Beim Thema zur Elbvertiefung ist noch kein Ende in Sicht. Foto: Brandt
Kommentar zur Elbvertiefung

Ja, schon wieder Elbvertiefung...

von Ulrich Rohde | 19.10.2018

Eigentlich möchte man das Wort "Elbvertiefung" schon gar nicht mehr hören oder lesen. 

Es hängt einem derart zum Hals heraus nach all den Jahren, die zwar nicht sinnlos vergeudet sind, aber leider auch keinerlei Zuwachs an Vernunft gebracht zu haben scheinen.

Doch es gibt auch Leute wie Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, der seine Hamburger Genossen nach wie vor von den Vorzügen einer Seehafenkooperation überzeugen möchte, obgleich auch er weiß, dass derzeit das Interesse daran ungefähr so groß ist wie an der Austragung der olympischen Winterspiele an der Alster.

Dann gibt es Menschen wie den Cuxhavener Ingenieur Jürgen Grzeskowiak, der sich ohne jegliches Eigeninteresse hingesetzt und darüber gebrütet hat, wie die gigantischen Kosten für das Ausbaggern des geplagten Flusses deutlich gesenkt werden könnten. Das würde zwar nicht die ökologische Frage des verheerenden Eingriffs in den Naturhaushalt lösen, aber der Pensionär tut das, wofür eigentlich Experten beim Bund und in Hamburg stattlich bezahlt werden, nämlich sich Gedanken darüber zu machen, wie das Problem der Fluss- und Hafenbaggerei mit möglichst geringem finanziellen Aufwand bewerkstelligt werden könnte. Die Reaktion der Hamburg Port Authority auf seine ernsthaften Vorschläge hat Grzeskowiak als "abwertend" empfunden. Bei der Hafenbehörde hat man durchaus ein Händchen für die Arroganz der Ignoranz.

Dann haben wir die Bürgerinitiative "Rettet das Cux-Watt", engagierte Laien, die sich tief in die Problematik der Verschlickung des Wattenmeers hineingefuchst haben. Die "Cux-Watt"-Leute sind der Überzeugung, dass die Verklappung von bis zu 10 Millionen Kubikmeter Baggerschlick jährlich am Neuen Lüchtergrund und bei Neuwerk/Scharhörn Ursache für die Verschlickung ist - und sie können dafür auch überzeugende Belege liefern. Immerhin soll jetzt eine weitere wissenschaftliche Untersuchung der zunehmenden Wattverschlickung auf den Grund gehen, wie der Landtagsabgeordnete Uwe Santjer (SPD) angekündigt hat.

An dieser Stelle gar nicht zu reden vom jahrelangen Widerstand der Bürgerinitiativen, Umweltverbände, Berufsgruppen und Kommunen gegen die Elbvertiefung. Aber am Ende bleibt doch das ungute Gefühl, dass es - außer die genannten Personen - kaum noch jemanden schert, was da gerade passiert, am wenigsten jene, die sich hauptberuflich damit beschäftigen und nur allzu genau wissen müssten, welche Folgen das alles hat.

Wie sagte die angesehene Hamburger Deichschützerin Dr. Gabriele Gönnert erst kürzlich während eines Symposiums zum Klimawandel: "Der Fluss ist schon so oft vertieft worden, da kommt es auf einmal mehr auch nicht mehr an."

Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

urohde@no-spamcuxonline.de

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