Auftakt der Mobbing-Präventionstage

Die Not anderer sollte uns nie egal sein

14.11.2012

CUXHAVEN. Mit einer Nierenprellung und einem Schleudertrauma endete Sylvia Hamachers eineinhalbjähriges Mobbing-Martyrium. Im Krankenhaus wartete sie vergeblich auf einen Genesungsgruß ihrer Mitschüler. Stattdessen erhielt sie eine Morddrohung. An ihre alte Schule kehrte sie nie mehr zurück. Am Montag stellte sich die heute 20-Jährige an die Seite ihrer Mutter Brigitte Hamacher, die den Eröffnungsvortrag zu den 3. Cuxhavener Mobbingpräventionstagen hielt.

„Es war die grausamste Erfahrung meines Lebens mit anzusehen, wie ich jeden Tag ein Stück weniger von meiner Tochter wiederbekam.“ Brigitte Hamacher berichtete von den eigenen leidvollen Erfahrungen und ergänzte diese mit wichtigen Ratschlägen zu Intervention und Prävention von Mobbing.

Jeder ist das geborene Opfer

Opfer kann jeder werden: „Wenn man einen Grund sucht, findet man ihn auch“, sagt Brigitte Hamacher. Seien es die Sommersprossen, eine Brille, Pickel oder ein auffälliges Lachen. „Jeder ist einzigartig und hat das Recht, so zu sein, wie er ist.“ Sylvia hat ihren Weg aus der Gewaltschleife gefunden. Dabei halfen ihr ihre Familie, eine Therapeutin und eine Coach-Trainerin. Andere haben nicht so viel Glück. Sie fühlen sich allein und wissen in ihrer Verzweiflung manchmal keinen anderen Ausweg als den Suizid. Auch Sylvia spielte mit dem Gedanken, sich umzubringen.

Dauerschleife der Gewalt

„Wir haben Sylvia jeden Tag gesagt, dass wir sie lieben, dass sie gut ist, wie sie ist und dass sie ein wertvoller Mensch ist.“ Diese Unterstützung ist unwahrscheinlich wichtig, doch Kinder und Jugendliche definieren sich über ihre Peergroup. Sie wollen von Gleichaltrigen, auch den Mitschülern, anerkannt werden. Diese Ablehnung können Eltern nicht auffangen. „Ich kann nur raten, jemanden von außerhalb zu holen, einen Therapeuten oder Coach.“ Ohne professionelle Hilfe komme ein Mobbingopfer nicht aus der Dauerschleife der Gewalt heraus.

Brigitte Hamacher weiß: „Das größte Hindernis im Mobbingprozess ist die Empathie.“ Nicht nur die Täter machen sich schuldig, auch die Zuschauer. Doch warum greift niemand ein? „Wenn etwas Außergewöhnliches passiert, weiß man nicht, wie man sich verhalten soll. Man hat Angst“, erklärt Brigitte Hamacher. Oder der Zuschauer denkt sich: „Wenn kein anderer eingreift, tu ich auch nichts“, oder er sei doch viel kleiner als der Täter und wolle selbst nichts abbekommen. „Was ist los mit uns? Es sollte uns niemals egal sein, wenn jemand in Not ist. Man kann zumindest die Polizei rufen, wenn man Angst hat, selbst zum Opfer zu werden.“ Sylvias beste Freundin habe damals gesagt, sie halte sich aus der Sache heraus. „Und wo stand sie? Bei den Tätern“, sagt Brigitte Hamacher aufgeregt.

VERANA KOVALIK

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