Mit den neuen Corona-Vorschriften soll die weitere Ausbreitung des Virus unter Kontrolle gebracht werden. Grafik: CDC on Unsplash
Kommentar

Corona-Virus: Es droht uns ein harter Winter

von Ulrich Rohde | 03.11.2020

Seit Montag gelten landesweit die Vorschriften der Corona-Verordnung zur Eindämmung des SARS-CoV-2-Virus. Wie schon im Frühjahr sollen die verschärften Regeln und Verbote die dramatische Ausbreitung der Pandemie unter Kontrolle bringen. Das hat Folgen. Dazu ein Kommentar von Ulrich Rohde.

Da wären wir also wieder, im Shut- und nicht im Lockdown, denn wir fahren "nur" herunter, sind aber zum Glück (noch) nicht eingesperrt, wie einige unserer europäischen Nachbarn, wo bereits wieder eine weitgehende Ausgangssperre verhängt worden ist. Aber auch so reicht es den meisten von uns schon: Sperrstunde, stark eingeschränkte Begegnungen mit anderen Menschen, beschränkte Reisefreiheit und so weiter.

All das kennen wir schon aus dem Frühjahr und haben im warmen Sommer die Augen davor verschließen wollen, dass es mit voller Wucht zurückkommen könnte, das tückische Virus, das unser aller Leben seit Monaten im Schwitzkasten hat. Ein paar Monate hat es uns Luft zum freien Durchatmen gegeben, bevor es nun wieder fester zudrückt als je zuvor. Wir haben es ja eigentlich gewusst, wir wurden gewarnt, dass der Sommer mit niedrigen Infektionszahlen nur eine kleine Verschnaufpause gewähre. Wir haben es nur nicht ganz so wahrhaben wollen. Doch jetzt ist die Corona-Realität wieder da mit den Schließungen verschiedener Branchen wie der Gastronomie und etlichen anderen Einschränkungen. Dabei haben wir aber aus dem Frühjahr gelernt.

Alle - leider mit einigen Ausnahmen - haben die Verhaltensregeln verinnerlicht, Geschäfte, Institutionen, Behörden und andere Einrichtungen mit Publikum haben weitgehende Hygienekonzepte umgesetzt. Wir wissen jetzt, auf welchen Wegen sich das Virus ausbreitet, überwiegend im privaten Umfeld und durch Reiserückkehrer. Wir stochern nicht mehr im Nebel wie zu Jahresbeginn, sondern haben Ansatzpunkte, um die momentan dramatische Verbreitung des Virus wieder in den Griff zu bekommen.

Auch wenn ich die getroffenen, von Kanzlerin Merkel verkündeten Maßnahmen nachvollziehen kann und begreife, dass ein kurzfristiger harter, tiefer Schnitt mehr bringt als lang anhaltendes Herumdoktern an den Symptomen, fehlt mir doch das Augenmerk auf die Bereiche, die gerade nicht zu den Corona-Hotspots zählen und nun doch unter den Schließungen besonders zu leiden haben werden. Da ist die Gastronomie zuallererst zu nennen, aber es gibt noch viel mehr, von den vielen Solo-Selbstständigen, denen die Existenzgrundlagen erneut wegbrechen, gar nicht zu reden. Es ist nicht bekannt, dass sich irgendjemand beim normalen Restaurantbesuch mit dem Virus infiziert hat. Auch Kinos, Theater und Konzerte gelten nicht unbedingt als Infektionsherde. Die überwältigende Mehrheit hält sich akribisch an die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und wird dafür nicht belohnt. Sie haben sich über Monate auf diesen Zeitpunkt vorbereitet und müssen nun ums wirtschaftliche Überleben fürchten. Fair ist das alles nicht.

Auch die neue Verordnung enthält viele Ungereimtheiten und Widersprüche, die wohl erst im weiteren Verlauf des Shutdowns revidiert oder durch konkretere Maßgaben präzisiert werden. Die Maßnahmen mögen gerechtfertigt oder auch dringend erforderlich sein, um die Zahl der Neuinfektionen in den Griff zu bekommen, die Schwächeren in unserer Gesellschaft zu schützen und unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Ob sie alles in allem rechtmäßig sind, werden im Zweifelsfall Gerichte zu klären haben - siehe Beherbergungsverbot. Ob sie gerecht sind, das mag jeder Einzelne für sich klären.

Niemand, außer US-Präsident Trump, hat erwartet, dass die Corona-Pandemie über Nacht wie ein Spuk verschwindet. Sie wird noch lange Teil unseres Lebens und Alltags bleiben. Es ist eine traurige Tatsache, dass bürgerliche Grundrechte dem Infektionsschutz teilweise geopfert werden müssen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

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Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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