Elbefähre: Kommunen müssen in die Tasche greifen

31.08.2018

Das Thema Elbefähre zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel ist neu entfacht. Dazu ein Kommentar von Thomas Sassen

Nun haben unsere Landtagsabgeordneten Santjer (SPD) und Röhler (CDU) die Elb-Fährverbindung nach Brunsbüttel wieder als Thema entdeckt. Das ist gut so. Denn der erste Sommer ohne Fähre hat den Menschen hüben und drüben mit kilometerlangen Warteschlangen in Glückstadt und Wischhafen wieder einmal drastisch vor Augen geführt, wie dringend eine zusätzliche Flussquerung benötigt wird. Am Elbufer endet die Mobilität, da helfen keine selbstfahrenden Autos, intelligenten Verkehrsleitsysteme oder transeuropäische Verkehrskonzepte. Helfen würde einzig eine Fährverbindung, wie sie sonst fast überall in Europa zum Standard gehört. Zum Beispiel an den norwegischen Fjorden, wo der Staat als Betreiber einspringt, um vergleichbare Lebensverhältnisse auch in den abgelegenen Regionen des Landes sicherzustellen.

Dagegen soll das in Deutschland aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich sein? Das ist dem Bürger, der in einigermaßen verträglicher Zeit von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen oder umgekehrt reisen möchte, oder dem Trucker, der Zeit und Kilometer sparen möchte, nicht zu vermitteln.

Schließlich investieren Hamburg und der Bund gleichzeitig annähernd eine Milliarde Euro (!) um eben jenen ohnehin schon breiten Fluss für Großcontainer und Kreuzfahrtriesen noch durchlässiger zu machen. Dabei hätten ein paar Hunderttausend Euro aus öffentlicher Hand gereicht, um den seinerzeit defizitären Fährbetrieb der Elb-Link-Fährgesellschaft GmbH im vergangenen Herbst für ein Jahr über Wasser zu halten. In der Zwischenzeit hätte man nach alternativen Lösungen suchen können. Denn die bewährten Schiffe standen weiterhin zur Verfügung. Sie sind erst jetzt nach Kanada verkauft worden.

Was auch immer zum erneuten Scheitern des Projektes geführt hat, es bleibt die Erkenntnis, dass es schwer ist, ein Schiff oder besser zwei Schiffe auf der viel zu langen Strecke zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel wirtschaftlich zu betreiben.

Reedereien, die bereit waren, einzusteigen, haben gefordert, die Strecke zu verkürzen und zwischen dem Steubenhöft und der Ostemündung einen neuen Fähranleger zu bauen. Nördlich des Altenbrucher Hafens wäre dies vielleicht noch am ehesten möglich. Doch mit welchem Aufwand?

Zehn Millionen sind bei solchen Projekten schnell verbaut. Wäre es volkswirtschaftlich gesehen nicht viel sinnvoller, eine Fährgesellschaft möglicherweise in öffentlicher Trägerschaft mit jährlich einer Millionen Euro zu bezuschussen. Die könnte dann zehn Jahre arbeiten, bis der Tunnel bei Drochtersen fertig wäre.

Träger könnten die Landkreise Cuxhaven und Dithmarschen sein (Beispiel Weserfähre) mit Unterstützung der Städte Cuxhaven und Brunsbüttel. Der Nutzen würde die Kosten weit übersteigen. Nehmen wir nur das Projekt Alter Fischereihafen. Bevor, wie es von Investor Norbert Plambeck propagiert wird, neue Gäste mit Kreuzfahrtschiffen Cuxhaven ansteuern (wofür das Steubenhöft mit mindestens 30 Millionen Euro saniert werden müsste), sollte es doch mit vereinten Kräften möglich werden, die Fähre wieder flott zu bekommen.

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