Gesellschaft

Janne ist Bufdi bei der Seemannsmission Cuxhaven

von Jara Tiedemann | 05.12.2018

ALTENBRUCH. Janne Emma Scholz macht ihren Bundesfreiwilligendienst bei der Seemannsmission Cuxhaven. "Kein Tag ist wie der andere", sagt die 18-Jährige aus Altenbruch.

Seit August 2018, kurz nach ihrem bestandenen Abitur am Gymnasium Otterndorf, verstärkt die 18-jährige Altenbrucherin das Team der Seemannsmission Cuxhaven und leistet dort ihren einjährigen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi). Vor allem eines hat sie bei ihrer Arbeit schnell gemerkt: Es sind die kleinen Dinge, die die Seeleute glücklich machen.

Mit einem strahlenden Lächeln öffnet Janne Emma die Tür. Dass sie so offen und herzlich auf fremde Menschen zugeht, habe sie ihrer Arbeit bei der Seemannsmission zu verdanken. "In der Stellenausschreibung hieß es, man solle kontaktfreudig sein und keine Scheu haben, neue Menschen kennenzulernen. Das musste ich erst lernen", verrät sie.

Fünf Tage die Woche geht Janne fast seit Tag 1 entweder allein oder zusammen mit Seemannsdiakon Martin Struwe beziehungsweise mit Religionspädagogin Sarah Herzog - den beiden hauptamtlichen Mitarbeitern der Seemannsmission -, an Bord der Schiffe, die gerade in Cuxhaven Halt machen.

Die Crews kommen aus Polen, Russland, der Ukraine, Türkei, von den Philippinen oder aus anderen Ländern. Kommunikation findet deswegen auf Englisch statt - sofern die Crew Englisch spricht. Im Zweifel kommen auch schon mal Hände und Füße zum Einsatz. "Die ersten zwei Wochen habe ich Sarah zu den Schiffsbesuchen begleitet und einfach nur zugeschaut, wie sie es macht, wie sie mit den Seeleuten ins Gespräch kommt. Da hatte ich anfangs eine Hemmschwelle."

Das änderte sich allerdings schnell. "Nach einem Monat war meine Scheu wie weggeblasen. Mittlerweile bin ich sehr viel offener. Und es macht mir richtig Spaß, auf die Leute zuzugehen und zu fragen, ob sie etwas brauchen", freut sie sich. "Das Bufdi ist toll, um herauszufinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen."

Schon am ersten Tag hatte die Altenbrucherin ihren ersten Schiffsbesuch. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, erfuhr sie auf einem Bufdi-Seminar in Bad Bederkesa, bei dem alle Bufdis der Seemannsmissionen im Norden zum Erfahrungsaustausch zusammenkamen. "Einige von ihnen hatten bis dato noch keinen Fuß auf ein Schiff gesetzt."

Janne Emma übernimmt alle Aufgaben, die auch in den Aufgabenbereich ihrer Kollegen Martin Struwe und Sarah Herzog fallen. "Das ist das Tolle daran, bei einer Seemannsmission mit kleinerem Team zu arbeiten. Jeder macht alles." Unterstützt werden die drei dabei von einigen ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Janne Emmas Aufgaben sind bunt gemischt. Langweilig wird es nie. Einmal die Woche leitet sie den Clubabend in der Seemannsmission, bei dem die Seeleute ein paar Stunden an Land genießen können. Weit weg vom Maschinenlärm und wankendem Boden. "Wenn sie wollen, hole ich sie mit dem Bus ab und fahre sie danach wieder zu ihrem Schiff."

Bei einer Runde Darts, Kicker, Karaoke oder auch einfach nur bei einem Bierchen können sie in gemütlicher Atmosphäre mal wieder Mensch sein - und eben nicht der Seemann, der rund um die Uhr funktionieren muss und ständig in Bereitschaft ist. "Wenn die Leute bei uns sind, versuche ich immer, ein offenes Ohr zu haben, zuzuhören, wenn jemand Sorgen hat, und Beistand zu leisten", erzählt Janne Emma.

Manchmal sei das aber auch gar nicht nötig. "Viele freuen sich auch, wenn sie bei uns mal in Ruhe mit ihrer Familie skypen können, ihre Kinder und Ehefrau sehen, zu denen sie häufig wochenlang keinen Kontakt hatten."

Ein Telefonat nach Hause, eine Handykarte, ein kurzer Landgang mit einem Abstecher zum Supermarkt, in dem man die Lieblingsschokolade kaufen kann - oder einfach nur ein nettes Gespräch. "Es sind die kleinen Dinge, die die Leute unglaublich glücklich machen", merkt Janne Emma immer wieder. "Ich liebe es, wenn die Seeleute sich freuen. Das ist das Schönste für mich."

An eine besondere Situation gleich zu Beginn erinnert sich die 18-Jährige noch besonders. Zwei Seeleute fragten Janne, ob sie sie zum Supermarkt fahren könne. Auch solche kleinen Ausflüge gehören zu ihren Aufgaben. "Also habe ich sie dort abgesetzt und im Auto gewartet. Aber sie kamen und kamen einfach nicht wieder, sodass ich mir schon langsam Sorgen machte", erinnert sie sich. Nach einer Weile kamen die beiden dann doch zurück. "Sie strahlten übers ganze Gesicht. Einer von ihnen zeigte mir voller Stolz ein Paar Schuhe, das er für sein Kind gekauft hatte. Er freute sich so wahnsinnig darüber. Das war einfach nur süß."

