Um die demografische Entwicklung im Landkreis Cuxhaven ging es in einem Vortrag des Kreis-Sozialdezernenten Friedhelm Ottens. Symbolfoto: Archiv
Kommentar zu Demografie

Cuxland: Demografischer Wandel ist Chefsache

von Egbert Schröder | 06.03.2019

Es waren nachdenkliche und eher leise Töne, die Kreis-Sozialdezernent Friedhelm Ottens in dieser Woche anschlug, als er über die demografische Entwicklung im Landkreis Cuxhaven referierte.

Dabei müssten eigentlich längst die Alarmglocken schrillen, wenn man sich die sich abzeichnende Entwicklung in vielen Dörfern vor Augen führt. Doch es war richtig, in dem Vortrag nur am Rande über wissenschaftlich belegte Untersuchungen und Prognosen zu sprechen. Wen das interessiert, der kann dazu stundenlang im Internet recherchieren.

Ottens ging es um das, was in keiner Statistik erfasst wird. Um das Leben gerade vieler älterer Menschen, aber auch Familien, die vom schleichenden Sterben der Dörfer besonders betroffen sind: Keine Einkaufsmöglichkeiten mehr, kein Geldinstitut, kein Arzt, keine Apotheke und ein "Öffentlicher Personennahverkehr", der seinen Namen nicht verdient - das ist die Realität, die mit dem Begriff "Demografischer Wandel" verbunden ist.

Es gibt sicherlich viele Projekte und Maßnahmen, um die Auswirkungen abzufedern. Nur ein Beispiel ist das vom Bundeslandwirtschaftsministerium für strukturschwache Kreise aufgelegte Modellvorhaben "Land(auf)Schwung". Mit über 30 Millionen Euro unterstützt das Ministerium 350 Projekte und Ideen. Gut so, denn Ideen und Projekte sind mehr denn je gefragt, um tatsächlich etwas zu bewegen.

Aber solche staatlich subventionierte Maßnahmen können nur ein Baustein sein, um den Negativfolgen des demografischen Wandels zu begegnen. Das hat auch Ottens in seinem Vortrag anschaulich vor Augen geführt.

Es geht auch - und vor allem - darum, sich gerade in kleinen Dörfern wieder mehr um den Nachbarn und die Nachbarschaft zu kümmern, die Dorfgemeinschaft zu suchen und tätig zu werden, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Das mag man jetzt unter dem Begriff "Allgemeinplätze" abhaken, doch das Gegenteil ist der Fall. Statistiken über demografische Entwicklungen helfen nicht weiter, um die Probleme vor Ort zu lösen: Aktionen wie die "Nachbarschaftsengel" in Hechthausen oder auch die Schaffung von sozialen Treffpunkten in den Dörfern ("Dorfladen" in Osterbruch) sind praktische und tolle Beispiele, die zeigen, dass es gelungene Initiativen gibt, damit gerade auch ältere Menschen nicht aus dem Fokus der Dorfgemeinschaft verschwinden.

Es gibt eine Vielzahl von Initiativen, die Leben in sterbende Dörfer bringen können. Daher: Es ist Chefsache für jeden Bürgermeister, aber auch für den Landrat, das Thema "Demografischer Wandel und seine Folgen" energisch anzupacken. Es ist in einem Flächenlandkreis wie dem Cuxland das Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Wer als Politiker und Verwaltung zu spät agiert und reagiert, hat den Wettlauf mit der Zeit allerdings schon verloren.

Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

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