Hans-Jürgen Hartmann: ..überall auf der Welt erreichbar

05.01.2006

Ein freier Nachmittag ist für Hans-Jürgen Hartmann eher selten. Um es mit seinen Worten zu sagen: ,Purer Luxus..." Der 56-jährige Unternehmer aus Cadenberge ist immer auf dem Quivive. Entwickelt, beobachtet, beurteilt und handelt.Wenn er allerdings auf seinem weitläufigen Anwesen am Rande seiner Heimatgemeinde Cadenberge zum Rundgang einlädt, dann ist Hans-Jürgen Hartmann ein stolzer Hausherr, eben einer, der für seine Familie ein Refugium aus Entspannung und herzlichem Familienleben geschaffen hat. Mit Holschen an den Füßen, Händen in den Taschen und einer großen Portion Charme erzählt er mit hanseatischem Slang, dass seine Frau Brigitte nun schon zum zweiten Mal rund ums Reetdachhaus ein Meer von Laub zusammengefegt hat. Die sportliche Blondine mit blaukarierter Schürze und Reisigbesen ausgestattet ist zweifelsohne der Aktivposten auf dem Hofgelände und doch der ruhende Pol. Ein genügsames Haflingerpony muss sie noch in den warmen Stall bringen und eine quirlige Ziege folgt auf dem Fuße. ,Wenn's nach meiner Frau geht, dann wären hier noch mehr Tiere", schmunzelt Hans-Jürgen Hartmann. Und das seine Brigitte tierlieb ist und naturverbunden, davon können sich die Gäste des Hauses Hartmann schnell überzeugen. Eine einfallsreich gestaltete Herbstlandschaft in der Küche, ein origineller Birkenstuhl in der Diele oder der mit Kastanien und Blättern hübsch eingedeckte Kaffeetisch sind ihr Werk. Ihr Faible für originelle Dekorationen der Jahreszeit entsprechend, lösen allseits Erstaunen ob der Phantasie aus. Brigitte Hartmann kommentiert die Neckereien ihres Mannes selbstbewusst: ,Das ist eben meine Art der Kreativität..." Seit mehr als drei Jahrzehnten kennen sich die gebürtige Wingsterin und der Cadenberger. Auf dem Schützenfest in Cadenberge funkte es zwischen den Beiden und seit dieser Zeit sind sie unzertrennlich. Während Brigitte Hartmann sich um die gemeinsamen Kinder Petra, heute 28 Jahre alt und selbst Mutter von Lukas (7 Monate) und Sohn Moritz - heute 13 Jahre alt - kümmerte und ihrem Mann ,den Rücken frei hielt", zog es den gelernten Einzelhandelskaufmann Hans-Jürgen Hartmann in die weite Welt. Zunächst aber ,nur" nach Schleswig-Holstein zur Bundeswehr, dann allerdings packte ihn Fernweh. ,Ich wollte unbedingt nach Amerika auswandern. Daraus wurde nix, ich hatte keinen technischen Beruf und die wollten mich nicht haben..." Pech für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Glück für diese Region. Hans-Jürgen Hartmann blieb, machte Station bei ,Cux-Beton", holte auf dem zweiten Bildungsweg sein Betriebswirtschaftsstudium in Bremen nach und gründete vor 25 Jahren das Elbe-Weser-Handelskontor - kurz EWH genannt. ,Ich hatte damals nichts, aber immerhin das erste Autotelefon und damit war ich mobil", freut sich Hans-Jürgen Hartmann. ,Das kostete damals schon 11 000 Mark", fügt Brigitte Hartmann schnell hinzu. Aber die Investition sollte sich lohnen. Ein reger Handel mit Baustoffen, Kies und Steinen begann. ,Schrotthaufen gekauft..." Redegewandt, rührig, zurückhaltend und zuvorkommend ist der Selfmademan, dessen Erfolgsgeschichte mit dem Elbe-Weser-Handels-Kontor (heute die Holding) begann und der mit der Gründung der Firma ,Mibau" (für das operative Geschäft) gleich nach der deutsch-deutschen Grenzöffnung zu einem der größten Händler mit ,Mineralien für die Bauindustrie" aufgestiegen ist. Hans-Jürgen Hartmann ist an Steinbrüchen beteiligt, hat Saugrechte für Kies in der Ostsee und ist auch Reeder. Seine beiden Schiffe ,Seekies" und ,Baltic Kies" fördern mittels eines speziellen Systems Kies vom Meeresgrund. Spontan