Der Versorger EWE stellte Mietern in Cuxhaven das Wasser ab. Symbolfoto: Dittrich
Kommentar zu Wasser-Abstellung

Cuxhaven: EWE nimmt Verbraucher in Geiselhaft

20.04.2019

Der Versorger EWE stellte Mietern in der Cuxhavener Mittelstraße in dieser Woche das Wasser ab. Rechnungen waren nicht bezahlt. Dazu ein Kommentar von Felix Weiper

Ohne Gas, ohne Strom, ohne Wasser: So kann niemand leben. Wie beschwerlich es ist, plötzlich auf dem Trockenen zu sitzen, mussten jetzt etliche Mieter in Cuxhaven erfahren. Der Versorger EWE hatte ihnen das Wasser abgestellt. Dabei waren die Verbraucher überhaupt nicht schuld an der Misere. Sie hatten die Wassergebühren immer pünktlich bezahlt. Der Vermieter - ein auswärtiges Unternehmen - hatte es jedoch versäumt, Geld an EWE weiterzuleiten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Versorger EWE sich Mieter im Cuxland vornimmt, um finanzielle Forderungen gegenüber Großvermietern durchzusetzen. Üblicherweise äußert der Konzern in solchen Fällen sein tiefes Bedauern und beruft sich auf gesetzliche Grundlagen. Dabei lässt er bewusst außer Acht, dass er sich rechtlich auf dünnem Eis bewegt. Ein mächtiger Konzern geht solche Risiken aber bewusst ein. Seine Intention ist es dabei auch, mit Härte abzuschrecken.

Der geneigte Beobachter und vor allem der ohnmächtige Mieter stellen sich die Frage: Wer ist eigentlich schlimmer? Der Großvermieter, der für die Schlamperei und Fahrlässigkeit bei der Weiterleitung der Wassergebühren verantwortlich ist? Oder der Versorger EWE, der unbescholtene Verbraucher, die immer redlich ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, schamlos in Geiselhaft nimmt? Befremdlich ist, dass die Kommunen - in diesem Fall etwa die Stadt und der Landkreis Cuxhaven - nicht intervenieren.

EWE ist eines der größten kommunalen Unternehmen in Deutschland. 21 Städte und Landkreise aus dem Ems-Weser-Elbe-Bereich haben sich zu einem Zweckverband, dem Ems-Weser-Elbe Versorgungs- und Entsorgungsverband (EWE-Verband), zusammen geschlossen. Dieser EWE-Verband hält mittelbar über seine kommunalen Beteiligungsunternehmen die Mehrheit der Anteile an der EWE AG. Wenn EWE derart verbraucherunfreundliche Geschäftspraktiken an den Tag legt, sollte das die kommunalen Anteilseigner alarmieren.

Es ist an der Zeit, dass klare gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die Unternehmen wie EWE ein solches Vorgehen unmöglich machen. Die Versorgung mit Strom, mit Wasser und mit Gas ist so etwas wie ein Grundrecht. Daran darf ein Konzern wie EWE nicht rütteln.

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