Um die Umwelt zu schonen, packen immer mehr Menschen ihre Tupperdose ein, wenn sie zum Schlachter gehen. Symbolfoto: Brand
Kommentar zur Plastikflut

Tupperdose beim Metzger: Gutes tun wird Verbrechen

von Jara Tiedemann | 19.03.2019

Das Thema Plastik ist in aller Munde. In den Medien ist es ein Dauerbrenner. Denn statt besser wird es schlimmer. Der Planet scheint in der Plastikflut zu ertrinken.

Immer mehr Menschen sagen dem deswegen den Kampf an. Schülerinnen und Schüler gehen bei "Fridays-for Future"-Demos auf die Straße. Immer mehr Verbraucher ändern ihr Kaufverhalten, um die Produktion von Plastikmüll einzudämmen. Beim Einkauf verzichten sie auf die eingeschweißte Gurke, kaufen lose Äpfel auf dem Markt und frische Tulpen nicht im Plastikkleid und mit drei Gummibändern beim Discounter, sondern beim Floristen um die Ecke. Immer dabei hat der Nachhaltigkeits-Profi von heute außerdem eine Kollektion an Jutebeuteln und Körben, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, eine Plastiktüte an der Kasse kaufen zu müssen.

Auch an den Fleisch- und Käsetheken im Cuxland denken immer mehr Kunden um (wir berichteten). Jede Scheibe Salami mit einer Extra-Folie von der anderen trennen, um sie dann in eine weitere Folie einzuwickeln, um sie dann in eine Plastiktüte zu legen? Immer mehr Verbraucher haben auf diesen Müll keine Lust mehr und bringen stattdessen die gute alte Tupperdose mit zum Schlachter.

Und wie reagieren die Betriebe darauf? Antwort: Wohlwollend. Die meisten befürworten das Umdenken ihrer Kunden und unterstützen es gerne, indem sie mitgebrachte Behälter mit frischen Produkten befüllen. So leisten schließlich auch sie maßgeblich einen positiven Beitrag zu einer sauberen Umwelt.

Im Zuge der Recherche zum CN/NEZ-Artikel vom 13. März zeigte sich allerdings auch, wie verunsichert viele Betriebe über die rechtliche Lage sind. Was dürfen sie und was nicht? Gut die Hälfte aller für den Artikel befragten Supermärkte und Fleischereien wollte deswegen nicht namentlich genannt werden. Aus Angst, mit etwas Gutem etwas Verbotenes zu tun und möglicherweise Hygienevorschriften zu verletzen. Obwohl sie diese nach bestem (Ge-)Wissen erfüllen.

Dabei ist es durchaus erlaubt, Kunden Käse und Co. an der Theke, oder besser gesagt auf der Theke (denn hinter diesen Bereich darf die Box nicht gelangen), in eine Tupperbox zu legen. Solange der Verkäufer oder die Verkäuferin sich daran hält und den mitgebrachten Behälter nicht berührt, ist alles gut. Eigentlich ganz einfach.

Dass das möglich ist, scheint aber noch nicht überall angekommen zu sein. Was jedoch nicht als Fehler der Lebensmittelunternehmen zu bewerten ist, sondern vielmehr als unzureichende Informationsversorgung seitens der Politik. Und der zuständigen Stellen wie dem Landkreis Cuxhaven.

Wenn es Unternehmen doch erlaubt ist, auf so einfache Art und Weise zu einer sauberen Umwelt beizutragen, wieso wird es ihnen dann nicht ganz offen kommuniziert? Noch viel schlimmer: Wieso haben Verkäuferinnen und Verkäufer sogar Angst, halbwegs ein Verbrechen zu begehen, wenn sie unserer Zeitung erzählen, dass sie den Bewusstseinswandel ihrer Kundschaft unterstützen?

Irgendwas scheint hier verkehrt zu laufen. Und zwar gehörig.

Jara Tiedemann

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jtiedemann@no-spamcuxonline.de

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