Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleibt die Zahl der Befristungen von Arbeitsverträgen im Kreis Cuxhaven auf Rekordhöhe. Foto: Krämer/dpa
Beruf

Jede dritte Neueinstellung im Kreis Cuxhaven ist befristet

27.07.2019

KREIS CUXHAVEN. Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleibt die Zahl der Befristungen von Arbeitsverträgen im Kreis Cuxhaven auf Rekordhöhe.

Das ergibt eine Untersuchung des DGB mit Daten der Bundesagentur für Arbeit. Demnach war 2018 etwa jede dritte sozialversicherungspflichtige Neueinstellung im Kreisgebiet befristet. Besonders betroffen sind Arbeitsstellen im Bereich Ver- und Entsorgung sowie Erziehung und Unterricht, wo inzwischen 60 bis 65 Prozent aller neuen Arbeitsverträge befristet sind.

Dabei gibt es Gruppen, die überdurchschnittlich davon betroffen sind wie etwa Frauen, Beschäftigte unter 25 Jahren, ausländische Beschäftigte oder solche, die eine Tätigkeit im niedrig qualifizierten Bereich ausüben. "Aber der hohe Anteil bei älteren Beschäftigten sowie bei solchen mit einer Experten-Ausbildung zeigt, dass Befristungen längst zu einem Massenphänomen geworden sind, die alle auf dem Arbeitsmarkt treffen", erklärt DGB-Kreisvorsitzender Bernd Hesse.

Gravierend sei dabei der Anstieg von sachgrundlosen Befristungen. Nach einer neuen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) machten diese im Jahr 2018 4,4 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Niedersachsen aus - insgesamt 155 000 Arbeitsverträge. Der Hauptgrund dafür soll die Überprüfung der Eignung sein.

Hesse kritisiert diese Praxis: "Sachgrundlose Befristungen werden immer öfter als verlängerte Probezeit missbraucht. Das erhöht den Leistungsdruck und macht Beschäftigte erpressbar. Generell haben es Befristete schwer, gute Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen einzufordern. Eine Schwangerschaft, eine zu lange Krankheit, eine engagierte Betriebsratsarbeit - alles kann dazu führen, dass der Vertrag einfach nicht verlängert wird. Schwer erkämpfte Kündigungsschutzrechte werden dadurch ausgehöhlt." Wer befristet sei, könne auch in anderen Lebensbereichen nicht langfristig planen.

Knapp 80 Prozent der befristeten Verträge in Deutschland haben eine Laufzeit von unter zwei Jahren (Statistisches Bundesamt 2017). Das bedeutet Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche oder beim Versuch einer Kreditaufnahme. Für ausländische Beschäftigte könne eine Befristung sogar nach mehreren Jahren Aufenthalt darüber entscheiden, ob sie auf Dauer in Deutschland bleiben können oder nicht. Einer Befragung des DGB zufolge sind Zukunftssorgen bei befristet Beschäftigten deutlich weiter verbreitet als bei unbefristet Beschäftigten Die Regierungsparteien hätten im Koalitionsvertrag vereinbart, den Missbrauch von Kettenbefristungen und von Befristungen ohne Sachgrund abzuschaffen, so Hesse. Der Vereinbarung müssten Taten folgen.

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