Kein Personal mehr vor Ort

Cuxhaven: Wetterdienst setzt auf Automatisierung 

11.10.2017

CUXHAVEN. Ein kleines Feld voller Geräte: Das ist das, was von der Cuxhavener Wetterwarte übrig geblieben ist. Von Maren Reese-Winne

Der Info-Kasten an der „Hermine“, in dem früher Wetterkarten und -berichte hingen, ist abgebaut. In der Vitrine vor der früheren Wetterwarte hängen NDR-Plakate. Kürzlich wühlten Maschinen den Boden im „Klimagarten“ auf. Inzwischen sind die Messgeräte auf einer kleinen Fläche zusammengefasst.

Rund um die Uhr arbeiteten in der Wetterwarte unweit der Alten Liebe bis Ende 2016 die Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Doch der ist der Meinung, dass Technik heute besser ist als „Augenbeobachtung“: Bis 2021 will der DWD alle Wetterwarten automatisiert haben.

Neben Cuxhaven hat es bisher bereits Göttingen, Helgoland, Chemnitz, Neuhaus, Hahn und die Station auf dem Großen Arber erwischt; bis 2019 sollen 27 weitere Stationen von Görlitz bis zum Fichtelberg und von Schleswig bis Trier automatisiert werden.

Das Personal, so hieß es vom DWD im Januar 2015, werde dringend für „andere wichtige“ Aufgaben benötigt. Zudem kündigte er „sozialverträgliche“ Lösungen an. Neue Messnetze erfüllten die Anforderungen an Wettervorhersage und Klimaüberwachung. Mit der Automatisierung reagiere der Wetterdienst aber auch auf Sparvorgaben der Politik, so die Mitteilung von 2015.

Ums Geld ging es schon im Mai 2006, als sich in Cuxhaven die Leiterinnen und Leiter von 18 Wetterwarten aus Norddeutschland trafen. Damals wurden bereits seit zehn Jahren jährlich fast 50 Stellen gestrichen. Zwischen 2006 und Ende 2016 ist die Zahl der Beschäftigten weiter von 2679 auf 2323 gesunken (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im April dieses Jahres).

„Unsere Aufgabe per Gesetz ist, die Bürger zu warnen“, hieß es damals in Cuxhaven. Doch ob das wirklich möglich ist, wenn allein auf Automatisierung gesetzt wird, daran bestehen Zweifel. Zwar weist der Deutsche Wetterdienst auf die hohe Präzision der Messstationen am Boden und der Wettersatelliten, Radiosonden und des Wetterradars hin; räumt allerdings Schwächen zum Beispiel bei der „technischen Erfassung“ von Schneehöhen und Bedeckungsgrad ein.

Protest formiert sich derzeit vor allem in Sachsen. Die „Leipziger Volksstimme“ berichtete im August 2017 über den drohenden Abzug des Personals vom Fichtelberg und dem Brocken (Sachsen-Anhalt), dem höchsten Gipfel des Harzes. Eine Petition der erzgebirgischen Grünen unter Führung des Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn hatte im August 2017 bereits über 6500 Befürworter.

Petition liegt bereit

Die Bearbeitung dieser Petition obliegt dem neuen Bundestag. Ob der Adressat dann immer noch Verkehrsminister Alexander Do-brindt sein wird, in dessen Regie die Automatisierung liegt, das steht angesichts der offenen Koalitionsverhandlungen in den Sternen.

Die Kritiker befürchten einen Qualitätsverlust der Messreihen zur langfristigen Klimaentwicklung und Lücken bei sicherheitsrelevanten Wettervorhersagen, insbesondere, wenn es um Sturmfluten geht. Auch Informationen zu lokalen Wetterereignissen wie Hagel, Gewitter, Tornados und Glatteis drohten verloren zu gehen. „Die gute alte Beobachtung hat noch ihren Stellenwert“, schrieben die CN noch 2013, als sie über die Entstehung von Unwetterwarnungen berichteten. Der Grund: „Lokal begrenzte Naturereignisse werden nirgends automatisiert erfasst.“

Und wenn die Messgeräte kaputt gehen? Dann müssen Servicekräfte der Abteilung „Logistik und Service“ des DWD aus Hamburg, Potsdam, Offenbach oder München anreisen. Die Frist hierfür beträgt für Cuxhaven allerdings 48 Stunden (für Helgoland 24 Stunden).

Hintergrund

Im Gebäude „Bei der Alten Liebe 1“ hatten die Beobachter direkten Blick auf das Wettergeschehen an der Wasserkante – bis zum „Seepavillon“-Neubau noch mehr.

Neben der Berichterstattung in die Zentrale in Offenbach hatte die Wetterwarte eine hohe lokale Bedeutung, zum Beispiel für die Berufs- und Hobbyschifffahrt oder für Bürger, die nach Sturmschäden für die Versicherung Informationen über lokale Wetterereignisse benötigten.

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