CN/NEZ-Leser-Forum

Cuxhavener diskutieren über Alten Fischereihafen

31.01.2018

CUXHAVEN. Die einen sind schlichtweg begeistert, die anderen eher skeptisch. Aber alle, die sich an der Debatte um die Pläne für den Alten Fischereihafen beteiligen, sind emotional berührt. (red)

Der Alte Fischereihafen soll nach dem Willen des Investors Norbert Plambeck künftig das neue maritime Herzstück der Stadt bilden. Wie stark das Thema die Menschen in der Stadt mitnimmt, zeigte die großartige Resonanz auf die CN/NEZ- Podiumsdiskussion. Rund 600 Gäste kamen dazu in die Hapag-Hallen. Unsere Zeitung hat auch im Internet ein Forum eröffnet, das stark genutzt wird. Hier präsentiert die Redaktion Stellungnahmen aus dem Forum.

Hajo Maynert:

Endlich gibt es Menschen, die Cuxhaven aus dem Dornröschen-Traum holen wollen. Eine super Aufgabe, die hier gestemmt werden soll. Bitte schauen Sie nur an die Ostsee-Küste!

Aber ganz wichtig ist auch die Infrastruktur, denn es müssen auch die Autobahn und die Straßen in Cuxhaven den Lkw- und Pkw-Verkehr auffangen können (Siemens, RoRo-Autoverladung und all die anhängenden Firmen, die noch dazukommen und der Tourismus). Und zum Schluss: Vergessen Sie nicht die kleine und schöne Innenstadt.

Thomas Krause:

Wunderbar! Wie dieser Gestaltungswettbewerb diese Stadt regelrecht durcheinanderwirbelt. Herr Plambeck und die Stadt mit ihren Bürgern verändern Cuxhaven! Und das wird endlich Zeit!

Falk Rybak:

Es wäre zwar schön, wenn die Stadt wieder an Attraktivität gewinnen würde, aber zunächst sollte da die Deichstraße dringend bedacht werden. Sie wirkt im hinteren Bereich einfach nur noch wie nach einem Bombenangriff – und ist letztendlich für viele Urlauber der Weg zum Hafen/Hotel/Schiff. Wenn man hier einen Magneten schaffen könnte wie das Mediterraneo in Bremerhaven, wäre das ein Glücksgriff. Aber die Kaufkraft in Cuxhaven fehlt, da die Innenstadt schon seit Jahren tot ist. Die Generation meiner Schulfreunde kehrt langsam zum Sterben zurück, die meiner Kinder sind nach der Schule schnell hier abgehauen.

Cruise & Ferry hatte schon versucht, größere Fähren wieder nach Cuxhaven zu holen, und auch ein paar Kreuzfahrtschiffe. Die Stadt muss vom Kern wieder attraktiver gemacht werden – mit so einer Unternehmung anzufangen, ist aus meiner Sicht der falsche Weg. Aber viel Erfolg!

Manfred Gerhard Dieckmann:

Die im Forum vertretenen Ansichten zielen doch überwiegend auf eine behutsame Neuausrichtung des AFH – und stehen damit weitgehend im Widerspruch zu den sehr engagierten Projektentwürfen! Leider handelt es sich bei den eingereichten Skizzen nur um isolierte Arbeiten, die zwar eng an der Aufgabenstellung der Planungsgruppe ausgerichtet wurden, jedoch eine Einbettung des Vorhabens in ein gewachsenes Milieu vermissen lassen. Schade!

Anbei: Das Engagement von Investoren ist immer zu hinterfragen, da deren Thema klar formuliert werden kann/muss! Es ist nur schwer vorstellbar, dass eine Bürgerinitiative – die zum Erhalt des Alten Fischereihafens gegründet wurde – mit den vorliegenden Ergebnissen in dieser Form so einverstanden ist!

