Der Alte Fischereihafen soll künftig als neue maritime Mitte vielen Menschen ganz viel bieten. Junge Leute aus der Stadt wollen mitreden. Foto: Sassen
Gesellschaft

Diskussion im AFH: Was wollen junge Menschen in Cuxhaven?

06.09.2019

CUXHAVEN. Geschäfte, Hotels und Restaurants sind in den Plänen für den Alten Fischereihafen (AFH) vorgesehen, den der Investor Norbert Plambeck zur neuen maritimen Mitte der Stadt entwickeln will.

Nach Meinung der Wahl-Cuxhavenerin Sabine Tutte (28) fehlen jedoch Angebote, die sich an junge Menschen richten - etwa eine Disco. Daher startete Tutte eine Petition, für die sie bereits 132 Unterschriften sammeln konnte. Die Tourismuswirtschaftsgemeinschaft (TWG) nahm das jetzt zum Anlass, einen Diskussionsabend in den Hapag-Hallen zu organisieren.

"Es gibt eigentlich kaum etwas"

Etwa 100 Leute nahmen das Angebot wahr. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was fehlt jungen Leuten in Cuxhaven, um hier leben und arbeiten zu wollen? Moderiert wurde der Abend von Unternehmer und Gastronom Jan Fitter. "Wenn ich mit meinen Freunden abends durch Cuxhaven gehe, gibt es eigentlich kaum etwas für junge Leute", meinte Charlotte Pörschke, Spitzname "Lotte" (16), die sich als Vertreterin des Jugendbeirats Cuxhaven in die Diskussion einbrachte.

Als junger Mensch sei es so, dass man nicht unbedingt dorthin ausgehen wolle, wo man seine Eltern oder Großeltern treffen könne, bekräftigte Mattheus Berg (17). Man fühle sich unter Gleichaltrigen immer am wohlsten. Es gelte, auf die Interessen junger Menschen einzugehen. Die richtige Ansprache - auch in puncto Werbung - sei wichtig. Veranstaltungs-Experte Daniel Schneider teilt die Sehnsüchte der jungen Menschen, sagte allerdings auch, dass bereits einiges in Cuxhaven passieren würde. Der Markt für neue Anbieter wäre zudem "sehr eng" und es sei nicht leicht, sich zu etablieren.

Mehr Angebote für Touristen

Doch nicht nur der Mangel an Ausgehmöglichkeiten macht Cuxhaven für junge Leute unattraktiv. So bemängelte Lotte auch, dass der Fokus der Stadt weniger auf jungen Einheimischen, sondern vielmehr auf den Touristen läge. Dieser Meinung ist auch die 29-jährige Jara Tiedemann. In der Diskussionsrunde hob die CN-Redakteurin "das große Potenzial" von Cuxhaven hervor und sprach sich dafür aus, bei den Planungen für den Alten Fischereihafen nicht nur Gutverdiener anzusprechen, sondern auch günstige Alternativen für die junge Generation zu schaffen.

Rüdiger Pawlowski aus der Abteilung Jugend und Soziales der Stadt Cuxhaven betonte, dass in den Köpfen der Cuxhavener eine Trennung zwischen Touristen und Einheimischen herrsche. Man müsse eine Szene für einheimische Jugendliche schaffen.

Das sei aber gar nicht so leicht, entgegnete Lotte. So sei es beispielsweise schwierig, überhaupt Werbung für eine eigene Veranstaltung zu machen, meinte die 16-Jährige. "Manche Schulen nehmen Flyer gar nicht an."

Am Ende des Abends waren sich alle Gäste einig: Nur wenn alle Stellen zusammenarbeiten, kann Cuxhaven für junge Menschen attraktiver werden.

Stimmen aus dem Publikum

Nicole Grefe, 19 Jahre, Otterndorf: "Cuxhaven braucht mehr Ausgehmöglichkeiten. Janssens Tanzpalast ist für viele zu weit weg. Ein Taxi ist für junge Leute viel zu teuer."

Nele Hildebrandt, 20 Jahre, Cuxhaven: "Das Konzept für den Fischereihafen finde ich gut. Eine Bar mit Tanzfläche in der Cuxhavener Innenstadt wäre vielleicht nicht schlecht."

Christian Frauenpreiß, 21 Jahre, Cuxhaven: "In Cuxhaven fehlt jungen Leuten eine Perspektive. Es gibt keine Universität oder Hochschule. Auch ich gehe bald weg, um zu studieren."

Rebecca Reusch, 21 Jahre, Cuxhaven: "Wenn man etwas verändern möchte, muss man sich die Frage stellen, was gerade überhaupt modern ist."

Sascha Harre, 22 Jahre, Cuxhaven: "Es müsste viel mehr Veranstaltungen abseits des Tourismus geben. Aktivitäten, bei denen man neue Leute treffen, sich austauschen, reden und und beisammen sein kann. Cuxhaven hat 50 000 Einwohner, das merkt man nicht."

Von Lia Stoike

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