Das Homag-Werk in Hemmoor. Foto: Archiv
Standpunkt

Kommentar zur Homag-Zukunft in Hemmoor: Mehr Verlogenheit geht nicht

von Egbert Schröder | 12.12.2019

HEMMOOR. Die Firma "Homag" beendet die Produktion in Hemmoor, aber vereinbart vorerst eine Kooperation mit der Lebenshilfe. Dazu ein Kommentar von Egbert Schröder.

Ehrlich gesagt: Ich bin fassungslos. Und das kommt bei mir im redaktionellen Geschäft nicht allzu oft vor. Da lässt sich die "Homag Group AG" dafür feiern, dass sie der Lebenshilfe weiterhin - vorerst - Aufträge zuschanzen wird, auch wenn die Produktionsstätte in Hemmoor vor der Schließung in einem Jahr steht. Das wäre gut. Aber: Rund 150 Menschen verlieren im eigentlichen Produktionsbetrieb ihren Job - mit einem Federstrich und dem Verweis auf "langfristig wirtschaftlich" notwendige Einsparungen spätestens im Dezember 2020.

Ich hätte nie gedacht, dass PR-Agenturen in ihrer Hofberichterstattung so weit gehen, dass sie die Fortsetzung einer (vielleicht nur) vorübergehenden Zusammenarbeit mit Menschen, die aufgrund eines Handicaps in der Lebenshilfe beschäftigt sind, tatsächlich als ein soziales Engagement verkaufen wollen. Das ist für die Betroffenen zwar toll. Aber ich frage mich: Wie mögen sich die rund 150 Homag-Beschäftigten in Hemmoor fühlen, die sich jetzt auf Jobsuche begeben müssen? Und hält "Homag" mittel- und langfristig an der Vereinbarung mit den Lebenshilfe-Werkstätten überhaupt fest?

Ich empfinde es - gelinde gesagt - als verlogen und anmaßend, in dieser Zeit der Unsicherheit für die Homag-Beschäftigten sich derart als sozialer Partner ("vor Weihnachten") feiern zu lassen. Und wenn ich dann noch die gestelzte und von der PR-Agentur gestanzte Aussage von Christian Breyer ("... von der HOMAG Group") lese, dann ist für mich der Gipfel der Verlogenheit erklommen: "Es ist uns eine Freude, mit dem Werkhof der Lebenshilfe in Hemmoor weiter vertrauensvoll und gemeinsam erfolgreich Zukunft zu gestalten. Wir wollen hier auch deutlich machen, dass wir zu unserer Verantwortung stehen, die Folgen der geplanten Veränderung in Hemmoor sozial verträglich zu gestalten."

Da schwingt sich ein Unternehmen als Retter für die Beschäftigung von Menschen mit Handicap auf, das 150 reguläre Arbeitsplätze in der Firma streicht und dies auch konsequent durchzieht. Wie tief ist Homag mit seiner langen Tradition in Hemmoor eigentlich schon gesunken?

Einen Artikel zum Thema lesen Sie hier.

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Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

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