Beim das Thema "Gelbe Tonne" kehrt keine Ruhe in Cuxhaven ein. Foto: Koppe
Ungereimtheiten um Gelbe Tonnen

Gelbe Tonne in Cuxhaven: Entsorger blieb eine Antwort schuldig

von Kai Koppe | 25.02.2021

Dass einige Haushalte längst eine Gelbe Tonne besitzen, spielte beim Systemwechsel offenbar keine Rolle. Dazu ein Kommentar von Kai Koppe

Nachzuvollziehen ist das beim besten Willen nicht mehr: Ein System, das sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat und eigentlich eingeführt wurde, um Ressourcen zu schonen, zwingt nun nicht wenigen Bürgern in dieser Stadt eine weitere, eine zusätzliche Tonne auf. Und das, obwohl der im Haushalt vorhandene Wertstoffsammelbehälter intakt und damit keineswegs ein Fall für den Schrottplatz sein mag. "Die Ausschreibung!", argumentiert der Vertragspartner allen Ernstes und zieht sich - möglicherweise wider besseres Wissen - auf Formalismen zurück. Scheuklappendenken wurde selten eindrucksvoller zur Schau gestellt als in der Live-Schalte mit der BEG in Bremerhaven (s. nebenstehenden Artikel), die einigen Ausschussmitgliedern noch nach Sitzungsende ein Kopfschütteln abnötigte. "Wir machen das, was von uns verlangt wird" - sinngemäß war das in der vorausgegangenen Stunde mehrfach zu hören gewesen; abgesehen von diesem gebetsmühlenartig vorgetragenen Mantra gab sich der Entsorger relativ wortkarg - gerade als es um die Frage ging warum die neuen Tonnen a) gechippt worden sind und warum b) um Himmels willen denn die vorhandenen Gelben Tonnen plötzlich nicht mehr geleert werden können.

Das eine könnte mit dem anderen zusammenhängen, weitere Erklärungsmodelle sind denkbar: Will man den Leerungsvorgang in Zukunft unter Umständen teilautomatisieren und setzt deswegen auf einheitliche, auf genormte Behälter? Wo die Verantwortlichen Antworten schuldig bleiben, schießen Spekulationen ins Kraut, mögen sie unter Aspekten der Praktikabilität auch mehr oder weniger abwegig erscheinen. Vor allem erzeugt mangelnde Transparenz Frust: Unverständnis und Verdruss, ausgerechnet unter denjenigen, die sich in der Vergangenheit beispielhaft verhalten haben. Denn diejenigen, die jetzt in die Röhre gucken - Bürger, die erwägen, ihre vorhandene Gelbe Tonne mit der Flex klein zu hacken (oder bestenfalls im eigenen Garten als Zisterne zweckzuentfremden - das sind doch diejenigen, die sich in der Vergangenheit um das Thema Wertstoffsammlung Gedanken gemacht haben. Und schon bald zu dem Schluss kamen, dass die von Möwen aufgepickten und von Windböen durchs Stadtgebiet getriebenen Gelben Säcke in einer Stadt wie Cuxhaven eben keine saubere Lösung darstellen. Auf eigne Rechnung haben sie einen festen Behälter gekauft, der im einen Fall ein Schnäppchen gewesen sein mag, in einem anderen mit ein paar hundert Euro zu Buche schlug.

Anschaffungspreis oder Restwert dieser privat vorhandenen Gelben Tonnen bilden nach meiner Auffassung übrigens gar nicht den springenden Punkt. Im vorliegenden Fall geht es ums Prinzip - darum, dass es Systembetreiber und Auftragnehmer gelungen ist, Leute vor den Kopf zu stoßen. Deshalb muss man sich den selbigen nun über ein Thema heiß reden, das man anderenfalls kurz und bündig als Erfolg verbuchen könnte.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kkoppe@no-spamcuxonline.de

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