Ein Team internationaler Forscher untersucht in der Nordsee Chancen und Risiken, klimaschädliches Kohlendioxid im Meeresboden zu lagern. Foto: Archiv
Forschung

Forscher untersuchen Chancen der CO2-Lagerung in der Nordsee

10.06.2019

KIEL/KREIS CUXHAVEN. Ein Team internationaler Forscher untersucht in der Nordsee Chancen und Risiken, klimaschädliches Kohlendioxid im Meeresboden zu lagern.

Trotz globaler Erwärmung konnten die vom Menschen gemachten CO2-Emissionen bislang nicht reduziert werden. Da Wissenschaftler in naher Zukunft keine signifikante Senkung des CO2-Ausstoßes erwarten, suchen sie nach alternativen Lösungen. Zum Beispiel, CO2 aus den Abgasen von Kraftwerken zu entfernen, um das klimaschädliche Gas anschließend in einem unterirdischen Speicher dauerhaft zu lagern, statt es in die Atmosphäre zu blasen. Das größte CO2-Speicherpotenzial in Europa liegt in der Nordsee in tiefen, unter dem Meeresboden gelegenen geologischen Formationen. Doch die Suche nach Gas- und Ölvorkommen hat den Meeresboden porös gemacht, da die Sedimente während des Bohrens mechanisch gestört und geschwächt wurden. Dort tritt aus Gas-Lecks jetzt schon Methangas aus. Durch die Leckagen kann aber auch das Treibhausgas wieder ausströmen. Wissenschaftler haben daher in einem Feldversuch erforscht, was in solchen Fällen mit dem CO2 passieren kann. Sie ließen mitten in der Nordsee zwischen der Nordspitze Schottlands und der Südspitze Norwegens einen Tauchroboter zum Grund hinab. Dort blies er in 82 Metern Tiefe kontrolliert CO2 ins Wasser. Das Ergebnis: Die CO2-Gasblasen lösten sich innerhalb von zwei Metern über dem Meeresboden vollständig auf. Daher wurde das klimaschädliche CO2 nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern blieb in der Nordsee. Wenn Kohlendioxid sich auflöst, verändert sich der pH-Wert, das Wasser wird saurer. "Diese Versauerung des Bodenwassers wirkt sich nachteilig auf die am Meeresboden lebenden Organismen aus", erklärte Projektleiter Prof. Klaus Wallmann. "Aber die dort vorhandenen starke Bodenströmungen verteilen das gelöste CO2 rasch, so dass dies Fläche am Meeresboden, auf der potenziell schädliche Auswirkungen auftreten können, gering ist." "Wir kommen daher vorläufig zu dem Schluss, dass es möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet", lautete das Fazit von Prof. Wallmann. Derzeit sind Kieler Wissenschaftler für ein zweites Freisetzungsexperiment in der Nordsee unterwegs, wie Geomar-Sprecher Andreas Villwock sagte. Doch die Kieler Landesregierung hat sich längst gegen die Speicherung von CO2 in Schleswig-Holstein ausgesprochen, wie Patrick Tiede vom Umweltministerium mitteilte. Das gilt laut Gesetz auch für die Küstengewässer von Nord- und Ostsee. (dpa)

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