Projekt

Engagement in Cuxhaven: Rikscha-Fahrten sollen Senioren mobil machen

von Maren Reese-Winne | 19.09.2020

CUXHAVEN. Ehrenamtliche fahren Ältere mit einer modernen Fahrrad-Rikscha durch Stadt und Natur - anderswo funktioniert das schon. Marion Hartig und René Kellermann wollen es auch in Cuxhaven schaffen. 

Da war dieser Satz, den Marion Hartig vor einem Altenpflegeheim gehört hatte und der ihr nicht aus dem Kopf gehen wollte: "Uns holt keiner mehr ab. Ich seh das Wasser nie wieder ..." Wie bitter! Als ihr Lebensgefährte René Kellermann kurz darauf einen Fernsehbeitrag mit Ina Müller sah, die von Fahrradrikschas für Senioren in Dänemark berichtete, kam beiden die Idee: "Das würden wir gerne machen!"

Schon Probe gefahren

Sie recherchierten und stießen auf eine dänische Manufaktur (Christiania Bikes), die diese Gefährte als E-Bikes herstellt (Infos und Bilder auf radmobil-ohne-grenzen.de). Inzwischen haben sie sich eine solche Senioren-Rikscha in einem Pflegeheim in Tostedt angeschaut und sind damit Probe gefahren. Fazit: "Einfach toll", versichert Marion Hartig.

Zwei Passagiere passen auf die Sitzfläche, die gepolstert und mit 3-Punkt-Gurten ausgestattet ist. Der Einstieg ist absenkbar und sogar mit einem Rollator begehbar. Es gibt ein Regendach und eine Wärmedecke. Fahrerin oder Fahrer sitzen hinten. Auch die Stabilität und die Hydraulikbremsen konnten überzeugen.

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Das Geld fehlt noch

Doch das hat seinen Preis: 7000 Euro. Und daran ist bislang der Erwerb gescheitert. Somit konnte das Projekt, dem sie den Namen Rema-Rikscha gegeben haben (Rema für René und Marion), noch nicht starten. Obwohl die beiden viel positive Rückmeldung erhalten haben, als sie ihre Idee allen Alten- und Pflegeheimen der Stadt, den Serviceclubs und anderen Stellen vorgestellt haben: Finanziell beteiligt haben sich erst wenige Privatpersonen.

Idee finden alle gut

"Hauptgrund: Weil sie nicht als Verein, sondern als Privatleute auftreten, können sie keine Spendenbescheinigung ausstellen. "Alle sagen: Schaffen Sie doch erst mal die Rikscha an, wir spenden dann später", berichtet Marion Hartig. Viele hätten sich spontan als Fahrerin und Fahrer angeboten. "Viele wünschen uns Glück und sagen, das sei etwas, was in Cuxhaven noch fehle."

Mit ihrer "Rema-Rikscha Cuxhaven" (unter diesem Namen sind sie auch bei Facebook zu finden) wollen sie Seniorinnen und Senioren oder Menschen mit Behinderung Freude machen, indem sie mit ihnen ans Wasser, in die Küstenheiden oder an andere vertraute Orte fahren - ehrenamtlich. "Ohne Partyfahren, Vermietung, Taxiservice oder Fahrten zum Einkaufen", versichert das kreative Paar. Ideen gibt es noch viele: Rikschafahrten mit "Familienanschluss" - Kinder oder Enkel schließen sich der Fahrt von Oma und Opa mit ihren Fahrrädern an - oder auch Fahrten für das Kinderhospiz für erkrankte Kinder oder deren Geschwister können sie sich gut vorstellen.

Schon lange sozial engagiert

Sozial engagiert sind die pädagogische Mitarbeiterin an der Gorch-Fock-Schule und der gelernte Betriebsschlosser seit vielen Jahren: Mit ihrer Kindergruppe "Cux-Kids" veranstalteten sie rund 25 Fahrten im Jahr und Geocaching-Touren. Marion Hartig hat fast zehnjährige Erfahrung als Ehrenamtliche am Telefon bei der "Nummer gegen Kummer" des Kinderschutzbunds.

Ausdrücklich wollen beide die Fahrten im gesamten Landkreis anbieten: "Einen Anhänger für den Transport haben wir", versichern sie. Auch eine Unterstellmöglichkeit für den Winter und eine Versicherung seien bereits gefunden.

Entlang der Landkreis-Grenze

Werbung für ihr Projekt machten sie unter anderem auf dem Wochenmarkt und im Sommer mit einer fünftägigen Spenden-Fahrradtour entlang der Landkreis-Grenze (knapp 300 Kilometer), bei der sie mit Flyern und in Gesprächen über die "Rema-Rikscha" informierten. Demnächst dürfen sie über die Idee auch im Fernsehen berichten.

Die bisherige Zurückhaltung betrübt sie schon: "Wir fahren unentgeltlich, pflegen die Rikscha und bringen sie unter", verdeutlicht Marion Hartig. Nur der Kaufpreis sei mit 7000 Euro für Privatleute eben kein Pappenstiel.

"Was könnte das bewirken!"

"Wieso kommt keine Resonanz?", fragt sie sich; die Bilder schon vor Augen, die sich abspielen könnten, wenn die Vision Wahrheit werden würde. "Was kann da mit den Menschen passieren, wenn sie das Wasser wiedersehen oder den Wald oder die Heide!" Selbst Senioren, die in unmittelbarer Nähe des Deichs wohnten, berichteten oft, dass sie den Weg dort hoch nicht mehr schaffen könnten und sich isoliert fühlten.

Anderswo - in Dänemark sowieso, aber auch in Deutschland - ist das Rikscha-Modell bereits weiter. In einem Seniorenheim in Ahrensburg trägt die Rikscha den schönen Namen "ÄltestenRad", in fünf deutschen Städten hat sich das "Radeln ohne Alter" bereits etabliert, dort allerdings als Verein.

Marion Hartig und René Kellermann wollen es weiter auf Privatbasis versuchen. Wer sie unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf das Konto Marion Hartig/René Kellermann, Stadtsparkasse Cuxhaven, IBAN DE42 2415 0001 0025 1525 70, Verwendungszweck: Rema-Rikscha. Kontakt: Telefon (montags 19 bis 20 Uhr): (01 76) 99 14 12 18, E-Mail rema-rikscha@t-online.de.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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