Leon-Prozess: Staatsanwalt fordert zehnjährige Haftstrafe

06.05.2008

"Besondere Gewalt? und Schutzwürdigkeit des Opfers angeführt

<b>mr. ? Zehn Jahre Freiheitsentzug wegen Körperverletzung mit Todesfolge, das ist die Forderung des Staatsanwalts im Prozess gegen Remo M. (23). "Das ist ja praktisch das Höchstmaß, das wird in ganz anderen Fällen verhängt?, so die Reaktion des Verteidigers. Er beantragte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung; das Strafmaß überließ er dem Gericht. </b>

Gestern Vormittag schloss der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp die Beweisaufnahme im Leon-Prozess. Was war wirklich in der Wohnung am Abend des 3. Oktober 2007 geschehen, an dessen Ende Leon (11 Monate) tot war? Zur Aufklärung sollten die Aussagen der Lebensgefährtin von Remo M. ? Leons Mutter ? beitragen. Da diese nicht persönlich vor Gericht erschien, wurden ihre Aussagen bei der Polizei vom 4. und 5. Oktober sowie Mitte November verlesen.

Am Tatabend will sie sich müde ins Schlafzimmer gelegt haben, um den "Werner?-Film im Fernsehen zu sehen. Die Schlafzimmertür soll geschlossen gewesen sein. Sie konnte noch sagen, welche Szene im Film zu sehen war, als Remo M. ins Schlafzimmer kam und verkündete, Leon habe schon wieder aufs Sofa gemacht. Als sie Leon daraufhin aufs Töpfchen gesetzt hätten, sei der schon "wie Pudding? hin und her geschwankt und hätte von beiden festgehalten werden müssen.

Danach sei ihr aufgefallen, dass Leon nicht mehr atme. Remo M. habe mit Wiederbelebungsmaßnahmen ? unter anderem brachialer Herzmassage ? begonnen. Als er Leons Body hochgeschoben habe, habe sie gefragt "Mensch, was sind denn das für blaue Flecken?? Remo habe gesagt, das wisse er nicht. Mit der Faust habe er aus 50 Zentimetern Höhe wiederholt auf seine andere Hand eingeschlagen, die aufs Leons Brust lag. Auf den Hinweis "Das kannst Du doch nicht machen?, habe er entgegnet, er wisse, was er tue.

"Da wollte er auf Deubel komm raus korrigieren, was er angerichtet hatte?, vermutete der psychologische Gutachter. "Rationale Erwägungen waren da außen vor.? Dafür sah er auch noch vielfältige weitere Gründe. Nach einer "ungünstigen Sozialisation? habe der Angeklagte weder Schul- noch Berufsabschluss erreicht.

In verschiedenen Tests habe sich ganz klar die Diagnose "ADHS im Erwachsenenalter? gezeigt, gepaart mit anderen seelischen Störungen.

"Wir wussten zu wenig von Anfang an?, stellte der Staatsanwalt fest. Von einem Versehen mochte er vor allem angesichts des Gutachtens des Gerichtsmediziners nicht ausgehen. Die schweren Verletzungen seien durch mindestens einen gezielten Schlag in den Bauchraum verursacht worden. Die verunglückte Reanimation sei sicher dafür nicht ursächlich gewesen, denn ohne Verletzung wäre sie ja gar nicht nötig geworden.

Der Angeklagte habe den Tathergang in vielen Versionen dargestellt. Dies sah der Staatsanwalt als einen möglichen Vertuschungsversuch an. Von einem vorsätzlichen Tötungsdelikt ging er nicht aus, einen Vorsatz unterstellte er aber sehr wohl, was die Körperverletzung anging. Die Nichtigkeit des Anlasses ? gleich, welche Version sich nun tatsächlich zugetragen habe ?, die besondere Gewalt und die Schutzwürdigkeit des Opfers, das Remo M. so geliebt haben will, dass er den Kleinen sogar adoptieren wollte, veranlasste ihn zu seiner Forderung nach zehn Jahren Freiheitsentzug wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die Reue über die Tat sei im Laufe des Verfahrens mehr ich-bezogen gewesen. Zudem habe sich Remo M. nach einem Urteil des Amtsgerichts Cuxhaven wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung in der Bewährungsphase befunden.

Sein Fazit: "Egal, welches Ergebnis wir erhalten: Für mich ist die Gewissheit beruhigend, dass die moralische Verantwortung für Herrn M. ein Leben lang bestehen wird. Das ist ein Teil der Strafe, die ihn betrifft.?

Der Nebenklägervertreter, der die Interessen der Mutter vertritt, schloss sich den Ausführungen des Staatsanwalts voll und ganz an, hielt aber auch eine Verurteilung wegen Totschlags für gerechtfertigt. "Es gibt keine entlastenden Gründe.?

Das sah der Verteidiger anders. Er vermutete, dass die schweren Verletzungen bei der impulsiven Wiederbelebung entstanden sind. "Wenn überhaupt, war das fahrlässige Tötung.? Von allen Zeugen sei übereinstimmend von Remos gutem Verhältnis zu Leon berichtet worden, außerdem habe er selbst den Notarzt gerufen: "So verhält sich doch kein Totschläger.?

"Ich hätte mich gern persönlich bei Frau K. (Leons Mutter) entschuldigt?, so Remo M., der das letzte Wort hatte. "Es tut mir wirklich leid, und ich würde das gerne rückgängig machen. Ich habe einiges kaputt gemacht und muss damit leben.?

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