Ostechronik

Geversdorf: Der Letzte schließt das Rathaus ab

16.09.2016

GEVERSDORF. In der kleinen Ostegemeinde Geversdorf hatten Tradition, Vereinsleben, Hilfsbereitschaft und Zusammengehörigkeit stets einen hohen Stellenwert. Von Siegfried Mätzig

Weithin bekannt war der Ort vor allem durch die „Ostehalle“, die mit einer beispielhaften Gemeinschaftsleistung seitens der Dorfbewohner von 1971 (Baubeginn) bis 1973 (Einweihung) erstellt wurde.

Zur damaligen Zeit war es eine einzigartige Halle, die unzählige Veranstaltungen in den Ort zog und nicht nur den örtlichen Vereinen die Möglichkeit für Großveranstaltungen eröffnete. Von Billy Mo bis Gerhard Schröder – unzählige Musik- und Politgrößen gaben in der Ostehalle ihre Visitenkarte ab und machten den kleinen Ort weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt.

Aber gerade die Halle machte den Geversdorfer Kommunalpolitikern die Arbeit zusehends schwerer. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer flossen von Jahr zu Jahr spärlicher, da ein Geschäft nach dem anderen verschwand. Als in zahlreichen Orten auch noch die Dorfgemeinschaftshäuser entstanden, verlor die Ostehalle mehr und mehr ihre Funktion als Veranstaltungsort. Was blieb waren hohe Unterhaltskosten für eine Halle, die mittlerweile auch gastronomisch kaum noch genutzt wird. Lediglich im sportlichen Bereich ist die Auslastung zufriedenstellend. „Wir waren finanziell nicht mal mehr in der Lage, ein bereits vorgesehenes Gelände als Baugebiet auszuweisen – so konnte es nicht weitergehen“, erklärt Bürgermeister Walter Peterson (SPD). Dass der 58-jährige Elektroinstallateur in seiner zweiten Amtsperiode als Bürgermeister (erste von 2001 bis 2006) an der Spitze eines Gemeinderates steht, der seinen Heimatort quasi „verkauft“ und als eigenständige Gemeinde aus den Geschichtsbüchern tilgt, hätte er sich beim Amtsantritt 2011 auch nicht träumen lassen.

Über 2000 Hektar Fläche

Aufgrund der finanziellen Misere entschloss sich der neunköpfige Geversdorfer Gemeinderat jedoch einstimmig, den Ort aus der Rolle des Bettelmanns zu erlösen und lotete dafür verschiedene Möglichkeiten aus. Das Ergebnis war letztendlich eine Übernahme durch die Nachbargemeinde Cadenberge, wo Geversdorf ab Januar 2017 ein Ortsteil ist. Für die Cadenberger eine durchaus lukrative Sache. Nicht nur die Liegenschaften der Gemeinde Geversdorf, wie die Ostehalle, das Rat- und Galeriehaus mit einem wahren „Museumsschatz“ wechseln den Besitzer, sondern auch das Gemeindegebiet vergrößert sich um stolze 2163 Hektar.

Einst stolze Ostegemeinde

Mit der Wahl am 11. September 2016 geht die lange Geschichte der einst stolzen eigenständigen Ostegemeinde endgültig zu Ende. Die erste urkundliche Erwähnung fand sie bereits 1146 als „Geverstorpe“. Als Gemeinde in der jetzigen Form existiert der Ort seit der Einführung der Landgemeindeordnung im Jahr 1852. Erster Bürgermeister war von 1852 bis 1865 der Kaufmann Carsten Ferdinand Meyer.

Vom letzten neunköpfigen Geversdorfer Gemeinderat kandidierten noch sechs Mitglieder für den Cadenberger Rat, von denen letztlich vier gewählt wurden. Walter Peterson, Karsten Lehmann und Andreas Bienge wollten außerdem den Sprung in den Samtgemeinderat schaffen, was allerdings nur Karsten Lehmann gelang. „Um die Interessen des Ortsteils Geversdorf gut vertreten zu können, ist es wichtig, dass wir möglichst stark im Rat vertreten sind“, erklärt Bürgermeister Peterson, dessen Amtszeit noch bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Rates läuft.

„Wir hoffen, dass die Geversdorfer Bürger uns den Verlust ihrer eigenständigen Heimatgemeinde nicht zu heftig ankreiden. Wir haben es uns wahrlich nicht leicht gemacht, sahen aber letztendlich keine Alternative für diesen Schritt“, rechtfertigt Peterson das – nicht überall auf Gegenliebe treffende – Vorgehen des letzten Geversdorfer Gemeinderates.

Dass gleichzeitig auch die Samtgemeinde Am Dobrock von der Landkarte verschwunden ist, unterstreicht nur eindrucksvoll die massiven finanziellen Probleme in der strukturschwachen Region an der Oste.

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