Eingepferchte Schüler zeigen Zivilcourage

29.08.2018

Die Schüler der Cuxhavener Bleickenschule sind mit ihrem Klassenraum vor das Rathaus gezogen. Um zu protestieren. Dazu ein Kommentar von Felix Weiper.

Der Kopf muss frei sein. Wer lernt, braucht Raum und Luft zum Atmen und zum Denken. Die Mädchen und Jungen der Bleickenschule in Cuxhaven, einer Hauptschule, haben diese Luft nicht. Ihre Schule ist ein Pferch. Sie bietet jedem Schüler gerade mal 1,7 Quadratmeter Platz. Wen wundert es, dass es die Bleickenschüler mit Schnappatmung nach draußen treibt.

Es war ein bemerkenswerter Akt der Zivilcourage, die Schulbänke und -stühle auf dem Pflaster vor dem Cuxhavener Rathaus aufzubauen und dort Open-Air-Unterricht abzuhalten. Behördenvertreter standen hilflos daneben. Der außergewöhnliche und viel beachtete Protest der Schüler wirft ein Schlaglicht auf die Bildungslandschaft. Da wird landauf, landab so viel über die Probleme an Schulen diskutiert, über den Lehrermangel oder über die Frage, ob Eltern künftig Tablet-Computer für ihre Kinder bezahlen sollen.

Aber in Cuxhaven ist die Misere noch existenzieller. Hier haben Hauptschüler nicht mal genügend Platz, um ihre Bücher und Hefte auszuklappen. Es ist einfach beschämend. Willkommen im Cuxland des 21. Jahrhunderts.

Verantwortlich sind in erster Linie die Stadt Cuxhaven und der Landkreis. Sie haben eine Grundschule unter das Dach der Bleickenschule gepackt. Sie hätten wissen müssen, dass es auf Dauer zu eng wird. Sie haben die Prioritäten falsch gesetzt: lieber sparen, als für vernünftige Lernbedingungen zu sorgen. Jetzt erklären sie, dass es aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren auf die Schnelle nicht möglich sei, Container für eine Entlastung zu besorgen. Geht’s noch?

Die Verantwortlichen im Rathaus und im Kreishaus sowie in der Politik müssen sich nicht wundern, wenn Kritiker anmerken, dass sie die Raumnot bewusst in Kauf genommen haben. Besonders tragisch ist die Situation für die Bleickenschule auch deshalb, weil sie pädagogisch wertvolle Arbeit abliefert und sich in Sachen Integration stark engagiert.

Aber mit Hauptschulen kann man es ja machen. Das denken offensichtlich auch die Politiker in Cuxhaven, die für diese Region im Landtag sitzen. Hauptschulen sind von den Fraktionen in Hannover zu Auslaufmodellen erklärt worden. Das ist eine kolossale Fehleinschätzung. Sie erklärt aber, warum es einem Thiemo Röhler (CDU) „schnuppe“ ist, was der Landkreis mit der Bleickenschule vorhat, und warum sich der Bildungspolitiker Uwe Santjer (SPD) nicht energisch zu Wort meldet.

Bleibt zu hoffen, dass die Politik wenigstens zur Kenntnis genommen hat, dass die Schülerinnen und Schüler samt ihrer Lehrkräfte mit einem mutigen öffentlichen Auftritt ein starkes Statement für ihre Hauptschule abgeben haben. Respekt!

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