Das Haus des Kinderhospizvereins Cuxhaen-Bremerhaven. Foto: Archiv
Kommentar zu Ermittlungen

Kinderhospiz-Verantwortliche: Vertrauen verspielt

24.12.2018

Es ist eine hässliche, eine bedrückende Schlagzeile: "Ermittler durchsuchen das Kinderhospiz", titelte unsere Zeitung vor wenigen Tagen.

Ausgerechnet eine solche Einrichtung, die ein so wichtiges Anliegen vertritt, die einen so hohen Vertrauensvorschuss genoss. Man will es eigentlich nicht wahrhaben.

Aber Fakt ist: Das Kinderhospiz in Cuxhaven gerät immer mehr unter Druck. Zwei Verantwortliche stehen unter dem Verdacht der Untreue beim Umgang mit Geldzahlungen an das Hospiz. Das war der Grund für die Razzia. Schlimmer kann es für den Verein, die ehrenamtlichen Mitarbeiter und die von ihnen betreuten Kinder und Familien nicht kommen.

Selbstverständlich gilt zunächst die Unschuldsvermutung für die Betroffenen, die im Fokus der Strafverfolger stehen. Aber auch für den Fall, dass sich der Untreuevorwurf nicht bestätigt und dass womöglich keine strafrechtlichen Konsequenzen drohen, ist das Kinderhospiz in der derzeitigen personellen Aufstellung kaum noch haltbar. Die Einrichtung und der Verein benötigen dringend eine Runderneuerung.

Seit der Eröffnung des Hospizhauses im Herbst 2016 ist vieles schiefgelaufen. Der im Jahr 2017 zurückgetretene Vorstand und der jetzige Vorstand haben Vertrauen missbraucht. Gegen jede Vernunft wurde 2017 eine unqualifizierte Koordinatorin eingestellt - ein erster Fall von Vetternwirtschaft, der auch noch finanziellen Schaden verursachte, weil die Krankenkassen kein Geld für die Kraft zahlten. Weitere Fälle von allzu sorglosem Umgang mit Ressourcen und Geld sowie Vetternwirtschaft deckte unsere Zeitung auf. All das kann nicht im Sinne der Menschen sein, die das Haus mit Geld unterstützen. Das Maß wäre schon ohne die im Raume stehenden Ermittlungen längst voll.

Intention des Kinderhospizvereins ist es, sterbenskranken Kindern und deren Angehörigen ein Stück Lebensqualität zu geben und sie zu begleiten. Wer ein gesellschaftlich so wichtiges Anliegen vertritt und dafür um Spenden wirbt, muss über jeden Zweifel erhaben sein. Die Verantwortlichen im Kinderhospiz sind es nicht. Sie müssten - schon wegen des Untreueverdachts - ihre Posten ruhen lassen, damit das Projekt nicht noch mehr Schaden nimmt.

Unsere Region braucht eine solche Einrichtung. Und die ehrenamtlichen Kräfte des Vereins leisten engagierte und wertvolle Arbeit. Im Raum steht die Frage, warum sich die Vereinsmitglieder - es sind immerhin rund 150 - sowie die ehrenamtlichen Kräfte bedeckt halten. Empörung über die Zustände oder Protest sind bisher nicht zu vernehmen.

Es ist jammerschade um das Kinderhospiz. Derzeit sieht es so aus, als sollte de Einrichtung zum Scheitern verurteilt sein.

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