionismus“, grinst Frowein und stapelt damit extrem tief. Tatsächlich baute er aus dem abgewrackten Betrieb ein schmuckes, rundum außergewöhnliches Anwesen – das den Blick zur Oste durch Fensterfronten öffnet. Viel Glas bietet Blicke in den Himmel und auf das Wasser. Das Gelände beherbergt mehrere Gebäude. Allesamt gut in Schuss und mit Wlan ausgestattet sind sämtliche Gebäude. Hier gibt es vier Ateliers, zwei Wohnungen sowie die riesige Halle, in der locker 500 Feiernde Platz finden, sowie eine riesige Dachterrasse mit Strandkörben, Holzstegen und einem Traumblick auf die Oste. Überhaupt ist das gesamte Gelände am Fluss großzügig – und dabei kaum von außen einsehbar. Es ist 8000 Quadratmeter groß, hat 150 Meter Wasserkante, einen kleinen Hafenfleet, Pontons sowie eine Slipanlage. Entstanden ist eine eigene, abgeschiedene Welt für sich, die gern genutzt wird von Gruppen und Kreativen: Von Tango- und Theaterworkshops bis Krimischreiberei. Nicht nur eigene Familienfeiern organisiert das Paar Frowein/Buchbinder. Im Dorf hat sich herumgesprochen, dass Platzmangel bei ihnen Fremdwort ist – und so haben schon diverse Geversdorfer bei ihnen schöne Feste gefeiert. Die Werftbesitzer sind mittlerweile voll und ganz ins Dorfleben integriert. Vor allem zu den direkten Nachbarn pflegen sie freundschaftliche Beziehungen. Die seit sechs Generationen alteingesessene Fischerfamilie Zeeck, letzte ihres Berufsstandes im Osteland, ist ganz dicke mit den aus Süddeutschland zugezogenen Nachbarn.

Fischer Walter Zeeck. hat das Erbe seiner Urgroßväter angenommen. Auch seine Söhne Claus und Harald schwimmen im familiären Kielwasser und fahren mit ihrem Kutter „Ostetal“ zum Fischen auf Elbe und Nordsee. Ganz bewusst betreiben sie umweltschonende Hamenfischerei. Nachhaltigkeit ist Zeecks wichtig – aus Verantwortung für künftige Generationen. Jüngster Spross der Familie ist Hanne. Gerade mal ein Jahr alt ist die Lütte. Ihren Geburtstag hat sie just mit Mama Birgit Buck und Papa Claus Zeeck an Bord gefeiert. Ihre Eltern haben sich an der Oste ein schönes Haus neben der Werft hergerichtet. Birgit ist um die Dorfzukunft nicht bange. Schließlich sei für Nachwuchs gesorgt: „Seit vorigem Sommer wurden hier im Dorf sechs Mädchen und zwei Jungs geboren. Bald können sich alle auf dem schönen Spielplatz bei der Kirche treffen.“

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