Bei der Hessenwahl lagen die Dinge so klar, dass es für die Cuxhavener Vertreter von Rot und Grün nichts kleinzureden beziehungsweise zu beschönigen gibt. Foto: Von Erichsen
Kommentar zur Hessenwahl

Hessenwahl wirkt im Cuxland nach

von Kai Koppe | 01.11.2018

Jubel auf der einen, Katerstimmung auf der anderen Seite: Grüne und SPD kommentrieren das Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag.

Elke Roskosch-Buntemeyer vom (Vorstand der Cuxhavener Grünen) spricht von einem "ganz, ganz tollen Ergebnis" und bezieht sich dabei nicht allein auf den Erfolg des hessischen Landesverbands, der das Resultat noch am Wahlsonntag als "historisch" feierte: Roskosch-Buntemeyer erwähnt auch den Triumph der bayerischen Grünen-Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, die dafür gesorgt haben, dass sich Bündnis 90 im Freistaat als zweitstärkste politische Kraft in Stellung bringt. Durchaus ein persönlicher Verdienst des Duos, meint auch die Cuxhavener Grüne: "Der Wahlkampf ist dort einfach super geführt worden."

Erst Bayern und jetzt Hessen: Aus dem in anderen Medien als "Höhenflug" beschriebenen Erfolg der Grünen leitet sich aus Sicht von Roskosch-Buntemeyer auch ein gestiegenes Maß an Verantwortung ab: "Man ist keine Nischenpartei mehr" - damit wachse auch der Erwartungsdruck, der bundesweit auf den Mandatsträgern von Bündnis 90 laste.

Für den Cuxhavener SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Santjer ist das Debakel, das die auf weniger als 20 Prozentpunkte abgerutschten Genossen in Hessen erlebt haben, zweifellos das Ergebnis der Unzufriedenheit vieler Wähler mit den Regierenden in Berlin. "Mit Inhalten hat das nichts zu tun", ist sich Santjer sicher. Vielmehr habe die Koalition nun erneut eine Quittung für den auf Bundesebene gepflegten Umgang erhalten. "Das Miteinander muss man klären", betont der SPD-Politiker, der es für wichtig hält, dass die schwarz-rote Bundesregierung in Zukunft mit einer Stimme spricht und gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern im Land wieder das Gefühl von Verlässlichkeit schafft.

"Da muss man sich eben auch mal zusammenreißen und nach vorne blicken", fasst der Vorsitzende des Cuxhavener SPD-Ortsvereins, Oliver Ebken, zusammen. Die Stimmung an der sozialdemokratischen Basis beschrieb er im Gespräch mit unserer Zeitung als "gemischt": Unter den Parteimitgliedern gebe es einige, denen das Verständnis für die Vorgänge um den nach wie vor im Amt befindlichen Verfassungsschutzpräsidenten Maaßen abhandengekommen sei.

Genau wie seine Parteikollegen könnten aber auch die Wählerinnen sehr wohl zwischen einer soliden Politik vor Ort und den Eskapaden in der Hauptstadt differenzieren - das Problem, so räumt Ebken ein, sei allerdings, dass die Leute in dem Wunsch, "denen da oben" einen Denkzettel zu verpassen, meistens die Falschen träfen. Wenn es gelinge, die Lage im Bund zu beruhigen, "dann kommen die Menschen wieder", versichert Ebken, nach dessen Worten "berlinbedingte" Austritte auf lokaler Ebene an einer Hand abzuzählen seien und die Zahl der SPD-Parteibücher, die er auch in diesem Jahr ausgegeben habe, deutlich unterschreite. "Wir haben gar keinen Anlass dazu, uns wegzuducken", ergänzt der Landtagsabgeordnete Santjer (r.). Es gelte jetzt vielmehr, den Rücken gerade zu machen: Nach seiner Überzeugung wird die Sozialdemokratie ungeachtet der jüngsten Landtagswahl-Schlappen wieder an Fahrt gewinnen: "Weil die Menschen wissen, dass Deutschland die SPD braucht!"

Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kkoppe@no-spamcuxonline.de

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