"Glory Amsterdam"

Gespenst nur vorläufig verscheucht

03.11.2017

Eine Havarie hält die Menschen an der Nordseeküste tagelang in Atem. Dazu ein Kommentar von Felix Weiper

Das Schreckgespenst einer Ölpest spukte in den vergangenen Tagen an der deutschen Nordseeküste. Die Havarie des Frachters „Glory Amsterdam“ weckte erneut schlimme Befürchtungen. Tatsächlich wären die Konsequenzen einer Verschmutzung verheerend – für die Meeresumwelt und den Tourismus. Nun schwimmt das Schiff wieder. Zum Glück. Auf das Havariekommando in Cuxhaven war letztendlich Verlass – so wie im vergangenen Jahr, als die gigantische „Indian Ocean“ in der Elbe festklemmte.

Der Fall „Glory Amsterdam“ macht aber auch deutlich, dass die Sicherheitskonzepte nicht ausgegoren sind. Tatenlos mussten die Einsatzkräfte zunächst zusehen, wie das Schiff mit seiner defekten Ruderanlage und rund 2000 Tonnen Öl und Diesel im Bauch vom Orkan durch die Deutsche Bucht getrieben wurde. Das Geschehen hatte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr unter Kontrolle. Die jetzt laut werdende Kritik an den Notfall-Strategien und dem Havariekommando ist also berechtigt.

Es besteht erheblicher Handlungsdruck. Denn eine solche Situation kann sich jederzeit in der stark befahrenen Deutschen Bucht wiederholen. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hat in einer ersten Stellungnahme die Richtung vorgegeben: Die Ausbildung der Mannschaften auf den Schiffen müsse geprüft werden. Denkbar sei, ein Notschleppgeschirr an Deck auch für Schiffe der Größenordnung der „Glory Amsterdam“ verpflichtend vorzugeben.

Für sensible Seegebiete und schwierige Wetterlagen müsse die Pflicht zur Aufnahme von Überseelotsen erwogen werden. Bunkeröle dürften auch bei neueren Schiffen nicht im Doppelboden gelagert werden.

Wenzel hat Recht. Er muss sich aber auch die Frage stellen lassen, warum solche Forderungen nicht schon längst umgesetzt worden sind. Bund und Küstenländer sind in der Pflicht. Sie müssen Druck aufbauen und die Staaten der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) einbinden. Denn sie haben mitzureden, wenn es darum geht, Sicherheitsvorschriften für Schiffe in deutschen Hoheitsgewässern zu verschärfen und die Ausbildung von Besatzungen zu verbessern.

Seit dem Unglück der „Pallas“ im Jahre 1998, bei dem mehrere Hundert Tonnen Öl vor der schleswig-holsteinischen Küste austraten, sind die Risiken bekannt. Die Verkehrssicherheit auf See gehört insgesamt auf den Prüfstand – zumal das Gefahrenpotenzial an der Küste steigt. Denn der Ausbau der Seewindparks schreitet voran und gleichzeitig werden die Schiffe, die Hamburg und Wilhelmshaven anlaufen, immer größer.

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