erzählt der Cadenberger die Geschichte um die Baltic Kies, die beim Kauf in keinem guten Zustand war. Aber der vormalige Eigner hatte zehnjährige Saugrechte in dänischen Gewässern vereinbart und damit passte das Schiff gut in das Hartmann'sche Konzept. Für 3,5 Millionen Mark hatte er nämlich einen ,Schrotthaufen" gekauft, gesteht der gewiefte Geschäftsmann. ,Nach schweren Verhandlungen mit einer Hamburger Bank musste ich erst einmal einen Cognac am Ballindamm trinken", erschreckt sich Hartmann noch heute ob soviel Risikofreude. Aber ganz nach dem Albert-Ballin-Motto ,Mein Feld ist die Welt" ging auch der Cadenberger an neue Herausforderungen. Das Schiff hat sich längst amortisiert und es sind weitere Spezialschiffe hinzugekommen. Allein drei hat er bei der Sietas-Werft bauen lassen, da ist Hartmann bodenständig. ,Wertarbeit" nennt er die in Deutschland gebauten schwimmenden Goldgruben und Arbeitsplatzsicherung in der Region. Sechs selbstlöschende Massengutfrachter transportieren an 36 Anlandeplätzen in Nordeuropa Kies, Steine und alles, was an Baustoffen benötigt wird. Ob nun die Befestigungen an den Steilküsten von Brigthon oder am Nord-Ost-See-Kanal, selbst beim Wiederaufbau des Hafens in Basra war Hartmannscher Einsatz von der UNO gefragt. Die so genannten Förderbandschiffe haben nämlich in ihrer Größe keine Konkurrenz. Hans-Jürgen Hartmann setzt mit seinen Unternehmen mittlerweile mehr als 150 Millionen Euro um, 350 Menschen stehen bei ihm in Lohn und Brot. Da sitzt der Unternehmer mit Visionen und Weitblick nun am fein gedeckten Kaffeetisch im schönen Cadenberger Eigenheim und denkt schon wieder über ein neues Projekt nach. Dieses Mal geht es um ,das achte Weltwunder". ,Kein Scherz", lacht Hartmann. Dabei handelt es sich um die Palmeninsel von Dubai, ein künstliches Eiland, das aus Gestein und Meeressand aufgeschüttet wird. Kronprinz Mohammed Bin Rashid Al Maktoum will sich mit dem exklusivsten Freizeit- und Ferienzentrum der Welt einen neuen Wirtschaftsszweig sichern. Mit dabei sind holländische Wasserbauer, die wiederum setzen auf Hans-Jürgen Hartmann. Deshalb fliegt der Hadler demnächst nach Dubai und hofft auf eine gedeihliche Zusammenarbeit. Ruhelos und reiselustig... Reisen gehört für ihn nicht nur zum Geschäft, auch privat ist der leidenschaftliche Segler auf den Meeren und in der Luft unterwegs. Pyramiden-Erkundung in Ägypten mit der Familie, Karibik mit der eigenen Segelyacht und Freunden an Bord oder demnächst mit seiner Skatspieler-Gruppe in Richtung Australien startend, das Fernweh seit Jugendtagen ist geblieben, ebenso wie über den eigenen Horizont blicken und dabei Traumwelten genießen... Die andere Welt ist heimatverbunden, denn Hartmann investiert derzeit kräftig in das neue Wohn- und Geschäftshaus ,MarC 5" am Cadenberger Rathausmarkt. Mit Bowling und Bürgersaal soll dort das Zentrum der Gemeinde belebt werden. ,Wir müssen auch für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region gerüstet sein, damit wir hier nicht zum Randgebiet verkümmern", konstatiert er nachdenklich. Und dann ist Hartmann wieder ganz der geschäftstüchtige Unternehmer, der sich für die Region vor allem eine Autobahn über die Elbe wünscht. Klar, per Autotelefon begann schließlich die Karriere des Sohnes eines Eisenbahners, der ohne Mobilität und Handy (,Eine tolle Erfindung, denn dann bin ich überall auf der Welt erreichbar...") nicht auskommen mag. Zwar ist Klaus-Jürgen Hartmann wirtschaftlich abgehoben, menschlich aber hat er die Erdung nicht verloren. Und dabei, so versichert er augenzwinkernd, setzt er immer noch auf die eigene Kraft...

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