Wo stehen wir in Deutschland eigentlich im Hinblick auf die Energiewende? Foto: Tim Meyer/E.ON
Kommentar zur Energiewende

Energie: Verbraucher benötigt Orientierung

von Thomas Sassen | 20.10.2018

Wo stehen wir in Deutschland eigentlich im Hinblick auf die Energiewende?

Welche Chancen haben wir tatsächlich, unser komplexes Leben und Wirtschaften irgendwann auf nicht fossile Energieträger umzustellen? Kann es gelingen oder wird es immer ein Wunschtraum bleiben? Eine Orientierung in dieser wichtigen Zukunftsfrage fällt eigenartigerweise immer schwerer, je tiefer man in die Materie einsteigt. Das Thema ist unglaublich komplex und die schlussendliche Beurteilung der einzelnen Szenarien setzt eine Menge technisches und ökonomisches Wissen voraus. Dabei ist mit verschiedenen Rezepten, die auf unterschiedlichen Weltanschauungen beruhen, am Ende niemandem geholfen. Schließlich geht es um konkrete Weichenstellungen im Hier und Heute, ob im Betrieb, im Haushalt oder beim Autokauf.

Es gibt natürlich die Fraktion der Gleichgültigen, die meinen, eine Bewahrung der gesamten Weltbevölkerung vor den Folgen der voranschreitenden Erderwärmung sei ohnehin nicht möglich, weshalb ihr Motto lautet: Augen zu und durch und dabei noch möglichst viel Spaß für sich persönlich bei Reisen zu möglichst entlegenen Zielen zu generieren.

Auf der anderen Seite wächst das Lager des Öko-Jakobinertums, wie es Ulf Poschardt in einem Kommentar in der Zeitung "Die Welt" kürzlich bezeichnete, das vor allem in subventionierten Biotopen funktioniere. Die linke Mitte habe sich dabei einer Art Luxusmoral verschrieben, die das ökonomische Fundament ihrer Werte und Ideale meistens außer Acht lässt. Eine dieser Säulen, auf denen der relative Wohlstand in Deutschland beruhe, sei die Autoindustrie, schreibt der Kollege und mahnt, diesen Industriezweig nicht in Bausch und Bogen abzustrafen, sondern stattdessen behutsam damit umzugehen.

Dem potenziellen Autokäufer ist damit allerdings nicht geholfen. Soll er auf das Versprechen Elektromobilität vertrauen, auch wenn das Ladestellennetz noch nicht ausreichend ausgebaut ist, oder lieber weiter auf bewährte Treibstoffe setzen. Oder ist Wasserstoff der Treibstoff der Zukunft, wie es ja auch vom Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann propagiert wird. Für den Verbraucher wird es immer schwieriger, sich in diesem oft interessengeleiteten Wust von Informationen zu orientieren. Dabei ist kompetente Hilfe wichtiger denn je, damit wir nicht erneut allein auf die Versprechungen von Volkswagen angewiesen sind. Die Autobauer sind derzeit wieder auf Kundenfang. Nicht auszuschließen, dass deren Antriebe schon in ein paar Jahren überholt sind.

Thomas Sassen

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tsassen@no-spamcuxonline.de

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