Die ewige Schlickbaggerei in der Elbe
CUXHAVEN. Vor zwölf Jahren änderte sich das Sedimentmanagement in der Elbe. Statt an Ort und Stelle zu baggern und zu verklappen, werden Schlick und Sand in den Mündungsbereich gebracht, um ein Zurückdriften in den Strom zu verhindern. Zum Nachteil für das Watt, sagen Gegner dieser Strategie.
Die Unterelbe ist in drei Abschnitte der Schlickbaggerei aufgeteilt. Einen Schwerpunkt bildet der Hamburger Hafen, wo sich seit der letzten Elbvertiefung 1999 die jährliche Menge an zu baggerndem Schlick auf etwa elf Millionen Kubikmeter nahezu verfünffacht hat. Etwa sieben Millionen Kubikmeter Hamburger Hafenschlick werden bei der Insel Neßsand umgelagert. Knapp vier Millionen Kubikmeter werden jedes Jahr bei der Tonne E 3 zwischen Helgoland und Scharhörn verklappt. Diese Menge ist dauerhaft aus dem System der Binnenelbe entfernt, da ein Rücktransport durch Verdriften nahezu ausgeschlossen ist.
Das möglichst dauerhafte Entfernen von Schlick aus dem Flussystem ist das Ziel der Flussbaggerei. Das Freihalten des Hamburger Hafens, wofür die Hafenbehörde HPA zuständig ist, stellt eine enorme und ständig wachsende arbeits- und kostenaufwendige Herausforderung dar. Ab der Hamburger Landesgrenze bei Wedel bis etwa in Höhe Wischhafen reicht die Zuständigkeit des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Hamburg für die Unterhaltung der Fahrrinne. Von dort bis zur Mündung der Elbe baggert das Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven. Beide Bundesbehörden werden in Personalunion vom Otterndorfer Bernd Meyer geleitet.
Er stellt zunächst eines klar: "Hamburger Baggergut wird nicht nach Cuxhaven verbracht. Der Hamburger Hafen gehört nicht zur Bundesstrecke. Es gibt keine Vermischung von Baggergut aus Hamburg und dem aus der Bundesstrecke." Der Schlick aus den Hafenbecken gilt als höher belastet mit Schadstoffen als der aus der Unterelbe. Etwa ein Fünftel des in Hamburg gebaggerten Schlicks wird wegen zu hoher Schadstoffbelastung an Land gebracht und als Abfall deponiert. Die Landbehandlung ist extrem aufwendig und teuer. Die Kapazitäten sind so gut wie erschöpft.
Gewaltige Umlagerung
Die Bürgerinitiative "Rettet das Cux-Watt" geht, im Gegensatz zum WSA, davon aus, dass Hamburger Baggerschlick, der bei Neßsand umgelagert wird, zum Teil in Richtung Wedel verdriftet, wo wiederum der Bund baggert. Auf diese Weise gelange, so die Kritik, auch Hamburger Schlick bei der Umlagerung flussabwärts. Baggergut aus Wedel, Lühesand und Juelssand - etwa 5 Millionen Kubikmeter pro Jahr - würden am Osteriff umgelagert. 4 Millionen Kubikmeter Schlick vom Osteriff und Brunsbüttel gelangten wiederum bis Neuer Lüchtergrund vor Cuxhaven. Es sei davon auszugehen, so die BI, dass von dort ein Rücktransport flussaufwärts nicht stattfinde, da sich die feinen Sedimente auf die umgebenden Wattflächen absenken würden. In Ausnahmejahren mit sehr geringem Niederschlag wie 2018 dürften eine Million Kubikmeter Schlick aus den hamburgnahen Bereichen Wedel, Lühesand und Juelssand sogar ohne Umweg über Zwischenlagerstätten bei Lüchtergrund verklappt werden.
In den Jahren 2015, 2016 und 2017 hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Cuxhaven nach eigenen Angaben bei den Klappstellen Neuer Lüchtergrund und Neuwerk/Scharhörn 7,40 Millionen (2015), 9,98 Millionen (2016) und 5,74 Millionen Kubikmeter Schlick aus der Elbe verklappen lassen.
Das Baggerkonzept, das seit einigen Jahren verfolgt werde, um das Zurückdriften der Sedimente in Richtung Hamburg zu verhindern, funktioniere nicht. Die Schlickmassen würden nicht weniger, sagt Tanja Schlampp von der BI, und es würden Umweltschäden in der Küstenregion in Kauf genommen. Die Eingriffe der vergangenen Jahrzehnte in den Fluss hätten eine Eigendynamik hervorgerufen, die - auch ohne weitere Elbvertiefung - die Schlickmengen dramatisch anwachsen ließen. Die Bürgerinitiative befürchtet, dass der Elbe auf Sicht ein ähnliches Schicksal droht wie der Ems, die - noch vor 30 Jahren einer der fischreichsten Flüsse - inzwischen in den Sommermonaten als tot gilt.
Keine "Mindertiefen" zulassen
Dieser Darstellung widerspricht Bernhard Meyer vom WSA: "Hätten wir an der Kreislaufbaggerei festgehalten, wäre der Fluss übergelaufen und wir hätten den Mündungstrichter nicht mehr im Griff. Wir sind verantwortlich für die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt. Wir dürfen keine Mindertiefen zulassen. Hätten wir alles beim Alten belassen, wäre es extrem geworden." Es sei daher notwendig, die Kreisläufe aufzubrechen und das innere Ästuar von Feinsedimenten zu entlasten und die Trübung des Wassers in Grenzen zu halten. Andererseits bewegten die Tidenströme auf natürliche Weise unermesslich mehr Sand und Sediment als die Baggerei. Da das Oberwasser vom Oberlauf der Elbe seit Jahren ausbleibe und damit die Selbsträumkraft des Flusses teilweise verloren gegangen sei, müsse durch Baggerschiffe nachgeholfen und das Material weiter herausgebracht werden.
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