Ergänzung oder Konkurrenz zum Hafenumschlag?

04.05.2018

Die Tourismuswirtschaftsgemeinschaft will die Kreuzfahrt in Cuxhaven wiederbeleben. Dazu ein Kommentar von Thomas Sassen

Ob es gelingen wird, an die Geschichte Cuxhavens als Kreuzfahrtstandort anzuknüpfen, ist schwer zu beantworten. Vor ziemlich genau 100 Jahren war es der Erste Weltkrieg, der die Expansionspläne der Reederei Hapag im hamburgischen Cuxhaven zunichte machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Transatlantikverkehr für einige Jahre wieder auf, bis das Flugzeug die Linienschifffe ablöste. Ende der 1990er Jahre blickte die Branche noch einmal für einen Moment auf Cuxhaven, als das Traumschiff „Deutschland“ mehrmals Cuxhaven anlief und sogar New York ansteuerte. Torsten Maaß und Andreas Möller von Cruise & Ferry war es gelungen, ein Nischenangebot zu platzieren. Bis zu 25 kleinere Kreuzfahrtschiffe wurden in der Saison 2001 in Cuxhaven abgefertigt. An die schöne „Mona Lisa“ werden sich viele noch erinnern. Verstetigen konnten die Akteure ihren Erfolg damals aber nicht. Die kleinen Reiseanbieter fielen dem Verdrängungswettbewerb zum Opfer und damit ging auch Cuxhaven als Anlaufhafen für Kreuzfahrer unter.

Nun hat Norbert Plambeck das Thema für sich entdeckt und prescht mit Unterstützung der Tourismuswirtschaftsgemeinschaft voran. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er es ebenso ernst meint, wie mit dem Projekt Alter Fischereihafen und zügig zum Erfolg kommen will. Die Chancen sind besser denn je, ein kleines Stück vom großen Kuchen abzubekommen, sagen Fachleute. Viele Top-Ziele sind durch die wachsende Zahl der Kreuzfahrtriesen derart überlaufen, dass die Reeder händeringend nach attraktiven Ausweichzielen suchen. Soweit die Überlegungen.

Was machbar ist, sollen die Arbeitsgruppen in der TWG herausfiltern. Mit der Einbindung von Torsten Maaß in den Vorstand kann Plambeck einen ersten Erfolg verbuchen. Schließlich ist der Busreiseveranstalter (Cuxliner), seit über 20 Jahren Vorsitzender des Fördervereins Hapag-Halle, ein Kenner der Materie und anerkannter Verfechter der Kreuzfahrtidee. Er wollte die in Europa einmalige historische Anlage aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Eine ausreichend breite Unterstützung aus Wirtschaft und Politik konnte Maaß damals nicht mobilisieren. Ob das dem Doppelgespann Plambeck/Maass gelingen wird, ist eine spannende Frage. Mitentscheidend wird sein, ob die starke Hafenwirtschaftsgemeinschaft (HWG) mit Cuxport-Chef Peter Zint das Projekt Kreuzfahrer als willkommene Ergänzung oder störende Konkurrenz zum Cuxhavener Hafenumschlag betrachtet.

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