Information nicht weitergegeben

27.06.2018

Genau hinschauen bei radikalem Hintergrund. Ein Kommentar von Wiebke Kramp

Die kleine Dorfschule ist plötzlich und ohne eigenes Zutun in den Fokus medialer Aufmerksamkeit geraten. Weil Informationen nicht geflossen sind – ausgerechnet bei einem so hochsensiblem Thema. Ohne Frauen ist der heutige Rechtsradikalismus nicht denkbar. Die moderne deutsche Neonazi-Szene wird als dynamisch, vernetzt, vielfältig und einflussreich bezeichnet – und Frauen sind darin längst nicht nur stille Mitläuferinnen, sondern höchst aktiv. Es hat Methode, dass von Frauen aus rechtsextremen Kreisen versucht wird, sich gesellschaftlich einzumischen, indem sie Berufe wie Erzieherin, Therapeutin, Juristin und eben auch Lehrerin ergreifen. Auch wenn klar die Unschuldsvermutung gilt und eine Sippenhaft glücklicherweise seit 1945 in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr existiert, so sollte doch prinzipiell genau hingeschaut werden, welche Motivation Menschen leitet, einen Beruf zu ergreifen, der mit Kindererziehung und Wissensvermittlung zu tun hat. Und dazu gehört eben sehr wohl auch das persönliche Umfeld. Wer da einen, nennen wir es mal, politisch problematischen Hintergrund hat, weil – wie im Wingster Fall – Eltern und Geschwister ganz offensichtlich zur völkischen Bewegung zählen, und sich nicht davon distanziert, muss genauer beobachtet werden. Sind lernende Kinder im Spiel, darf eine Indoktrination von radikaler Seite niemals möglich sein und der Boden der Demokratie nicht wegrutschen. Insofern fehlt mir das Verständnis für den zuständigen Fachbereich der Bremer Universität. Er hat diese Studentin als Praktikantin in die Provinz geschickt, ohne der Schule, Schulbehörde oder dem Studienseminar zumindest ein informelles Signal zu geben. Zum Glück haben die Kinder in der Wingst nachweislich keinen Schaden davongetragen. Aber die Uni hat sich selbst ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Ungenügend, setzen, sechs!

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