Teure Kultur-Veranstaltungen sollen zukünftig auch Cuxländern mit kleinem Geldbeutel zugänglich gemacht werden. Symbolfoto: Buettner
Kommentar zu Kultur-Plänen

Cuxland-Kulturtafel: Kooperation Dreh- und Angelpunkt

von Egbert Schröder | 30.04.2019

Eine "Kulturtafel" im Kreis Cuxhaven ist angedacht. Dadurch sollen teure Kultur-Veranstaltungen auch Cuxländern mit kleinem Geldbeutel zugänglich gemacht werden.

Man muss das Rad ja nicht neu erfinden, um tolle Ideen umzusetzen. An dieser Stelle sei daher die Frage erlaubt: Warum ist aber eigentlich im Cuxland niemand auf die Idee gekommen, im kulturellen Bereich eine Plattform zu schaffen, über die (kostenfrei) Menschen Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen erhalten können, die sie sich normalerweise aus finanziellen Gründen nicht leisten können? Positive Beispiele gibt es bundesweit schließlich genug. Dass jetzt die "Tafel" in Cuxhaven für die Stadt, die Samtgemeinde Land Hadeln und die Wurster Nordseeküste die Initiative ergriffen hat, um auch im Cuxland ein solches Projekt umzusetzen, ist klasse.

Die Tafel schafft damit die Chance, nicht nur - wie bisher - Lebensmittel zu verteilen, sondern auch kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Teilhabe für Menschen, die es sich einfach nicht leisten können, Konzerte, Theaterbesuche oder Ausstellungen zu besuchen. 21 Euro an der Abendkasse für den Auftritt des ehemaligen Langstreckenläufers und heutigen Kabarettisten Dieter Baumann in Otterndorf (20. September), Deichbrand-Karten in Wanhöden im Juli (149 Euro) oder auch der "Döser Speeldeel"-Eintritt in Cuxhaven (8/9 Euro) - das sind Kosten, bei denen einzelne Personen und Familien, die auf jeden Euro und Cent achten müssen, nicht mithalten können und ganz einfach von kulturellen Ereignissen ausgeschlossen werden. Das kann niemand wollen. Und gerade deshalb ist die Initiative "Kulturtafel" ein nicht nur aus kulturellem Blickwinkel hervorragendes Projekt. Doch um es erfolgreich zu gestalten, muss es engagierte Kooperationspartner geben. Vereine, die Veranstaltungen organisieren und freiwillig und rechtzeitig Karten zur Verfügung stellen. Kommerzielle Veranstalter, die leere Sitzreihen vermeiden möchten und stattdessen Freikarten spendieren. Aber auch Freiwillige, die helfen, dass Hemmschwellen bei den potenziellen Kartenempfängern abgebaut werden. Wer noch nie eine Kunstausstellung oder ein klassisches Konzert besucht hat, wird eventuell Probleme haben, dieses Angebot anzunehmen. So ist es in einigen Regionen durchaus schon vorgekommen, dass wegen mangelnder Resonanz derartige Kulturangebote gestrichen werden, weil der Kreis der Interessierten zu klein war.

Damit dies im Cuxland nicht der Fall sein wird, müssen alle Akteure an einen Tisch geholt werden. Dabei geht es auch um die Frage, wie eigentlich der Transport geregelt werden kann. Wer ohnehin wenig Geld hat, verfügt oft nicht über ein Auto.

Im Juni - so hat es Karina Kramer (engagierte Kulturamtsleiterin in der Cuxhavener Kreisverwaltung) - angekündigt, soll es eine Info-Veranstaltung geben. Das ist gut so, denn dann zeigt sich, wer diese Idee tatsächlich unterstützen möchte und kann. Übrigens: Dass es sich (auch im Kleinen) lohnt, kulturell Akzente zu setzen, ist nicht neu. "Man muss die Fantasie mit wenig anregen, damit sie viel daraus macht", hat Literaturkritiker Hellmuth Karasek einmal gesagt. Jetzt ist die Gelegenheit im Cuxland dafür …

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Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

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