Ein Landwirt holt seine Ernte ein. Im Hintergrund grasen Kühe. Archivfoto: Leuschner
Kommentar zu Agrar-Vortrag

Landwirtschaft: Dialog auf Augenhöhe führen

von Egbert Schröder | 13.03.2019

Er weiß, wovon er spricht: Eberhard Breuninger ist als Kommunikationstrainer tätig. Seinen Rat sollten sich insbesondere die Landwirte zu Herzen nehmen.

Der Agrarwissenschaftler beherrscht nicht nur die Kunst der Kommunikation, sondern stammt auch aus einer Landwirtsfamilie. Am Sonntag hielt er bei einem Seminar des niedersächsischen Landfrauenverbandes einen Vortrag über das Thema "Wie sag ich's dem Verbraucher?". Und adäquate Antworten auf diese Frage werden für die bäuerlichen Betriebe immer wichtiger. Aber das scheint leider noch nicht überall angekommen zu sein ...

Breuninger hat kürzlich dem Politikjournal "Rundblick" ein interessantes Interview unter der Überschrift "Bauern sind auch nur Menschen" gegeben. Er warnt davor, dass sich Landwirte gleich in eine Abwehrhaltung begeben, wenn ihre Arbeit kritisch hinterfragt wird: "Unternehmen haben in der Regel Leitlinien, dort ist Öffentlichkeitsarbeit ganz normal. Die Landwirte dagegen arbeiten eher für sich und die Werbung in eigener Sache ist auch jedem selbst überlassen. Viele tun sich damit schwer und fühlen sich deshalb schnell angegriffen, wenn Kritik kommt", sagt der Experte.

Dabei handele es sich oft nur um ein Missverständnis in der Kommunikation: Wenn der Bauer nur "haarklein eine Flut von Informationen" im Gespräch transportiere, schalte mancher Verbraucher aus Überforderung "auf Durchzug". Beim Thema Landwirtschaft gehe es eben nicht nur um Informationen, sondern auch um Emotionen.

Dass man im direkten Dialog nicht nur Kritik einstecken muss, sondern auch auf Verständnis stößt, hat sich Ende Januar bei der vom Wesermünder Landvolk initiierten Aktion "Redet mit uns statt über uns" gezeigt. Vor einem Einkaufsmarkt in Bad Bederkesa hatten Landwirte Info-Stände aufgebaut, gingen auf Kunden zu und kamen ins Gespräch. Schade, dass dies im Hadler und Cuxhavener Bereich offensichtlich nicht umsetzbar war. Und es wäre noch fataler, wenn der Hadler Landvolkverband erneut die Chance verstreichen lässt, sich am nächsten "Tag des offenen Hofes" zu beteiligen.

Gerade in solchen Aktionen sieht auch Breuninger die Chance, der "Entfremdung" zwischen Landwirten und Verbrauchern zu begegnen: "Die Menschen bekommen die Entstehung von Lebensmitteln nicht mehr unmittelbar mit. Zum einen, weil viele in der Stadt leben und dort keine Berührungspunkte mit Landwirtschaft haben. Zum anderen, weil Ställe aus hygienischen und Effizienzgründen mittlerweile stark abgeschottet sind, sodass man von außen den Eindruck bekommt, die Landwirtschaft sei nicht transparent."

Für Transparenz kann und sollte jeder Landwirt mit einem offenen Dialog auf Augenhöhe selbst sorgen. Das ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich, denn am Ende kann er eine besondere Ernte einfahren: Verständnis für einen Berufsstand, der in der Öffentlichkeit oft zu Unrecht im Kreuzfeuer der Kritik steht.

Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

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