Am Sonnabend brannten in ganz Deutschland die Mahnfeuer. Die Landwirte wollen damit auf die, aus ihrer Sicht, falsche Agrarpolitik aufmerksam machen.Foto: Schiefelbein
Landwirtschaft

Lamstedt: Mahnfeuer gegen die aktuelle Agrarpolitik

09.12.2019

LAMSTEDT. Deutschlandweit machten am Sonnabend die Landwirte ihrem Ärger gegen die derzeitige Agrarpolitik der Bundesregierung Luft.

Die hat sich mit dem Agrarpaket mehr Insektenschutz, weniger Düngemittel, sauberes Grundwasser und besseren Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben. Auch in Lamstedt und Wohlenbeck loderten Mahnfeuer. Etwa 200 Landwirte und Angehörige sowie der Landwirtschaft nah stehende Personen nahmen an dieser sehr friedlichen Protestkundgebung teil.

"Buhmänner der Nation"

Mit den Mahnfeuern wollten die Landwirte nach eigenen Angaben niemanden blockieren. Ihr vorrangiges Ziel sei es, deutlich zu machen, dass die moderne Landwirtschaft auch einen Beitrag zur Pflanzenvielfalt und zum Klimaschutz beitragen könne. Und mit Blick auf die bevorstehenden Festtage: Ein Weihnachtfest ohne landwirtschaftliche Produkte ist wohl kaum vorstellbar.

Die Aktion wurde vom Bündnis "Land schafft Verbindung" (LSV) organisiert. Die Bauern befürchten, dass sie Ackerbau und Viehzucht bald nicht mehr wirtschaftlich betreiben können. Auch stört es sie, dass sie für vieles pauschal verantwortlich gemacht werden. "So kann es nicht weitergehen", so Armstorfs Bürgermeister Heino Klintworth, zugleich stellvertretender Kreislandvolkvorsitzender. "Wir sind nicht die Buhmänner der Nation." " Die Demo in Berlin vor einigen Wochen soll keine Eintagsfliege bleiben", sagt Marco Dammann, der gemeinsam mit Claus Baack und Dirk Buhbe das Treffen in Wohlenbeck organisierte. "Wir machen weiter. Wir wollen, dass unsere Meinungen respektiert werden." Die politischen Entscheidungen hält er teilweise für ideologisch begründet, fachlich jedoch für unvertretbar.

Als Beispiel nennt sein Vater Klaus die Greeningflächen. "Bis zum 1. Oktober muss das Saatgut der Zwischenfrüchte eingebracht sein, egal in welchem Zustand die Flächen sind. Sinnvoller könnte jedoch der 15. Oktober oder ein anderer Zeitpunkt sein. Das zeugt von wenig Sachverstand." Gleich mehrere Landwirte hielten die Meldepraxis für Nitrat im Grundwasser für fragwürdig. So gebe es in Deutschland fast 11 000 Messstellen. Nur 800 seien ausgewählt worden, deren Werte an die Umweltbehörden weiter gegeben werden. Andere Länder hätten die Werte von über 5000 Messstellen erhoben. Das ergebe ganz andere Durchschnittswerte. Stefan Kohrs, der sich mit Ulf Steffens für die Demo in Lamstedt verantwortlich zeigte, sprach von einer "irrsinnigen Auflagenflut", der sich seine Berufskollegen und er stellen müssten. "Die Politik redet nicht mit uns, nur über uns." Mit Blick auf das vom Bundeskabinett beschlossene "Aktionsprogramm Insektenschutz" und den eingeschränkten Einsatz von Pestiziden meinte ein weiter Landwirt: "Wenn ein Arzt einer erkrankten Person 100 Milliliter einer bestimmten Arznei verschreibt, er aber nur 80 Milliliter einnimmt, dann ist er nicht ganz krank, aber auch nicht gesund." Die Pflanzen würden verhungern.

"Ich kann die Forderungen der Landwirte voll unterstützen", führte Lamstedts Bürgermeister Manfred Knust aus, der an beiden Mahnfeuern teilnahm. Er verurteile den überzogenen Bürokratismus der "großen Politik". Es würden zu viele Entscheidungen am grünen Tisch getroffen, ohne die Fachkenntnisse der Landwirte zu beachten. Auch sei die Wirtschaftskraft der Landwirtschaft für die hiesige Region nicht zu unterschätzen. (ho)

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