Planung Alter Fischereihafen

Erste Konfliktlinien zeichnen sich schon ab

30.10.2017

Je konkreter die Planungen werden, desto deutlicher treten jedoch auch die Konfliktlinien zutage. Zum Alten Fischereihafen ein Kommentar von Thomas Sassen.

Bislang ist der Start für die Umgestaltung des Alten Fischereihafens überraschend zügig und geräuschlos über die Bühne gegangen. Investor und Stadt Cuxhaven haben eng zusammengearbeitet und die Öffentlichkeitsbeteiligung von Anfang an zu einem wichtigen Bestandteil des Planungsverfahrens gemacht. Taktisch sehr überzeugend. So sind offenbar alle relevanten Gruppen und auch die politischen Fraktionen an der Steuerungsgruppe beteiligt mit dem Ziel, mögliche Konflikte in einer frühen Phase zu erkennen und zu entschärfen, die andernfalls zu Verzögerungen auf dem Weg zum rechtlich abgesicherten Bebauungsplan führen könnten.

Tempo und Druck, mit dem Investor Norbert Plambeck das Projekt Alter Fischereihafens vorantreibt, sind bemerkenswert. In spätestens fünf Jahren will er die wesentlichen Baustellen abgeschlossen haben. Die Zeit drängt, seine ehrgeizigen Ziele in die Tat umzusetzen. Nicht allein, aber auch wegen der günstigen Kredite.

Je konkreter die Planungen werden, desto deutlicher treten jedoch auch die Konfliktlinien zutage. Zum Beispiel beim Grundstück am Dugekai. Welchen Preis ist Plambeck bereit für das Sahnegrundstück zu zahlen und wie darf es anschließend bebaut (genutzt) werden. Das Grundstück könnte der Siedlung (Stadt) Millionen bringen, Stadtplaner würden es aber am liebsten frei halten, um die Sichtachse zum Hafenbecken zu erhalten.

Gerade in diesem Punkt werden die Vorschläge der Planungsbüros mit Spannung erwartet. Falls der Dugekai ohne Hotelkomplex bleiben sollte, drückt die Stadt dann auf der anderen Seite ein Auge zu und genehmigt ein paar Stockwerke mehr beim Hotel „Tor zur Welt“? Interessante Fragen und viel Raum für geschäftliche Interessen.

Mit dem Alten Fischereihafen wird sich der Tourismus in Stadt und Region verändern. Schließlich entsteht nicht nur ein weiteres touristisches Zentrum, sondern wahrscheinlich das touristische Zentrum. Damit stellt sich die Frage der Schwerpunkte und der Außendarstellung. Wesentlich dürfte es künftig sein, unter welchem Motto das maritime Juwel vermarktet wird. Allein als Hafenerlebnis, als „Tor zu Niedersachsen“, als „Tor zu Deutschland“ oder als „Tor zur Welt“, wie es Plambeck vorschwebt.

Damit sind jeweils unterschiedliche Themenschwerpunkte verbunden. Die Bandbreite reicht von Fischerei- bis zur Auswanderungsgeschichte (Wiege der Kreuzfahrt). Es gilt also in einem sehr frühen Stadium zu definieren, wie sich die Stadt insgesamt künftig in ihrer Außendarstellung positionieren will. Als Nordseeheilbad, als Hafenstadt mit Geschichte oder als künftige Landmarke für Kreuzfahrer?

Sichtbar wird inzwischen noch eine weitere Konfliktlinie. Cuxhaven wird sich entscheiden müssen zwischen Offshore-Wind oder Kreuzfahrern. Beides wird das Land im Hinblick auf die benötigten Liegeplätze nicht in der Lage und willens sein zu finanzieren. Und derzeit steht der Lückenschluss in Groden auf der Agenda.

Damit tut sich ein weiteres Problem auf. Welchen Kurs soll die Stadt künftig steuern? Wie bisher die Hafenwirtschaftsgemeinschaft mit Cuxport-Chef Peter Zint im Vorstand unterstützen und sich aus der in Gründung befindlichen Tourismuswirtschaftsgemeinschaft heraushalten, oder auch dort mit voller Kraft unterstützen. Ein schwieriger Drahtseilakt für den Oberbürgermeister.

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