Charme kann man nicht einfach kaufen

14.07.2018

Sommerzeit ist Festivalzeit. Ein Kommentar zum Aldi-Markt beim Deichbrand-Festival von Jan Unruh

Auf der ganzen Welt tanzen und feiern zigtausende Menschen zu rockiger Musik und krachenden Bässen. Auch das beschauliche Wanhöden verwandelt sich in einer Woche wieder in eine riesige Freiluftparty. Rund 55 000 Menschen werden erwartet – erneut ein Besucherrekord. Doch das schnelle Wachstum hat auch seine Schattenseiten. Der Kommerz hält Einzug und verdrängt vor allem eines – die Tradition. Vor nicht allzu langer Zeit warben die Deichbrand-Macher mit einem Festival in familiärer Atmosphäre. Kurze Wege, vertraute Strukturen. Wie viel ist davon noch übrig?

Na klar, im Vergleich zu Rock am Ring ist das Deichbrand-Festival noch deutlich niedlicher, aber der Unterschied wird von Jahr zu Jahr kleiner. Deichbrand ist noch immer ein aufstrebendes Festival, das sich in der Musikszene aber einen Namen gemacht hat und aus dem Festival-Kalender nicht mehr wegzudenken ist. Eine bemerkenswerte Geschichte. Doch die Gratwanderung hat längst begonnen. Wo soll die Reise hingehen und wie viel Kommerz verträgt das Deichbrand-Festival noch? Die Traditionalisten unter den Festivalgängern schütteln schon seit Jahren mit dem Kopf. Erst machte sich eine riesige Drogerie-Kette auf dem Gelände breit, nun folgt ein großer Discounter. Es soll den Besuchern die Tage auf dem Festival erleichtern. Alle wichtigen Utensilien zum Campen und zum Feiern sind mittlerweile käuflich auf dem Gelände zu erwerben. Tschüss, voll bepackter Bollerwagen, tschüss handwarme Paletten Bier, tschüss Dosenfutter.

Der Luxus hält Einzug. Die Gäste können nach Belieben einkaufen, sich stündlich mit kalten Getränken versorgen, frische Brötchen verspeisen und eine neue Thermo-Liegematte erwerben. Die Campinggäste müssten quasi nichts mehr selbst mitbringen. Selbst das passende Zelt verspricht der Discounter.

Toll, werden einige nun sagen. Schlimm, sage ich. Ein durchgestyltes Festival verliert seinen Charakter. Die Entwicklung ist besorgniserregend. Musikfestivals standen früher einmal für eine Art von Freiheitsbewegung und Unabhängigkeit. Mittlerweile steht der Kommerz mehr und mehr im Mittelpunkt. Immer größer, immer mehr ist nicht immer besser. Diesen ganz speziellen Festival-Charme kann man nämlich nicht kaufen...

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