Ein Bauer bei der Weizen-Ernste. Die Landwirte im Kreis Cuxhaven sehen sich großer Konkurrenz ausgesetzt. Symbolfoto: Tschauner
Kommentar zu Lebensmittelhandel

"Cuxland-Landwirte sind Verlierer des Preispokers"

19.03.2019

Landwirte kämpfen mit Lebensmittel-Discountern und Supermärkten um Kunden. Dazu ein Gastkommentar von Gabi von der Brelie, Pressesprecherin des "Landvolks Niedersachsen".

Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Ökoprodukte. Mit diesen und vielen weiteren Initiativen überraschte der Lebensmittelhandel in jüngster Vergangenheit. Soll all das schon wieder der Vergangenheit angehören? "Der Preiskampf im Lebensmittelhandel flammt wieder auf", ließ eine Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) zum Wochenanfang aufhorchen. Rotstiftpreise und Nachhaltigkeit, das Versprechen, der Preiswerteste zu sein, und Ökoprodukte - wie geht das zusammen? Eindeutige Antwort: Es geht nicht!

Die dpa-Geschichte steht für den Kampf um Marktanteile, den die Großen des Lebensmitteleinzelhandels austragen. Die Entscheidung einzelner Markenartikelproduzenten, auf eine Listung in bestimmten Handelsketten zu verzichten, lässt erahnen, mit welch harten Bandagen Einkäufer und Hersteller um Regalfläche, Konditionen und Preise kämpfen.

Die Verbraucher sind nicht unschuldig an dieser Wendung. Sie fordern wohnortnahe Vollversorgung mit großer Sortimentstiefe. Sie achten auf Nebenleistungen wie Ökobilanz, soziale und andere Standards, sie bevorzugen heute regionale Erzeugnisse und geben sich morgen international. Und daneben sitzen dem stationären Handel Internetanbieter im Nacken.

Landwirte sind diesem Wettbewerb nicht nur ausgeliefert, sie sind als Produzenten Verlierer des Preispokers. Der Handel profiliert sich auf dessen Kosten mit Kampagnen und wählt die Ziele willkürlich tagesaktuell. Der Lebensmittelhandel geizt mit den Beträgen, die das gesellschaftlich gewünschte Engagement zu mehr Tierwohl, mehr Umwelt- und Naturschutz honorieren müssen.

Das Wunschkonzert kann aber nicht zum Nulltarif gespielt werden. Diese Einsicht muss auch bei den Verbrauchern ankommen. Mit dem Kauf über den Preis bestärken sie die großen Ketten in ihren unsäglichen Rotstiftaktionen.

Das böse Erwachen droht, wenn Regalflächen leer bleiben, weil ein Hersteller den Boykott probt. Immer stärker bedienen sich die Handelsketten auf internationalen Märkten, regionale Erzeuger haben das Nachsehen. Die Entwicklung schwappt gerade auf den Ökomarkt über, der Preisdruck der Discounter kennt kein Erbarmen.

Zur Person:

Gabi von der Brelie ist Pressesprecherin des "Landvolks Niedersachsen".

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