Der Jugendtreff des Paritätischen in Hemmoor, auch JuZ genannt, was für Jugendzentrum steht, mit Jugendpfleger Oliver Wachtel (r.) und Manja Fritzsche (2.v.r.), Ratsbeauftragte der Stadt Hemmoor für Kinder- und Jugendbeteiligung, und der Familie Galiano Velasco aus Angola. Foto: Monsees
Gesellschaft

Integration- (k)ein neues Feld in Hemmoor

03.11.2018

HEMMOOR. "Flüchtlinge waren schon vor 20 Jahren das aktuelle Thema. Die Geschichte wiederholt sich nicht, es setzen sich nur Entwicklungen fort, die es immer schon gegeben hat", meint Manja Fritzsche.

Sie ist Ratsbeauftragte für Kinder- und Jugendbeteiligung der Stadt Hemmoor. Im Jugendzentrum (JuZ) werden Kinder und Jugendliche, egal welcher Herkunft, an kulturelle Grundlagen herangeführt.

"Wir bieten dabei Hilfe zur Selbsthilfe", betont Manja Fritzsche. Einen Rahmen für Integration überhaupt zu schaffen, bedeute für sie, nicht nur Fragen der rechtlichen Gleichbehandlung anzugehen oder den Abbau von Diskriminierung voranzubringen. Vor allem wollten sie und ihr Kollege Jugendpfleger Oliver Wachtel gegenseitige Akzeptanz und Anerkennung fördern und unterstützen.

"Hier hilft man sich, hier tauscht man sich aus, hier wird auch gemeinsam gekocht", so Fritzsche. Die Jugendtreffs des Paritätischen, wie hier in Hemmoor, sind Anlaufpunkt, für einheimische Kinder und Jugendliche, junge Flüchtlinge, die schon zehn, 15 Jahre hier sind, und neu zugewanderte begleitete Flüchtlingskinder. "Und da gibt es eben den Unterschied", meint Fritzsche. "Flüchtlinge, die etwa vor 15, 20 Jahren nach Deutschland kamen, sind als Parallelgesellschaft mitgelaufen. Sie waren im Großen und Ganzen auf sich gestellt, wenn es darum ging, sich in dem fremden Land zurechtzufinden", verdeutlicht die Ratsbeauftragte. Heute laufe das zwar anders, doch die Debatten der Vergangenheit seien immer noch die Integrationsdebatten der Gegenwart.

Manja Fritzsche betont, "es ist nur gerecht, wenn wir auch die damals nicht begleiteten Flüchtlinge, die vor etwa 15 Jahren hier angekommen sind, heute dort abholen, wo sie gerade stehen, um ihnen den Zugang zu kultureller Bildung nicht nur ermöglichen, sondern sie dabei auch begleiten."

Eine, die gerade so richtig ihre Chancen nutzt, ist Claudia Velasco Galiano. Die 17-Jährige aus Afrika gibt im Jugendtreff ehrenamtlich Zeichenunterricht. Das sei eines der Talente der ausdrucksstarken Performerin, wie Manja Fritzsche ihren Schützling gerne nennt. Und Claudia verstehe es zudem, trotz ihrer besonnenen und ruhigen Art, die Menschen zu begeistern und mitzunehmen, fügt sie an. Die heute 17-jährige junge Frau kam mit ihrer Familie aus ihrer Heimat Angola nach Deutschland. Das war vor 16 Jahren. Claudia sagt, sie weiß, wie schwer es noch heute für die Eltern ist, die deutsche Sprache zu sprechen.

Claudia hat auch die Zeichnung auf dem Flyer zum Musiktheaterprojekt mit dem Titel "Tamieh andersrum ist Heimat" entworfen (unsere Zeitung berichtete). Das Projekt richtet sich an junge Leute aus verschiedenen Ländern. Auch Claudia wird dabei sein. Sie will singen, tanzen und ihre Bühnenpräsenz zum Ausdruck bringen, wie sie sagt. "Etwa 20 junge Leute haben sich bisher angemeldet", freut sich die Ratsbeauftragte.

"Vielleicht werden es ja noch mehr." Musik sei ein gutes Medium, um miteinander in Kontakt zu kommen. Gerade auch mit geflüchteten Menschen", so Fritzsche. Lieder über Heimat, Sehnsucht, Liebe und Aufbruch gibt es in Deutschland genauso wie in Afrika, Syrien, Afghanistan oder dem Iran. Die Regisseurin Juliane Lenssen und Schauspielerin Petra Jaeschke wollen daraus mit Geflüchteten in Kooperation mit der Musikschule an der Oste Brücken bauen, Vorurteile abbauen und die Menschen zusammenbringen. Das Programm setzt sich aus Liedern in verschiedenen Sprachen und kleinen Theaterszenen zusammen.

Projekt "Tamieh"

Tamieh andersrum geschrieben, bedeutet Heimat: Das Musikprojekt für junge Leute aus verschiedenen Ländern startet am Sonnabend, 3. November. Die Teilnehmer treffen sich um zehn Uhr in der Musikschule an der Oste, Bahnhofstraße 36, in Hemmoor. Weitere Termine sind: Sonnabend, 17. November, Sonntag, 18. November.

Wer noch Informationen benötigt oder mitmachen möchte, setzt sich mit Manja Fritzsche, Ratsbeauftragte für Kinder- und Jugendbeteiligung der Stadt Hemmoor in Verbindung, unter der Telefonnummer (0 47 71) 68 89 70 11 oder mobil (01 51) 57 94 69 20

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