Stefan Braunschweig:

Ich war am Donnerstagabend zur Podiumsdiskussion „Alter Fischereihafen“ in den Hapag-Hallen. Vorab möchte ich anmerken, dass ich über die Resonanz der Veranstaltung sehr positiv überrascht war. Jeder von den Besuchern hat höchstwahrscheinlich seine eigene Sichtweise auf das Projekt. Verständlich und auch gut so. Jeder hat wahrscheinlich auch seine eigene Meinung zu den drei Entwürfen der Architektenbüros. Auch das ist gut. Die Cuxhavener setzen sich mit dem Thema auseinander und halten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Ein gutes Zeichen. Gelebte Demokratie. Ich habe am heutigen Tage überwiegend eine positive Einstellung zu dem Projekt wahrgenommen. Aber es wurde auch vereinzelt von Gigantismus gesprochen. Letztendlich wird das Ergebnis auch nicht jedem Cuxhavener gefallen. Das können wir nicht erwarten. Wir sollten das gesamte Projekt positiv sehen. Positiv für die Stadtentwicklung, für uns Bürger, für die Touristen, für die Infrastruktur und für die wirtschaftliche Entwicklung in Cuxhaven. Dieses Projekt macht unsere Stadt interessanter und vielfältiger. Es setzt eine Benchmark und ist eine Chance, unsere Stadt aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Das hätte schon vor 20 Jahren gesehen werden müssen. Wir sollten froh sein, dass wir in Cuxhaven einen Investor haben, der dieses Projekt, welches nicht ohne Risiken ist, mit Engagement, Weitsicht und einer Vision angeht und umsetzt.

Was wäre die Welt ohne Menschen mit Visionen? Wie hat Norbert Plambeck an diesem Abend so treffend gesagt: „Wer nicht lossegelt, kommt auch nicht an.“ Also, lasst uns die Segel setzen. Im Interesse von uns allen.

Lutz Kroemer:

Da ich in Cuxhaven geboren bin, liegt es mir am Herzen, dass wenigstens der Alte Fischereihafen weitgehend in seiner alten und ursprünglichen Form erhalten bleibt. Das heißt, möglichst ohne viel Schnickschnack aus Glas oder Ähnlichem. Die alten Fischhallen sollten der große Rückhalt sein. Die alten Mauersteine sollten im Vordergrund stehen.

Thomas Hensel:

Ich würde gerne wissen, was geplant wird, um die Geschichte des AFH und Cuxhavens den Touristen vor Augen zu führen und nahezulegen. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass es touristisch reizvoll ist, Urlaub in einer Stadt zu machen, die immer mehr auf Hotels und Gastronomie setzt. Ich komme aus Gelsenkirchen. Hier wurde der Fehler gemacht, dass man auf „alles neu“ gesetzt hat und damit quasi den Puls und die Geschichte der Stadt nahezu vernichtet hat.

Mir ist klar, dass eine Entwicklung stattfindet und auch stattfinden muss, keine Frage. Aber wenn man als Tourist Urlaub macht, möchte man doch mehr über den Urlaubsort wissen und erfahren und auch mehr sehen als nur Restaurants, Eisdielen, Pizzerien und Hotels, oder? Ein Kutter in der Saison zur „Schaufischerei“ zum Beispiel, eine Karte/Stadtplan/Modell im Großformat, auf dem man erkennen und wiederfinden kann, was mal wo stand mit Bildern. So etwas würde ich mir wünschen. Hinweisschilder auf historische Gebäude mit Infos. Kleine Dinge halt.

Ich übertreibe jetzt hier mal bewusst, aber ich male mir mal aus, dass es später mal Kinder gibt, die im Hafen einen alten Fischer treffen und er davon erzählt, dass hier mal Slipanlagen waren und die Kinder denken, da standen früher Maschinen, die Unterhosen produzierten. Dies als Metapher bewusst übertrieben! Bitte, Cuxhaven, öffne dich Neuem, wandle dich, aber verwische nicht deine Historie und Geschichte, sondern zeige diese, denn auch dies ist mehr als interessant für Touristen.

