Die Standortfrage eines Kunstrasenplatzes in Cuxhaven erhitzt die Gemüter. Foto: von Erichsen/dpa
Kommentar zur Politik

Kunstrasen in Cuxhaven: Standortfrage wird zum Politikum

von Frank Lütt | 23.05.2019

Politische Gremien kurz vor Wahlen zu besuchen, hat seinen Reiz, laufen die Sitzungen doch anders ab als sonst.

Manches Wahlkampfgetöse ist vorhersehbar, aber eben nicht alles. Der Sportausschuss in der Stadt Cuxhaven gilt eigentlich als ruhig und sachlich, doch seit einigen Monaten gärt es, obwohl die Beteiligten in der Sache gar nicht so weit auseinanderliegen.

Niemand kann etwas dagegen haben, wenn von der Investitionssumme von 2,22 Millionen Euro in die Grodener Sportanlage 90 Prozent aus einem Bundesprogramm finanziert wird. Dass der zweite Sportplatz, der mit Kunstrasen versehen werden soll, gar kein Fußballplatz, sondern laut Flächennutzungsplan eine Grünfläche ist, erregte die Gemüter nur ein wenig. Baudezernent Martin Adamski beruhigte den Ausschuss, dass die planungsrechtlichen Dinge alle rechtzeitig abgearbeitet werden könnten, sodass das Gesamtprojekt nicht in Gefahr sei.

Strittiger ging es zu, als es um einen größeren Batzen Geld ging, den die Stadt nach einem Ratsbeschluss aufbringen möchte. 577 100 Euro stehen im Haushalt, um einen Naturrasen- in einen Kunstrasenplatz umzubauen. Dieses Vorhaben wurde schon beschlossen, als noch niemand an das Grodener Projekt überhaupt gedacht hatte. Solch ein wetterunabhängiges Spielfeld ist begehrt, gibt es doch bisher keines in der Stadt Cuxhaven. Dabei soll dieser Platz grundsätzlich von allen Vereinen genutzt werden, kein Klub hat dann also sein eigenes Kunstrasenfeld. Aber die Standortfrage wird zum Politikum. Im Hintergrund gab es zahlreiche Gespräche und Bewegung. Vereine suchten noch mehr die Nähe zu den ohnehin offensichtlich nahestehenden Politikern. So werden Rot-Weiss Verflechtungen mit der CDU nachgesagt, Eintracht und die SPD sollen die andere Allianz bilden. Das ist für den Ablaufplan nicht unbedingt förderlich. Ursprünglich hatte sich der Ausschuss auf ein Prozedere geeinigt. Erst sollte das Geld in den Haushalt gestellt werden - das ist geschehen -, und dann sollten Argumente zum Für und Wider der infrage kommenden Plätze gesammelt werden, erst danach wollte sich die Politik auf einen Standort einigen. Doch einige Ausschussmitglieder und andere Politiker verließen diesen Weg, legten sich schon fest, bevor die Verwaltung überhaupt ihre Zusammenfassung und die daraus resultierende Rangliste präsentierte.

Vor der Ausschusssitzung machte Thiemo Röhler für die CDU/FDP-Gruppe noch einmal mit einer Pressemitteilung deutlich, dass sich sein Lager schon auf Brockeswalde II festgelegt hat. Dabei griff er den Sportausschuss-Vorsitzenden Oliver Ebken an, der häufig Brockeswalde II als ungeeignet dargestellt habe. Rüdiger Mrasek (CDU) führte bei der Ausschusssitzung als Argument an, dass sich die Vereine, die einen Jugendförderverein (JFV) in Cuxhaven gründen wollen, als Standort für die Leistungsteams Brockeswalde wünschten.

Auch Sport in Cuxhaven (SiC, ehemals Sportkreis Cuxhaven) legte sich bereits im Vorfeld fest, unterstützte ebenfalls den zweiten Platz in Brockeswalde. Dabei sollte SiC mit der städtischen Verwaltung zusammen den Vorschlag erst noch erarbeiten. Schon komisch, wenn sich jemand schon festgelegt hat, obwohl er erst noch ein objektives Ergebnis erarbeiten soll. Dass SiC-Vorsitzender Bernd Zimmermann mit "allen Vereinen gesprochen" und sich "kein Verein gegen Brockeswalde II ausgesprochen" habe, untermauere den Beschlussvorschlag. Ebken sei überrascht worden von der Aussage, dass SiC mit allen Vereinen gesprochen habe. Er monierte, dass einige Details nicht geklärt seien wie beispielsweise Sicherheitsaspekte, Zuschauerkapazität und die Eignung des Flutlichts für den Pflichtspielbetrieb bei höherklassigen Teams. Dass SiC-Vorsitzender Bernd Zimmermann sich so deutlich für Brockeswalde II ausspricht, lockte Rüdiger Kurmann (Die Cuxhavener) aus der Reserve: "Bernd, Du gehst immer zuerst zur CDU und die anderen werden überhaupt nicht informiert." Nach diesem Ausspruch rumorte es im Saal. Kurmann nahm seine Äußerung daraufhin zurück. Elke Schröder-Roßbach (Grüne) sagte nur süffisant: "Aber gesagt ist es erst mal." Sie selbst erinnerte übrigens wie Kurmann an den Sportentwicklungsplan, an den sie sich gebunden fühle. Und darin werde unter anderem erwähnt, dass die Verwertbarkeit der Sportplätze Kampfbahn, Strichweg und Brockeswalde zugunsten einer zentralen Sportanlage geprüft werden soll.

Schröder-Roßbach: "Warum steht hier eigentlich Brockeswalde als Kunstrasenplatz zur Diskussion?" Außerdem sei es bei den Haushaltsberatungen nur um den Bau eines Kunstrasenplatzes gegangen, den bekäme Cuxhaven schließlich mit dem Grodener Projekt: "Es gab nicht den Automatismus für einen zweiten Sportplatz." In dieselbe Kerbe schlugen noch zwei Zuhörer beim Tagesordnungspunkt "Einwohnerfragen zu Beratungsgegenständen", wovon einer dies eigentlich gar nicht hätte machen dürfen, weil er nicht in Cuxhaven wohnt, nämlich Edmund Stolze, Kreissportbund-Vorsitzender und ehemaliger Sportreferent bei der Stadt. Er gab nur ein Statement ab, stellte keine Frage. Das passte ins Bild an diesem Tage, wo Ebken in der Funktion als Ausschussvorsitzender auch noch manches Mal die gebotene Neutralität vermissen ließ und mit seinen Redebeiträgen Meinung verbreitete.

Glücklicherweise ist die Abstimmung über das Thema letztendlich vertagt worden, weil die Grünen in ihrer Fraktion noch Beratungsbedarf haben. Also fällt die Entscheidung erst nach den Wahlen und die Mitglieder können sich dann wieder mehr den Sachargumenten zuwenden.

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Frank Lütt

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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