Ein besonderes Herzensprojekt für Janne Emma ist der kleine Garten der Seemannsmission. "Er ist für viele Seeleute ein Ort, der Ruhe schenkt. Manchmal sitzen sie einfach nur da, beobachten die Vögel und genießen die Natur. Denn genau das ist es ja, was ihnen auf See fehlt."

Umso mehr ist es nicht nur Janne, sondern dem gesamten Team der Seemannsmission ein großes Anliegen, den Garten wieder auf Vordermann zu bringen. "Der Teich hat ein Leck, die Bodenplatten müssen erneuert werden, die Beete sind schräg angelegt und neue Terrassenmöbel wären toll, damit wir noch mehr Leuten bei den Clubabenden einen Platz bieten können." Die Spenden der NEZ- und CN-Leserinnen und Leser können dabei helfen.

Aktuell ist Janne Emma allerdings mit dem Packen der Nikolaus-Tüten beschäftigt. Mit dem Team besucht sie dann am 6. Dezember alle Schiffe, die gerade in Cuxhaven liegen. Gleiches gilt für Heiligabend. "Ich freue mich schon sehr auf diese Erfahrung."

Ihr Bundesfreiwilligendienst endet im Juli 2019. Das ist zwar noch ein Weilchen hin, doch weil Martin Struwe weiß, wie schwer es ist, die Stelle jedes Jahr aufs Neue zu besetzen, sucht er schon jetzt eine Nachfolgerin beziehungsweise einen Nachfolger. Am 1. August soll der- oder diejenige beginnen. "Wenn sie keinen finden, könnte ich mir aber gut vorstellen, dass ich noch um ein halbes Jahr verlängere. Die Arbeit hier macht mir wirklich Spaß. Jeden Tag lernt man neue Leute und Kulturen kennen. Das ist wahnsinnig spannend."

Spendenkonto:

Bereits im vierten Jahr starten die Cuxhavener Nachrichten und die Niederelbe-Zeitung gemeinsam in der Adventszeit die Aktion "CN-/NEZ-Leser helfen"

In diesem Jahr sammeln wir Spenden für die Seemannsmission in Cuxhaven. Über die Adventszeit begleiten CN- und NEZ-Redakteure die Arbeit der Mission und berichten über deren großartiges Engagement.

Und so können unsere Leserinnen und Leser helfen: Sie können ab sofort Spenden auf das Konto mit der IBAN DE52 2415 0001 0027 1111 11 bei der Stadtsparkasse Cuxhaven BICBRLADE21CUX einzahlen. Vermerken Sie bitte als Stichwort "CN-NEZLeser helfen". › Spendenbescheinigungen stellt die Seemannsmission aus. Dafür geben Sie bitte Namen und Adresse auf dem Überweisungsträger an. Unser Redaktionssekretariat leitet die Information an die Seemannsmission weiter. › Die Namen der Spenderinnen und Spender werden in unseren Zeitungen veröffentlicht. Wer das nicht wünscht, vermerkt es auf der Überweisung.

Die Seemannsmission Cuxhaven hat bereits einen Plan, was sie mit dem Erlös aus der CN/NEZ-Weihnachtsaktion anstellen möchte. "Wir wollen den Garten am Haus der Seemannsmission komplett neu gestalten", erklärt Diakon Martin Struwe. Dafür sei die Mission auf Spenden angewiesen. Der Garten, der sich eher trist präsentiert, soll zu einer Oase für die Seeleute umgestaltet werden.

Jara Tiedemann

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jtiedemann@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Hochseeinsel

Erste Deutsche Inselkonferenz auf Helgoland

18.01.2019

HELGOLAND. Der Klimaschutz soll ein Schwerpunkt der ersten Deutschen Inselkonferenz am 25. April auf Helgoland werden.

Einzelhandel

Weiter verkaufsoffene Sonntage in Niedersachsen

17.01.2019

CUXHAVEN. Anders als Osnabrück halten andere niedersächsische Städte auch in diesem Jahr an den verkaufsoffenen Sonntagen fest. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Bildung

Rekord-Ausleihen im Bücherbus des Cuxlandes

17.01.2019

KREIS CUXHAVEN. Wieder einmal kann die Fahrbücherei des Landkreises Cuxhaven Rekordausleihen vermelden: 190 000 Medien wurden 2018 im Bücherbus ausgeliehen - davon rund neun Prozent elektronische Medien wie zum Beispiel E-Books.

DGzRS

Surfer leiht Seenotrettern sein Gesicht

von Kai Koppe | 17.01.2019

CUXHAVEN. Windsurf-Profi Bernd Flessner wird die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im laufenden Jahr als Botschafter vertreten. Bei einem Pressetermin an Bord des zuletzt auf Helgoland eingesetzten Rettungskreuzers "Harro Koebke" wurde der 16-fache deutsche Meister am Mittwoch als offizieller Repräsentant der Seenotretter vorgestellt.