Hauke Basarke:

Der maritime Charakter Cuxhavens sollte stärker betont werden. Glasbauten und Würfel stehen für mich im Widerspruch zum salzhaltigen „Blanken Hans“. Andere Häfen, wie Liverpool, geben ein Beispiel: hier speziell mit dem „Albert Dock“!

Fatiah Bürkner:

Super, dass sich hier endlich etwas bewegt. Besonders das letzte Bild gefällt mir wahnsinnig gut mit dem Wolkenbügel und dem dazu passenden „Ensemble Gebäude“ und den großzügigen Außenanlagen (so weit man das auf dem Bild beurteilen kann). Das würde Cuxhaven wirklich einen Schub geben. Weiter so – hier entsteht Großes für Cuxhaven.

Burckhard Heise:

Die Vorschläge aller drei Beteiligten scheinen mir im Grunde akzeptabel, was die Einbindung von alter Bausubstanz in das Neue betrifft. Ärgerlich, dass wohl alle Beteiligten immer wieder einen Hang zum Gigantismus auszeichnet. (Beispiel Wuttke mit seinem Vorschlag zum Elbtower gegenüber der Kugelbake letztes Jahr). Es muss doch möglich sein, bei einer Stadt mit 50 000 Einwohnern die Verhältnisse zu wahren.

Was sollen da gigantische Hoteltürme am Eingang zum AFH? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Groß denken ist ja schön, nur muss man in Cuxhaven trotzdem die Kirche im Dorf lassen, das betrifft sowohl die geplanten 40 bis 50 Meter hohen Hoteltürme als auch die Fantasie mit dem Kreuzfahrtterminal als Konkurrenz zu Hamburg und Bremerhaven.

Hier wäre ein tragfähiges Konzept für eine dauerhafte Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel mit Einbindung des Steubenhöfts vernünftiger.

Dirk Hallmann:

Meine Frau und ich finden, dass der Vorschlag der Architekten Krause/Bohne aus Aachen mit Abstand der Beste von den Dreien ist. Ihre „Twintowers“ in Form der Tower-Bridge wirken trotz ihrer Größe elegant und filigran und sind ein Blickfang für Cuxhaven wie die Elbphilharmonie für Hamburg. Der krasse Gegensatz dazu sind das plump wirkende „Tor zur Welt“ und der Einzelturm der anderen Vorschläge. Des Weiteren werden die ansonsten langweiligen Fischhallen (Vorschlag Krause/Bohne) durch die vorgesetzten hellen Arkaden und Vorbauten in angenehmer Weise aufgelockert und bilden ebenfalls einen großartigen Blickfang. Auch denkmalgeschützte Gebäude muss man an neue Nutzungen anpassen dürfen, zumal sie in ihrer Substanz erhalten bleiben und durch die auflockernden Vorbauten sogar noch mehr zur Geltung kommen. Im Gegensatz dazu die Wintergarten-Anbauten der anderen, die die denkmalgeschützten Hallen erheblich abwerten würden.

Ebenso gelungen sind das Themenhotel und das „Welcome Center“ am Dungekai, das universell genutzt werden kann. Dieser Vorschlag ist ein Lichtpunkt für das ansonsten seelenlose Cuxhaven, wenn ich mir nur die Grimmershörnbucht mit ihren Bausünden seit den 70er-Jahren anschaue. Aber auch sonst in der Stadt, wo historische Gebäude platt gemacht und durch reine Funktionsbauten ersetzt wurden. Wenn ich so alte Bilder sehe, dann muss man einfach sagen, die Stadt hat ihr Gesicht verloren. Es wäre schön, wenn die Stadt planerisch Langzeitvisionen entwickeln und mit diesem Entwurf einen Anfang machen würde.

Die CN/NEZ-Redaktion wird weitere Stellungnahmen von Leserinnen und Lesern zum Alten Fischereihafen veröffentlichen.

Hier geht es zum Forum: www.redaktion.cn-nez.de

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