Markierungen für die Höhe der Sturmfluten von 1962 und 1976 an einer Deichtreppe. Wird das beginnende Jahrzehnt eines mit schweren naturkatastrophen? Foto: Archiv
Die Zwanzigerjahre

Ein Jahrzehnt der Veränderung ist angebrochen

von Ulrich Rohde | 04.01.2020

Wie werden wir in zehn Jahren auf das gerade zu Ende gegangene Jahrzehnt zurückblicken? Waren es die "Goldenen Zehner"? Eine Dekade, in der es nach der globalen Finanzkrise zum Ausgang der Nullerjahre wirtschaftlich nur noch bergauf ging? Ein Jahrzehnt des Wachstums, des Wohlstands, geringer Arbeitslosigkeit und hoher Sicherheit?

Oder war es nicht auch eine Zeit der Verunsicherung, in der alle Gewissheiten zu bröckeln schienen? In der Ängste und Bedrohungen auftauchten, die bis dahin keine große Rolle gespielt hatten: Globalisierung einerseits, Nationalismus andererseits, wachsendes Bewusstsein für den Klimawandel einerseits, Leugnung des Klimawandels und fortschreitende Umweltzerstörung andererseits, offene, liberale Gesellschaft auf der einen, Rechtspopulismus und Ausgrenzung auf der anderen Seite, Willkommenskultur gegen Flüchtlingswelle.

Diese Gegensatzpaare ließen sich schier endlos fortsetzen. Sie zeigen vor allem die Widersprüchlichkeit des zurückliegenden Jahrzehnts auf. Nie zuvor ist es uns wirtschaftlich besser gegangen, zugleich waren aber auch die Ängste nie größer. Es waren auch die Ängste vor einer ungewissen Zukunft. Diese Zukunft jetzt hat begonnen. Das Jahrzehnt, das hinter uns liegt, hat Fragen gestellt, die im diesem neuen Jahrzehnt beantwortet werden müssen, auch wenn wir viele Antworten noch nicht kennen. Wir befinden uns in den Zwanzigerjahren, und es wird eine Ära großer Veränderungen werden.

Die Globalisierung wird fortschreiten, das Bevölkerungswachstum, besonders in Afrika, ebenso. Die industrielle Revolution der Digitalisierung wird sich voll entfalten, der demografische Wandel wird vollends durchschlagen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Die Sozialsysteme werden auch deshalb unter Druck geraten. Hinzu wird ein immer deutlicher zu Tage tretender Fachkräftemangel treten. Der Klimawandel wird noch deutlicher spürbar werden als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig werden große Entwicklungen in den Bereichen Mobilität, Kommunikation und Medizin zu erwarten sein.

Es ist auch wahrscheinlich, dass die bereits stark ausgeprägte Schere zwischen Stadt und Land noch weiter auseinander klaffen wird, sollte es nicht gelingen, die ländlichen Regionen am digitalen Wandel in dem Maß teilhaben zu lassen, dass es gelingt, deren strukturelle Nachteile halbwegs auszugleichen.

"Die fetten Jahre sind vorbei", sagte kürzlich Bundesfinanzminister Olaf Scholz und meinte damit, dass die Steuereinnahmen zurückgehen werden und damit die öffentlichen Kassen leerer. Das Mantra von der "schwarzen Null" dürfte sich damit bald verflüchtigen. Doch schon in den vergangenen Jahren hat es sich häufig gezeigt, dass der Staat weniger ein Finanzierungs-, als vielmehr ein Umsetzungsproblem hat.

Aber: Wo die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten, besagt ein deutsches Sprichwort. Bleibt zu hoffen, dass wir in diesem Jahrzehnt des himmlischen Beistands nicht bedürfen.

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.



Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

urohde@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Kommentar

Kaum noch Testpflicht in Cuxhaven: Ist die neue Corona-Verordnung zu leichtfertig?

von Wiebke Kramp | 01.06.2021

KREIS CUXHAVEN. Die neue Corona-Verordnung bringt viele neue Freiheiten, die unsere Redakteurin sehr begrüßt. Gleichzeitig wächst in ihr die Sorge vor erneut steigenden Zahlen. Ein Kommentar.

Kommentar

Bei aller Vorsicht: Öffnungen in Cuxhaven sind ein lang ersehntes Stück Normalität

von Laura Bohlmann-Drammeh | 04.05.2021

KREIS CUXHAVEN. Schon ab dem kommenden Montag dürfen Restaurants, Hotels und Einzelhandel wieder öffnen - für Menschen mit negativem Corona-Test. Das ist richtig so, meint unsere Redakteurin. 

Kommentar

Erkenntnis: Wir müssen den Radverkehr in Cuxhaven neu denken

von Thomas Sassen | 01.05.2021

CUXHAVEN. Mit "neuen" Beobachtungen zum Radverkehr macht derzeit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf sich aufmerksam. Wir richten den Blick nach Cuxhaven. Eine Glosse.

Kommentar

Abwrackwerft in Cuxhaven: Passt das zum Image eines Nordseeheilbads?

von Thomas Sassen | 23.04.2021

CUXHAVEN. Eine Abwrackwerft in Cuxhaven. Verträgt sich das mit dem Image eines Nordseeheilbades? Ein Kommentar.