Jagd auf Nutria und Nilgans

04.05.2010

KREIS CUXHAVEN. Deutschland ist Einwanderungsland. Auch für Tierarten, die ursprünglich aus fernen Ländern stammen. Längst fühlen sich der aus Nordamerika kommende Waschbär oder der sibirische Marderhund in dieser Region heimisch -und weitere tierische Neubürger wie Nutria und Nilgans sind auf dem Vormarsch.

Ihnen gemeinsam ist das Fehlen natürlicher Feinde, sodass die Selbstregulierungskräfte der Natur nicht greifen. Mit Besorgnis blickt Ulrich Gerdes, Geschäftsführer des Ostedeich- sowie Unterhaltungsverbandes, beispielsweise auf die Verbreitung von Nutrias: "Das ist ein Problem, das auf uns zukommt", ist sich der Verbandsingenieur sicher. Bis ins Hohe Moor in Oldendorf ist dieses auch als Sumpf- oder Biberratte bezeichnete Nagetier nämlich bereits vorgedrungen, und in der Wesermarsch hat es sogar die Küste schon erreicht. Es sei also nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Nutrias auch an der unteren Oste und Elbe aufkreuzen und sich ansiedeln.

Für Wasserbauer bedeutet dieses Tier das Gegenteil von Pläsier. Gerdes weiß: "Die richten sogar mehr Schäden am Deich an als Bisamratten. Nutrias buddeln am Ufer Bauten, so groß wie die des Fuchses."

Ursprüngliche Heimat der an Flüssen, Seen, Teichen und in Sümpfen lebenden Biberratte (Myocastor coypus) ist eigentlich Südamerika. Dort kam sie vom südlichen Brasilien bis nach Feuerland vor.

Der bis über einen halben Meter lange Nager war durch Bejagung ob seines begehrten Pelzes in seiner Heimat nahezu ausgestorben, ihm durfte daher seit 1920 nicht mehr nachgestellt werden. So entstanden in vielen Ländern Pelztierfarmen und die Sumpfbiber gelangten dadurch auch als Zuchttiere nach Deutschland. Durch entwischte oder frei gelassene Zuchttiere konnten sich in freier Wildbahn Populationen entwickeln. Mitterweile gibt es sie in jedem Bundesland.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen weiß um die Beeinträchtigungen durch Sumpfbiber. Dazu gehören Wühltätigkeit an Ufern und Böschungen, Störung der Vegetation, Schäden an ufernahen Gehölzen oder der Verzehr von Feldfrüchten. Wie auch andere Neubürger, fachlich Neozoen genannt, hat die Biberratte keine natürlichen Feinde. Um ein Überhandnehmen zu verhindern, kann eine Regulation also fast nur durch menschliche Einflussnahme geschehen. So gehören auch Nutrias aus Naturschutzgründen zum jagdbaren Wild. Noch findet sich in der Jägerschaft Land Hadeln-Cuxhaven zwar kein Sumpfbiber in der Jahresstatistik, aber auch ihr Vorsitzender Gerhard Klotz aus Hemmoor ist auf dem Quivive und geht ebenfalls von einem weiteren Vordringen in unsere Gefilde aus, wie er es bereits bei anderen Arten beobachtet hat. So fühlt sich mittlerweile die Nilgans im nördlichen Landkreis Cuxhaven ziemlich wohl und kommt flächendeckend vor. Klotz: "Sie ist sogar häufiger als die eigentlich hier beheimatete Graugans."

Die Nilgans (Alopochen aegyptiacus) wird den Halbgänsen zugerechnet. Sie ist afrikanischen Ursprungs und ist eigentlich an nahrungsreichen subtropischen Seen und Flüssen beheimatet. Im 18. Jahrhundert kam sie als Ziergeflügel nach Europa. Auch ihre Ausbreitung ging von ausgebüxten und schließlich verwilderten Tieren aus.

Zunehmend eroberte sich die Nilgans in den letzten Jahren in ganz Mitteleuropa Lebensräume. Auch Nilgänse dürfen gejagt werden, das ist aus Naturschutzgründen unstrittig. "Aus gutem Grund", weiß Gerhard Klotz, "denn dieses Tier ist alles andere als umgänglich".

Nilgänse sind für ihre rabiate Vorgehensweise anderen Tieren gegenüber berüchtigt, sie dulden keine anderen Entenvögel neben sich. Sie sind sogar Hausbesetzer. Sie beziehen Storchennester und werfen die Störche kurzerhand hinaus. "Als Jäger übernehmen wir hier Naturregulierung im Auftrag des öffentlichen Interesses", schildert Klotz die Notwendigkeit des Einschreitens durch die Jägerschaft zur Stärkung der heimischen Population.

Positiver Nebeneffekt: Nilgansbraten soll sehr lecker schmecken.

Von Wiebke Kramp

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