Kopfschütteln und fragende Blicke

29.06.2018

Politik soll zum Mitmachen einladen, doch in der Realität sieht es ganz anders aus. Ein Kommentar von Jan Unruh

Junge Menschen für politisches Engagement zu begeistern, ist schwer. Zuschauer in politischen Sitzungen der Stadt? Meist Fehlanzeige.

Im Sportausschuss der Stadt Cuxhaven ein anderes Bild. Die Zuschauerplätze waren prall gefüllt – vor allem mit jungen Leuten, die sich für die Entwicklung in der Sache Skateranlage am Bahnhof interessierten. Sie alle konnten aber auch hautnah miterleben, warum Politik oftmals Kopfschütteln auslöst. Es ging um einen harmlosen Tagesordnungspunkt in der Sitzung. Vorsitzender Oliver Ebken (SPD) hatte im Vorfeld die Idee, dass sich kleinere Cuxhavener Sportvereine, die nicht so oft im Fokus stehen, kurz und knapp dem Gremium vorstellen können – mit ihren Sorgen, ihren Wünschen. Eine interessante Idee. Den Anfang sollte der Verein Cux-Kiters e.V. machen. Doch bevor die Vorstellungsrunde begann, gab es schon erste Diskussionen. Von Seiten der CDU wurde bemängelt, dass es noch keine Richtlinien für die Vorstellungsrunde der Vereine gebe. Chancengleichheit war das Stichwort. Und so entbrannte eine mehrminütige Diskussion über Regularien und Richtlinien. Im Zuschauerraum blickten sich die meist jungen Zuhörer fragend an. Der Vorsitzende der Cuxkiters, Frank Lodemann, stand etwas verdutzt vor dem Gremium. Erst einige Zeit später konnte er seinen Verein kurz vorstellen. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion in der Runde über Kite-Zonen, Jugendarbeit und Platzproblemen. Eine Diskussion, die der Sitzung gut tat. Es wurde konstruktiv miteinander geredet, die Cuxkiter konnten ihre Probleme und Wünsche loswerden.Nur der CDU schien es nicht zu gefallen. Sie berief sich auch nach der Vorstellungsrunde auf die Regularien, die es für die Vereine geben müsse, die sich in der Runde vorstellen. Erneut rückten die Inhalte der Kiter in den Hintergrund und die Sitzungsformalitäten in den Fokus. Ziemlich schade. Da sitzen schon mal viele junge Zuhörer im Publikum und diese müssen hautnah miterleben, was Politik hierzulande eben auch bedeutet – nämlich das Herumreiten auf Formalitäten und Regularien, das nicht nur bei den jungen Zuschauern ein dauerhaftes Kopfschütteln auslöste...

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