Heimatserie

Cuxland: Im Herzen Portugiesin, im Kopf ganz deutsch

21.07.2018

CUXHAVEN. Heimat oder Zuhause, Geburts- oder Vaterland - Graçiosa da Graca ist an der Westküste Portugals geboren, aufgewachsen ist sie in Cuxhaven. Von Carmen Monsees

Hier hat sie ihre Familie und ihren Lebensmittelpunkt. Doch die Mentalität ihrer portugiesischen Vorfahren und die Kindheitserinnerungen trägt sie tief in sich. Das spürt sie jeden Tag.

„Heimat muss im Unsichtbaren liegen, glaube ich, es ist ein Gefühl“, überlegt die 35-Jährige laut, während sie noch schnell die letzten Handgriffe in ihrem Kosmetiksalon erledigt. Tochter Nadya nimmt solange im Sessel hinter dem Maniküre-Tisch Platz. Die 12-Jährige wartet, dass Mama Feierabend machen kann.

Graçiosa sinniert indessen weiter: „Über Heimat nachzudenken macht mich auch immer ein bisschen wehmütig“, meint sie. Heimat, das sind doch meine eigenen Wurzeln. Aber auf jeden Fall sei Heimat der Ort für sie, wo es windig ist, wo Fischerboote liegen und wo die Luft nach Salz und Meer schmeckt. Ihr Großvater kam im Jahr 1969 als Gastarbeiter nach Cuxhaven. Ein paar Jahre später habe er Frau und Kinder nachgeholt, erzählt Graçiosa. „Viele Jahre ist mein Opa Luis nachts auf dem Krabbenkutter gefahren. Er kam nach Cuxhaven, um Geld zu verdienen.“ Es sei eine schwere Zeit für ihn gewesen, weil er nicht lesen und schreiben konnte, weiß die 35-Jährige aus den Erzählungen ihrer Familie. Graçiosa ist 1982 in Portugal in Aveiro-Costa Nova an der Westküste geboren, aufgewachsen in Cuxhaven. Ihre Mutter habe viel wert darauf gelegt, dass sie auch mit der portugiesischen Kultur groß werde. So habe sie portugiesische Messen besucht, Folklore-Tänze und die portugiesische Sprache erlernt. „Die deutschen Gewohnheiten und das portugiesische Leben laufen nebeneinander her“, betont sie.

All das gibt sie heute an ihre Tochter Nadya weiter. Beide sagen, dass sie ihrer Herkunft im tiefsten Innern ganz nah blieben. Die deutsche Ordnung jedoch möchten sie nicht missen.“ Aber wenn Mutter und Tochter in Portugal sind, spüren sie, dass sie auch dorthin gehören. „Es sind eben unsere Wurzeln, die uns manchmal das unbeschreibliche Gefühl von Fernweh spüren lassen.“

In Cuxhaven leben Menschen aus 111 verschiedenen Nationen. Die Portugiesen stellen mit 1254 Personen (615 Frauen und 639 Männern) den größten Anteil der ausländischen Mitbürger.

Im Jahr 1964 kamen die ersten portugiesischen Gastarbeiter, um in der Fischindustrie zu arbeiten. Wer heute die portugiesische Kultur in Cuxhaven sucht, findet sie zum einen in zahlreichen Restaurants sowohl im Fischereihafen als auch im Zentrum von Cuxhaven, im sogenannten Lotsenviertel. Familienbetriebe halten dort die portugiesische Flagge hoch.

Das Ambiente spiegelt die Liebe der Portugiesen zur Heimat wider – wenn auch die traurigen Fado-Gesänge vielerorts verklungen sind, portugiesische Folklore-Gitarrenmusik weist Portugalkennern den Weg. Auch gibt es Orte und Gelegenheiten, wo sich die portugiesische Gemeinde bewusst trifft, beispielsweise im „Centro Cultural Português“, dem portugiesischen Kulturzentrum in der Präsident-Herwig-Straße, sowie im Deutsch-Portugiesischen Kulturkreis, ohne Vereinssitz.

Die alljährliche Fatima-Prozession, zu der die Katholiken zusammenkommen, bewegt Gläubige in Cuxhaven. Mit der Prozession wird an das Marienfest im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima erinnert.

Seit dem Jahr 2002 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Cuxhaven und Ílhavo. Der mobile Dienst des portugiesischen Generalkonsulats Hamburg wird zu bestimmten Terminen im Rathaus der Stadt Cuxhaven angeboten.

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