Die deutsch-russische Ferienfreizeit: Auf dem Programm stand auch eine Fahrt mit der Moorbahn. Foto: red
Gesellschaft

Besondere deutsch-russische Gemeinschaft in Otterndorf

03.08.2019

OTTERNDORF. 19 Jungen und Mädchen verbrachten eine gemeinsame Ferienfreizeit in Hadeln. Es war ein lebendiger Austausch mit buntem Programm.

Erlebnisreiche Tage verbrachten 19 Jungen und Mädchen, die sich zur gemeinsamen deutsch-russischen Ferienfreizeit in Otterndorf trafen. Wie in den Jahren zuvor hatte der Kreisjugendbetreuer der Kreisgemeinschaft Schlossberg, Norbert Schattauer aus Wanna, die Reise organisiert.

Zehn Kinder im Alter von zehn bis 15 Jahren hatten sich diesmal auf die lange Reise nach Hadeln gemacht: Im ehemaligen Kreis Schloßberg, dem heutigen Rayon Krasnosnamensk, waren sie gestartet, um mit dem Linienbus vom ehemaligen Königsberg aus bis nach Bremerhaven zu fahren, von wo aus es weiterging bis zu ihrer Unterkunft, der Jugendherberge in Otterndorf.

Insgesamt 24 Stunden lang waren sie unterwegs, doch angekommen am Ziel, wartete jede Menge Urlaubsspaß auf die jungen Leute. Zusammen mit neun weiteren Kindern aus Deutschland besuchten sie die Soletherme und die Spielscheune, schipperten mit dem Kanu auf der Medem herum und unternahmen Ausflüge nach Hamburg und in den Heidepark in Soltau.

Doch was hat ihnen nun am besten gefallen? Der elfjährige Artjem aus dem Rayon Krasnosnamensk fand die Hamburg-Fahrt toll, aber auch Otterndorf an sich, weil die kleine Stadt so viel zu bieten habe. Die zehnjährige Herlind aus Schneverdingen dagegen fand alles gut: Ausflüge, Spiele, aber auch das Einüben der Tänze für das Abschiedstreffen, das am vergangenen Sonntag stattfand. Während der gemeinsamen Zeit entdeckten die Kinder überdies viele Gemeinsamkeiten, wie den Spaß am Völkerballspielen und den tollen Unternehmungen, aber auch Unterschiede. Spaßbäder mit Schwallduschen, Whirlpools und Springtürmen gibt es im Gebiet um das ehemalige ostpreußische Königsberg zwar nicht. Doch stehen geblieben ist die Zeit dort auch nicht.

Denn die russischen Kinder waren alle mit modernen Handys ausgestattet und sie berichteten, dass zum Beispiel all ihre Schulen bereits über Whiteboards und W-Lan verfügten.

Seit 1992 ermöglicht Norbert Schattauer als Jugendbetreuer Kindern aus dem ehemaligen Kreis Schlossberg die Fahrt ins Cuxland. Das bedeutet nicht nur, ein spannendes Erlebnisprogramm auf die Beine zu stellen, sondern auch, sich mit komplizierten Reise-Formalitäten auseinanderzusetzen. Das aber sei nach so vielen Jahren inzwischen ein einstudiertes und auf unzähligen Erfahrungen beruhendes Paket von Gesprächen, Briefen, Telefonaten und Planungs- und Finanzierungsmaßnahmen. Im Ergebnis ermöglicht er das, was vor dem Fall der Mauer noch undenkbar erschien: Deutsche und russische Kinder sitzen gut gelaunt zusammen und freuen sich gemeinsam über einen tollen Sommerurlaub. Übrigens finden die Ferienfreizeiten der Kreisgemeinschaft Schlossberg schon seit 1954 statt, anfangs waren sie aber Begegnungen von Kindern, deren Eltern früher im heutigen Rayon Krasnosnamensk gewohnt hatten.

Erst seit 1992, als die Grenzen durchlässiger wurden, gibt es die gemeinsamen Ferienlager von Kindern der jetzigen Einwohner und Jungen und Mädchen aus Deutschland. Doch die sind keine Einbahnstraße, denn parallel zu dem Ferienlager in Otterndorf ist auch eine Jugendgruppe aus Deutschland gerade im Gebiet des ehemaligen Kreises Schlossberg unterwegs.

Von Gaby Joppien

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