Falls die Heringsfanggründe für die deutschen Trawler in den britischen Küstengewässern gesperrt würden, wie es sich die dortigen Fischer wünschen, würden die Quoten für mindestens zwei große Schiffe wegfallen. Foto: Wüstneck
Kommentar zum Fischfang

Deutsch ist nur noch die Flagge der Hochseetrawler

von Thomas Sassen | 22.02.2020

Der bevorstehende Brexit hat das Zeug dazu, die Deutsche Hochseefischerei in schwere See zu bringen. So jedenfalls ist die öffentliche Wahrnehmung.

Falls die Heringsfanggründe für die deutschen Trawler in den britischen Küstengewässern gesperrt würden, wie es sich die dortigen Fischer wünschen, würden die Quoten für mindestens zwei große Schiffe wegfallen. Damit wäre die Versorgung in Europas größter Heringsverarbeitung Eurobaltic in Saßnitz gefährdet. Das erfuhren die Mitglieder und Gäste des Nautischen Vereins am Montag vom Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Hochseefischerei, Dr. Uwe Richter.

Aber sie lernten noch mehr. Nämlich, dass die deutsche Flotte nur noch aus sieben großen Schiffen besteht mit gut 400 Seeleuten, von denen die wenigsten aus Deutschland kommen. Zusammen mit den Büroarbeitsplätzen geht es in der Branche vielleicht um rund 500 Arbeitsplätze.

Richtig ist, dass deren Wohl und Wehe zumindest teilweise von den deutschen Fangquoten abhängig ist. Das Geschäft machen allerdings schon seit Jahrzehnten keine deutschen Eigentümer mehr, auch wenn der Name der in Cuxhaven ansässigen "Deutsche Fischfang-Union" diesen Eindruck vermittelt. Eigentümer ist seit rund 30 Jahren der isländische Fischereikonzern Samherji.

Bei der Bremerhavener Doggerbank Seefischerei GmbH, dem zweiten großen Player, der auf deutsche Quoten fischt, sieht es nicht anders aus. Eigentümer ist ebenfalls keine deutsche Reederei, sondern die niederländische, international agierende Parlevliet & van der Plas-Gruppe, bei der Dr. Uwe Richter als Geschäftsführer der Doggerbank Seefischerei GmbH fungiert.

Es handelt sich also um einen relativ kleinen Kreis von Betroffenen und dazu um einen Etikettenschwindel, wenn sich die Politik und insbesondere der EU-Unterhändler David McAllister von der CDU sich für die Interessen der sogenannten Deutschen Hochseefischerei im Streit um den Brexit einsetzt.

Deutsch ist daran nicht viel mehr als die Flagge am Heck der Schiffe und die millionenschwere Fangquote. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Insbesondere die drei Standorte Cuxhaven, Bremerhaven und Saßnitz haben große Vorteile dadurch, dass die Reedereien und Verarbeitungsbetriebe hier ihren Verwaltungssitz haben. Rund sieben Millionen Euro bleiben jährlich in Cuxhaven hängen, weil die Schiffe hier gemangt, gewartet und ausgerüstet werden. Das Cuxhavener Kühlhaus lebt zu einem guten Teil von den Anlandungen der großen Trawler. Nicht zuletzt gehört die Deutsche Fischfang Union zu den größten Gewerbesteuerzahlern in Cuxhaven.

Einen Weltuntergang würde die Sperrung der britischen Gewässer, wenn sie denn käme, für die Reedereien aber wohl kaum bedeuten. Hochsee-Fischfang ist schon lange ein internationales Geschäft, das vom Tausch und Handel von Fangquoten lebt und von wenigen Konzernen beherrscht wird, zu denen die oben genannten Namen gehören. Und die Konzerne würden sicher Mittel und Wege finden (oder haben sie schon gefunden), um nach einem Brexit weiter in britischen Gewässern fischen zu dürfen. Und wenn sie einen Teil ihrer Flotte nach Großbritannien ausflaggen. Insofern war die Lehrstunde von Dr. Uwe Richter beim Nautischen Verein sehr aufschlussreich.

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Thomas Sassen

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