Der Stadtrat entscheidet über die Vergabe des neuen Kita-Trägers in Cuxhaven. Archivfoto: Koppe
Kommentar zum Kita-Wirbel

Kita-Betreiber: Erfolge nicht einmal erwähnt

22.11.2018

Es wäre schon sehr kurios, grundsätzlich gegen einen seit fast 100 Jahren etablierten Sozialverband wie die Arbeiterwohlfahrt zu wettern.

Das sind schon auch Profis, genau wie die etablierten Akteure vor Ort. Nach bisherigen Signalen aus der Politik deutet vieles darauf hin, dass der Rat dem Vorschlag der Verwaltung folgen und pro Arbeiterwohlfahrt votieren wird. Zumindest nach den vorliegenden Stellungnahmen zu urteilen und wenn gefühlt der halbe Rat wegen persönlicher Betroffenheit ausgeschlossen wird.

Es liegt überhaupt nicht in der Verantwortlichkeit des möglichen neuen Betreibers, wenn diese Entwicklung durch viele Vorbehalte begleitet wird. Denn die Entscheidung für einen ortsfremden Anbieter könnte man auch als Signal an die Unterlegenen interpretieren: So, nun strampelt man los im Becken voller bunter Fische und überlegt mal, was ihr künftig besser machen wollt. Ausgerechnet die pädagogische Qualität als ausschlagendes Kriterium zu benennen, ist schon bemerkenswert.

Schließlich wurde die pädagogische Qualität des evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverbands über all die Jahre gern genommen, wenn zum Beispiel das Lehfeld sozial aufgewertet, zusätzliche Krippenplätze in Altenwalde oder Groden geschaffen werden mussten oder unlängst ein Träger für das dringend benötigte Container-Provisorium für eine Kindergarten- und eine Krippengruppe in Süderwisch gesucht wurde. Die evangelische Kirche sprang in die Bresche, wird voraussichtlich im kommenden März die Arbeit dort in Containern aufnehmen und sich verabschieden, wenn das schöne neue Kindergartengebäude fertig ist.

Nicht erwähnt werden die Verdienste der seit über 30 Jahren bestehenden, sogar über Deutschland hinaus angesehenen Trägerarbeitsgemeinschaft der Cuxhavener Kindertagesstätten. Dort entstandene Kooperationen wie die trägerübergreifende Sprachwerkstatt, die Ferienbetreuung für Schulkinder, die ebenso übergreifende Fortbildung fast aller Fachkräfte oder der gemeinsame Pool für Therapeutinnen und Therapeuten kommen nicht nur Eltern und Kindern zugute, sondern sorgen auch noch dafür, dass Ressourcen optimal ausgenutzt werden, was auch beim Land gut ankommt.

"Das Know-how, das da ist, wird einfach weggewischt", so war es in einem unserer vielen Hintergrundgespräche in dieser Woche zu hören. Ja, Vielfalt kann eine Bereicherung sein. Andererseits ist aber auch offensichtlich, dass hier der Konkurrenzkampf in der Bildung angekurbelt werden soll. Damit wird aber auch der Kampf um knappes Personal und finanzielle Förderung schärfer. Doch dass betriebswirtschaftliche Denke dem Sozialwesen nicht gut tut, ist zum Beispiel im Gesundheitswesen leidvoll zu erkennen.

Das Vertrauen der etablierten Akteure der Cuxhavener Kindergartenlandschaft in die Stadtverwaltung wird auf jeden Fall ordentlich durchgerüttelt, und das des evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverbands sowieso. Denn mit der ausgesprochenen Betonung des geschlossenen Konzepts in der neuen Einrichtung wird auch unausgesprochen der Eindruck erweckt, dass da beim Vorhandenen etwas nicht stimmen könnte. Und das nach der geleisteten Pionierarbeit, für die Cuxhaven weithin bewundert wird.

Zum Artikel über den Kita-Wirbel geht es hier.

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