Bürgermeister Erwin Jark kennt die Lage der Gesundheitsversorgung von Hechthausen und beurteilt diese als zufriedenstellend. Foto: Friso Gentsch
Kein Grund zur Panik

Wie die Hechthausener die Gesundheitsversorgung in ihrem Ort beurteilen

von Herwig V. Witthohn | 13.07.2022

HECHTHAUSEN. Wie ist es um die Gesundheitsversorgung in Hechthausen bestellt. Bürger und Bürgermeister geben Antworten.

Kürzlich berichtete die NEZ-Redaktion über die Ergebnisse der Umfrage zum Thema "Gesundheitsversorgung" in Hechthausen. Zurzeit liegt die Durchschnittsnote bei 2,8.

Der Bürgermeister von Hechthausen, Erwin Jark, schildert die aktuelle Lage. "Wir haben aktuell eine Arztpraxis, in der zwei Allgemeinmediziner arbeiten. Dazu kommen eine Zahnärztin und eine Apotheke. Wir bemühen uns um eine weitere Arztpraxis, doch das Vorhaben wird schwer umzusetzen sein. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht die Region Hemmoor, in der wir uns befinden, gut aufgestellt. Umso erfreulicher, dass in der Praxis der Allgemeinmediziner ein junger Arzt tätig ist, der für die Zukunft steht. Und auch die Apotheke wird, soweit ich weiß, weiter zur Verfügung stehen. Insofern kann ich den Trend der Umfrage nur bestätigen."

Und wie sieht die Kassenärztliche Vereinigung den aktuellen Stand der Gesundheitsversorgung in Hechthausen?

Für die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) gilt eine gesetzliche Grundlage für die Verteilung von Ärzten und Psychotherapeuten- die sogenannte Bedarfsplanung. Die neue Bedarfsplanung ist am 17. Februar 2020 in Kraft getreten.

Ärzte oder Psychotherapeuten, die gesetzlich versicherte Patienten ambulant behandeln möchten, benötigen einen Kassenarztsitz. Wie viele es davon in einer Region gibt, regelt die so genannte Bedarfsplanung. Liegt der Versorgungsgrad einer ärztlichen Fachrichtung in einem Zulassungsbezirk unter 110 Prozent, können sich in der Regel dort weitere Ärzte einer Fachrichtung niederlassen. Wie viel Niederlassungen möglich sind hängt vom Versorgungsgrad ab. Der Versorgungsgrad berechnet sich aus der Einwohnerzahl in einer Region und der jeweiligen Anzahl von Ärzten einer Fachgruppe. Zur Berechnung liegt immer eine Verhältniszahl zugrunde (z. B. 1 Hausarzt soll 1.609 Einwohner versorgen, 1 Augenarzt 12.460 Einwohner etc.). Die Verhältniszahlen können in den einzelnen Bereichen leicht variieren. Je niedriger der Versorgungsgrad, umso mehr Ärzte der Fachrichtung können sich dort niederlassen. Oder anders ausgedrückt. Versorgungsgrade unter 100 % zeigen einen Bedarf auf.

Sicherheitsauftrag erfüllen

Ein Planungsbereich gilt als überversorgt und damit für zusätzliche Arztsitze gesperrt, wenn die Arztdichte einer Fachgruppe einen Wert über 110 Prozent übersteigt. Es gilt ein Zulassungsstopp. Ärzte und Psychotherapeuten können sich dort nur dann neu niederlassen oder anstellen lassen, wenn ein anderer Arzt oder Psychotherapeut seine Zulassung zurückgibt und damit ein Kassenarztsitz in der Fachgruppe frei wird. Sinkt der Versorgungsgrad bei Hausärzten unter 75 % und bei Fachärzten unter 50 % spricht man von Unterversorgung. Dann muss die KVN dort einen Arzt etablieren, da sie den Sicherstellungsauftrag hat.

Die KVN darf also nicht einzelne Orte oder Gemeinden betrachten, sondern für die hausärztliche Versorgung sogenannte Mittelbereiche. Für Fachärzte ist sogar der gesamte Landkreis maßgeblich.

Für die hausärztliche Versorgung gibt es den Mittelbereich Hemmoor mit den Gemeinden Armstorf, Belum, Bülkau, Cadenberge, Hechthausen, Hemmoor, Stadt, Hollnseth, Lamstedt, Mittelstenahe, Neuhaus (Oste), Flecken, Oberndorf, Osten, Stinstedt und Wingst.

Versorgungsgrad bei 116,2 %

Im Mittelbereich Hemmoor leben aktuell 31.676 Bürgerinnen und Bürger. Ein Hausarzt soll 1.600 Menschen (Verhältniszahl) versorgen. 23 Hausärzte sind niedergelassen. Der Versorgungsgrad liegt bei 116,2 Prozent. Der Mittelbereich ist für weitere hausärztliche Niederlassungen gesperrt.

"Für den fachärztlichen Versorgungsbereich ist der Landkreis Cuxhaven maßgeblich. Der Versorgungsgrad liegt bei den meisten Fachgruppen über 110 Prozent. Lediglich für folgende Fachgruppen gibt es noch Niederlassungsmöglichkeiten: einen Hautarzt, 2,5 Kinder- und Jugendärzte sowie zwei ärztliche Psychotherapeuten. Insgesamt ist die ärztliche Versorgung in Hemmoor gut", urteilt die KVN.

Mehr zum Thema

Alle Beiträge der Ortskern-Kampagne mit dem Cuxhavener Stadtteil Groden und dem Ort Hechthausen finden Sie hier. Dort können Sie auch an einer Umfrage zu den beiden Orten teilnehmen.

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Herwig V. Witthohn

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

hwitthohn@no-spamcuxonline.de

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