Das Gewerbegebiet Am Böhlgraben. Foto: Reese-Winne
Kommentar zum Böhlgraben

Gewerbegebiet: Froh sein über jeden, der sich ansiedeln will

von Maren Reese-Winne | 07.10.2019

In Cuxhaven soll ein neues Gewerbegebiet erschlossen werden. Darüber sind nicht alle Cuxhavener froh. 

"Warum ein neues Gewerbegebiet?", "Cuxhaven wird zugepflastert", "Immer nur Industrie" - solche Reaktionen mischten sich in die Kommentare in dem einen großen sozialen Netzwerk, nachdem wir über die geplante weitere Erschließung des Gewerbegebiets "Am Böhlgraben" berichtet hatten. Übrigens vorwiegend von Leuten, die den Artikel gar nicht gelesen hatten und nun im Bereich der Vermutungen herumstocherten.

Klar ist: Dass es schon jetzt Unternehmen gibt, die sich lieber heute als morgen in Sichtweite der Betriebe an der Abschnede und der Christian-Hülsmeyer-Straße (wo Bening und Aldi liegen) niederlassen wollen, kann nur ein gutes Zeichen sein.

Das sind zum einen heimische Betriebe, die sich an ihrem derzeitigen Standort nicht mehr erweitern können, aber auch solche von auswärts, und zwar klassische kleine und mittlere Betriebe - keine Industrie, die Cuxhaven ohnehin vor der Siemens-Gamesa-Ansiedlung nie richtig hatte, wie Stadtkämmerin Andrea Pospich klarstellt.

Ohne Entwicklung und kluge Planung bei der Vorratshaltung von Flächen (die Reserven am Böhlgraben sind ohnehin schon seit Jahren hierfür ausersehen) könnte die Stadt einpacken. Selbst Hannover hatte irgendwann, als um die Entschuldung gerungen wurde, festgestellt: "Nun gibt es wirklich nichts mehr zu sparen, ihr könnt eure Haushaltslage nur noch verbessern, indem ihr eure Einnahmen erhöht."

Dass kleine und mittlere Unternehmen das wirtschaftliche Rückgrat der Bundesrepublik Deutschland sind und die weitaus meisten Arbeitsplätze stellen, ist hinlänglich bekannt. Ein stärkerer Mittelstand bedeutet auch für die Stadt Cuxhaven mehr Gewerbesteuer, höhere Grundsteuer B, höhere Anteile an Einkommen- und Umsatzsteuer und für die Bürgerinnen und Bürger Arbeitsplätze und mehr Service.

Oder wer hält es für besser, wenn Handwerker oder Dienstleister samt deren Fachwissen gleich wegbleiben oder die Stadt verlassen und entweder gar nicht mehr oder noch schwieriger zu erreichen sind? Zudem bieten gebündelte Gewerbegebiete die Chance, mit einem Weg viele Anliegen erledigen zu können. Und wer verübelt den Gewerbetreibenden, wenn sie sich einen Standort wünschen, an dem sie auch gesehen und wahrgenommen werden?

Gerade Gewerbe- und Grundsteuer stärken den eigenen Handlungs- und Investitionsspielraum der Stadt, die dafür auch ebenso eine stabile Bevölkerungsdichte braucht. Sonst gibt es am Ende auch keine Bibliothek mehr und keine Co-Finanzierung für soziale Projekte. Genauso, wie die Stadt bei Wohnbauflächen planen muss, um die Nachfrage zu befriedigen, muss sie es auch bei Gewerbeflächen tun. Im großen Rahmen war die Tatsache, dass die Flächen an der Wasserkante da waren, der entscheidende Faktor für den Siemens-Gamesa-Coup. Im kleinen Rahmen - mit dem Blick auf kleine und mittlere Unternehmen - will die Stadt jetzt den Böhlgraben entwickeln. Wer sich in der Stadt vergrößern oder niederlassen möchte, sollte mit Kusshand begrüßt werden. Das heißt ja noch lange nicht, dass bei Ausgleichsflächen und Grünflächengestaltung nicht genau hingeschaut werden darf.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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