Börteboot als Privatjacht

12.06.2010

FREIBURG. Wer hat die Längste - ist gegenwärtig das angesagte Millionenspiel des Geldadels. Erfrischend anders hält es da der Hamburger Reeder und Schiffskaufmann Erck Rickmers - und beweist typisch hanseatisches Understatement. Seine neue Privatjacht ist nur sieben Meter lang. Also deutlich kleiner als der 170-Meter-Meganeubau "Eclipse" des Milliardärs Roman Abramowitsch. Aber an Originalität ist Rickmers' Spielzeug kaum zu toppen.

Es ist ein echtes Helgoländer Börteboot, das in den letzten acht Monaten auf der Hatecke-Werft in bootsbauerischer Handarbeit aus robuster Eiche entstanden ist. Heute bei Hochwasser finden Taufe und Stapellauf statt.

Passend dazu flattert am Freiburger Hafen die grün-rot-weiße Helgolandflagge über dem Werftgelände. Der letzte Börtebootneubau bei Hatecke liegt fast 40 Jahre zurück.

Mit dem Auftrag besann sich Erck Rickmers seiner Wurzeln. Familie Rickmers ist seit 1843 in der Schifffahrt verankert. Der Firmengründer Rickmer Clasen Rickmers stammt von Helgoland. Ursprung der Rickmers Reederei war die 1834 von ihm in Bremerhaven gegründete Rickmers Werft. Das Unternehmen wurde später um eine Reederei sowie um Reismühlen erweitert. Der Nachfolger in fünfter Generation, Erck Rickmers, betreibt heute eine Reedereigruppe, ebenso wie sein Bruder Bertram.

Auch Rainer Hatecke setzt mit dem Börtebootbau eine Familientradition an der Niederelbe fort. Auf der Freiburger Werft baute bereits sein Uropa für die Insulaner die hochseetauglichen Rudder, wie sie auf der Hochseeinsel genannt werden. In Freiburg heißen sie nur die "Helgoländer". Die sind in Freiburg etwas Besonderes - und eine "echte Herausforderung" für Rainer Hatecke. Schließlich gibt es keine richtigen Baupläne. Jeder "Helgoländer" ist ein Unikat.

Dem Zufall überlässt man nichts auf der kleinen Spezialwerft für Holzboote: Damit beim heutigen Stapellauf alles so glatt geht wie die Nordsee bei Windstille, schoben die Hateckes gestern schon mal den Neubau aus der Bootshalle und ließen ihn durch daumendicke Stahlseile gesichert ganz vorsichtig zu Wasser, damit auch ja kein Kratzer den typisch weißen Anstrich beschädigt.

"Alles dicht", konstatierte der sichtlich erleichterte Freiburger und attestierte prompt mit einem dicken Grinsen seinen Mitarbeitern gute Arbeit beim Kalfatern. Dennoch: ohne eine Nachtschicht einzulegen, wird er das Boot heute nicht übergeben können. Letzte Feinarbeiten müssen noch bis zur Übergabe an den Auftraggeber Rickmers ausgeführt werden, beispielsweise die richtige Ballastverteilung, damit das Boot sich bestens bei der Jungfernfahrt benimmt. Es soll schließlich gut im Wasser liegen. Da ist der leidenschaftliche Handwerker Perfektionist. Dem Bootsbauer in fünfter Generation geht es um mehr als nur die Familienehre.

Der letzte Neubau eines Börtebootes lief auf der 1861 gegründeten Werft 1971 vom Stapel. Die Verbindung zwischen der Nordseeinsel und dem Marschendorf an der Elbe besteht seit den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Von 1935 an war Heinrich Hatecke mit den Helgoländer Fischern gut im Geschäft und lieferte ihnen die maßgefertigten, hochseetüchtigen Boote aus schwerer Eiche, die beim Ein- und Ausbooten der Dampferpassagiere sowie beim Hummerfischen treue Dienste selbst bei schwerer See leisteten. Bei Hatecke wurden insgesamt 40 Börteboote gebaut - und zwar von 1935 bis 1940 sowie ab 1952, nachdem die Helgoländer ihre freigegebene Insel wieder aufbauten und auch der Seebäderverkehr als wichtiges wirtschaftliches Standbein anlief.

Die einstmals stolze Flotte der Börteboote ist merklich zusammen geschrumpft. Waren in den 70er-Jahren gut 30 Exemplare im Einsatz, so booten jetzt meist gerade mal sieben Boote die Dampferpassagiere aus. Viele der hochseetüchtigen Eichenboote sind aufs Festland verkauft worden. Auch in Cuxhaven tuckert ein Börteboot. Die "Frauke" von Hendrik Peters, der bei der Taufe dabei sein wird und mit seinem Boot die Jungfernfahrt begleitet.

Von Wiebke Kramp

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